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1894.
Samstag, den 17. Februar.
Der Rosenhos.
Novelle von C. Western.
(Fortsetzung.)
VII.
Durch die Straßen der Städte, Vom Jammer gefolget, Schreitet das Unglück, — Lauernd umschleicht es Die Häuser der Menschen, Heute an dieser Pforte pocht es. Morgen an jener, Aber noch Keinen hat es verschont. Die unerwünschte Schmerzliche Botschaft, Früher oder später Bestellt es an jeder
Schwelle, wo ein Lebendiger wohnt.
Schiller.
Joseph kehrte mit Mr. Shellock, der unter seiner Führung verschiedene Ausflüge gemacht, zurück nach Schwengau, da derselbe noch Schloß Hoch-Schwengau in Augenschein nehmen wollte. An der Oese aber mußten sie eine Weile Halt machen, da der Engländer erklärte, daß er sehr ermüdet sei.
Er legte sich an dem Hang zum Ruhen nieder und Joseph leistete ihm Gesellschaft. Während dieser sich noch gegen den Schlaf wehrte, vernahm er plötzlich Geflüster dicht unter sich. Er hörte deutlich die Worte: „Rosenbauer Rache nehmen, Haus anzünden," aber die Stimme kannte er nicht.
Rasch sprang Joseph auf und ging dem Schalle der Stimme nach. Er fand den Eingang zu einer Höhle, aus der die Stimme hervordrang. Die Höhle zu betreten, konnte jedoch Joseph nicht wagen, da er sich dann einem Ueberfalle ausgesetzt hättte. Inzwischen war es still in der Höhle geworden. Joseph überlegte, was in dieser heikeln Sache zu thun sei. Sollte er Mr. Shellock, der mit Revolvern versehen war, wecken, um vielleicht mit diesem vereint in die Höhle einzudringen? Was nützte dies aber, wenn die Höhle einen andern Ausgang hattte? Außerdem war jetzt Alles still. Jedenfalls sollte Mr. Shellock Alles wissen. Als nun dieser erwachte, theilte ihm Joseph die Beobachtung mit, worauf jener phlegmatisch bemerkte: „Schreibe Sie eine kleine Brief an der grobe Bauer, daß er sich hütet I"
Den Rath fand Joseph gut. Mr. Shellock lieferte den Stift und ein Blatt aus seinem Notizbuche und Joseph schrieb die Meldung an den Rosenbauer darauf. Als sie nun bei
ihrem Eintritt in Schwengau des Rosenbauers Gaisbuben trafen, händigte Joseph demselben den Zettel mit den Worten ein: „Gleich läufst Du zu Deinem Herrn und bringst ihm diesen Zettel; es hängt viel davon ab!"
Der Bube betheuerte Eifer und Schnelligkeit und lief davon. Der Rosenbauer aber lachte, als er das Zettelchen las und sagte kopfschüttelnd: „Schon wieder etwas von Joseph! Es wird Niemand wagen, mir etwas Böses zuzufügen!"
Dennoch schärfte er dann allen seinen Leuten die größte Wachsamkeit ein, ging auch selbst Abends spät noch in seinem Hofe von Raum zu Raum. So entdeckte man wirklich eines Abends einen Brand im Pferdestall und die Knechte schwuren darauf, daß sie den dunkelhäutigen Schuft, den Zigeuner, um den Hof hätten schleichen sehen- Der Bauer fluchte weidlich auf die ganze Bande dieser Landstreicher und empfahl nun seinem Gesinde die allergrößte Vorsicht-
Es war einige Tage später, als ganz Schwengau zusammen- lief, um die fürstlichen Equipagen mit den in scharlachrothe Röcke gekleideten Vorreitern und den hinten ausstehenden Leibjägern zu sehen. Die drei Wagen voll besternter Herren in Ctvilanzügen und Uniform hielten zuerst vor dem Pfarrhause, fuhren dann langsam durch das Dorf und machten schließlich vor dem niedrigen Ropp'schen Häuschen Halt.
Prinz Adalbert, der im vordersten Wagen saß, stieg mit Hilfe des schnellen Leibjägers, welcher vor mehreren Wochen Joseph durch seine Gelehrsamkeit den tiefsten Respect abge- nöthigt, aus und schritt auf die Hütte zu. Nur ein Herr im grauen Paletot und hohen Cylinder, des Prinzen Intendant, trat mit in die Hütte ein.
Joseph war eben draußen hinter dem Häuschen im Walde und bemerkte von der Ankunft des Prinzen nichts. Mutter Anna fielen die Arme vor Schrecken am Leibe herunter, als die beiden vornehmen Herren in ihr Häuschen traten- Dennoch nöthigte sie die Gäste, in das saubere Stübchen einzutreten, knixte tief und fragte: „Womit kann ich den gnädigen Herren dienen? — Soll ich vielleicht meinen Sohn, den Joseph, rufen?"
„Das ist nicht nöthig, liebe Frau," nahm hier der Prinz das Wort, „ich wollte nur heute die Mutter des wackeren Joseph Ropp sehen. Ich bin der Prinz Adalbert, von dem Ihnen Ihr Sohn wohl erzählt haben wird!"
„Ach, diese Ehre, gnädigster Prinz!" sagte die alte Frau und machte wieder einen tiefen Knix.
„Ich will gern Ihrem Sohn zu seinem Glücke verhelfen! Da nun der Rosenbauer seine Tochter nur einem Bauern


