mit zu besteigen und ste noch auf ein paar Augenblicke nach der Domäne zu begleiten, um dem Oberamtmann von dem Vorgefallenen zu erzählen, eine Einladung, die Fritz Gerding mit lebhafter Freude annahm.
„Der Tausend!" rief der Oberamtmann, als die kleine Gesellschaft angekommen war und Fritz seine Erzählung geendet hatte. „Habe ich's Euch nicht immer gesagt, hinter dem „Menschenscheuen" da in der Haide stecke ein ganz anderer Kerl? Ich weiß, was ich thue! Morgen Nachmittag fahre ich zu ihm hinaus und drücke dem Jungen die Hand. Habe so noch ein Geschäft mit ihm zu besprechen!"
„Nimm mich mit!" sagte Mariechen ruhig.
„Was, Mädel, ist's Dein Ernst? Zum Bienen-Vetter willst Du?"
Ehe das junge Mädchen antworten konnte, warf der Referendar ein: „Ich kenne den Vetter ja officiell auch noch gar nicht. Er hat sich heute so schneidig benommen, daß ich es als Pflicht fühle, ihm meine Aufwartung zu machen. Kann ich Euch begleiten, Onkel?"
„Natürlich!" rief der gute Oberamtmann seelenvergnügt. „Siehst Du, Alte, nun kannst Du Deine Thätigkeit als Gardedame morgen gleich fortsetzen. Denn nun mußt Du auch mit. Nein, keine Widerrede. Punkt drei Uhr geht's los. Punktum, streu Sand drauf!"
IV.
Auf Horstfelden war am folgenden Morgen alles seinen gewohnten Gang gegangen. Als am Abend spät Hinrik in den Hof einfuhr und barsch von der alten Trude trockene Kleider verlangte, hatte sie beim Anblick seiner nassen Kleidung laut aufgeschrien. Aber er hatte seinen Befehl noch barscher wiederholt und heißen Thee verlangt, den ste ihm mit zitternden Händen, so schnell es eben ging, bereitete. Auf ihre Frage, was denn pafsirt fei, erhielt sie nur ein werthloses Brummen als' Antwort, und so ging denn die Alte mit einer Vorstellung von allem möglichen Malheur ihres Herrn zur Ruhe, die ihr die Ruhe eben fast völlig raubte.
Der Vormittag hatte feine gewohnten Pflichten. Hinrik war in früher Morgenstunde, frisch wie ein Fisch, schon zur Imkerei in die Haide gegangen, hatte seinem Großknecht die nöthigen Anweisungen für den Tag gegeben und war Mittags müde und abgespannt heimgekehrt, ohne dem einfachen aber schmackhaften Essen, das die alte Trude heute wie immer zur rechten Zeit fertig hielt, besondere Ehre anzuthun. Als er dann aber wieder die paar Schritte hinüberging ins Gartenhaus, da brummte die ehrliche Alte verdrossen hinter ihm drein: „Es geht zu Ende mit ihm! Solch' Leben hält ja kein ehrlicher Christenmensch aus! Wenn doch nur der liebe Herrgott ein Einsehen haben und jemand schicken wollte, der ihn ordentlich aufrüttelte!"
Der Wunsch der Alten sollte sich eher, als ste dachte, aber nicht so, wie ste hoffte, erfüllen.
£3 Vier Uhr war's, der Kaffee stand längst schon in Hinriks Stube, aber der saß noch im Gartenhaus und dort durfte Trude ihn nicht stören. Da alarmirte Peitschenknall den ganzen Hof. Die Kalesche des Oberamtmanns kam herein- gefahren, und die uns bekannten Personen präsentirten sich der schier entgeisterten Trude in voller Lebensgröße. Gäste auf Horstfelden und noch dazu die gnädige Frau Oberamtmann und das gnädige Fräulein, ja, das war ja feit Mens hen- gedenken fast nicht dagewesen.
„Nun, wo steckt denn unser wackerer Hinrik!" rief der joviale alte Herr. „Wieder hei seinen Bienen, oder ist er daheim!" (Fortsetzung folgt.)
GenreinnÄtziges.
Kirschenmarmelade. Vom Stein befreite, fchöne reife Früchte legt man schichtenweise, mit feinem Zucker überstreut, in einen emaillirten Steinguttopf oder auch in eine ge
eignete Porzellanschüffel und stellt ste sorgfältig zugedeckt ungefähr 24 Stunden lang an einen möglichst kühlen Ort, an dem sie nicht in Gährung übergehen. Auf 1 Kilogramm ausgesteinte Früchte rechnet man 3/< Kilogr. Zucker. Das Kochen der eingezuckerten Früchte geschieht am vortheilhaftesten in einem Kupfer- oder Messingkeffel auf recht lebhaftem Feuer, wobei man mit einem sauberen Holzlöffel fleißig umrührt, auf dem Kesselboden die Form einer 8 beschreibend. Nach 15 Minuten läßt sich der heiße Brei durch ein Haarsieb durchschlagen. Ihre volle Steife erhält die Marmelade erst, wenn sie erkaltet ist; sie zu würzen, ist nicht zweckmäßig.
Kirsche» in Honig. *Saure oder halbsaure Kirschen werden mehrmals mit einer Nadel bis auf den Stein durchstochen, hierauf nebst wenig Nelken und Zimmt in Gläser, die man gut und fest verkorken kann, gelegt und mit reinem gekochtem und etwas abgekühltem Honig knapp bedeckt. Die Gläser sind fest zu verschließen und die Früchte, bis sich der Honig gut vertheilt hat, durcheinander zu schütteln; mit der Zeit werden sie immer besser.
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Zit getrockneten Kirschen dienen reife, gesunde Früchte jeder Art, welche, um den Saftverlust zu verhüten, zuerst mit den Stielen getrocknet werden; später können diese entfernt werden. Man bringt die Kirschen auf Hürden, die Stiele nach oben, oder auf Platten, Teller rc. Trocknet man auf Blech, so belegt man dieses zuvor mit starkem, unbedruck- tem Papier oder Pappe. Sind die Früchte fertig gedörrt, so bewahrt man sie in luftig gehängten Säckchen auf.
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Kirschwein Um Kirschwein aus Honig und Kirschen herzustellen, nimmt man ein Faß beliebiger Größe, schütte er halbvoll reifer schwarzer Kirschen ohne Stengel, gieße darauf drei Theile Wasser, worin ein Theil Honig aufgelöst wurde, und stelle das Faß in ein warmes Zimmer, das Spundloch nur mit einem reinen Läppchen überdeckt. In einigen Tagen beginnt die Gährung, worauf dann der Spundpfropfen leicht eingesetzt wird; so läßt man das Faß 14 Tage stehen und legt es dann in den Keller. Nach einem halben Jahre zieht man diesen Wein auf Flaschen oder auch auf ein anderes Faß. Der gebliebene Rückstand wird durch einen Aufguß guten Mets zu einem vorzüglichen Getränk.
Jn's Dorf ist ein neuer Pfarrer gekommen, ein sehr wohlbeleibter Herr. In den Bergen trifft er die ersten Tage, vom Steigen keuchend und schweißtriefend, mit einer Bauersfrau zusammen. Die fragt ihn zutraulich: „Guten Tag, sans eppet der neue Herr Pfarrer?" — „Ja, liebe Frau." — „Nehmen's halt net übel," sagt sie darauf treuherzig, „daß mer so viel Berge hab'n!"
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Ein Lehrer der Mittelschule in Nordhausen erhielt kürzlich von dem Vater eines seiner Schüler ein Schreiben, welches wörtlich lautet wie folgt: „Bitte, Herr........
nehmen Sie meinen Jungen nur recht scharf vor und schonen Sie den Stock nicht. Zu Gegendiensten gern bereit. Ergebenst —" (folgt der Namen des betr. Vaters).
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Kindermund. Mama (nachdem sie den kleinen Oskar gezüchtigt): „Weißt Du nicht, daß der große Salomo gesagt hat: Wer sein Kind lieb hat, der züchtigt es!" — Der kleine Oskar: „Wie er ein kleiner Junge war, wird er das wohl nicht gesagt haben!"
Ironisch. „Herr Professor, ich schreibe jetzt einen famosen Roman — der wird verwickelt, sage ich Ihnen!" — „Als Packpapier?"
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Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei (Fr. Thr. Pietsch) in Gießen.


