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seien nach Nord, der Andere nach Süd, Ost oder West ent« flohen. Um Mitternacht müssen sie ausgeriffen sein; neun Stunden später hat man die Flucht entdeckt. Glaubst Du, die Zwei blieben gemächlich in Leidhecken oder Echzell sitzen, bis der Büttel käme, um sie wieder einzuthürmen?"

Gott sei Dank, Vater, daß sie glücklich davon kamen, sie waren immer gut gegen uns."

Mein' ich auch, aber daß Du mir Dein Mundwerk da­rüber hältst. Wissen möcht' ich nur, wie Mensch und Thier in der Nacht so dumm und stumm und taub und lahm ge« worden, daß ich's noch in den Knochen spür'! Möchte schier glauben, daß etwas int Weine gewesen, so ein stark Schlaf« mittel."

Könnt' schon sein, Vater; dann muß es der Commiffarius selbst hineinpracticirt haben."

Ei ja doch, welche Dummheit Du da sprichst. Und dann hast Du und die Hunde doch keinen Wein getrunken, wäret aber doch alle Drei stumm und dumm und unwiß. Gelogen haben indeß die Knechte, na! und das nicht übel. Hätten nur zuweilen einen Schluck genommen, während sie das Faß auf einen Sitz ratzebutz austranken. Hätte es auch gethan, das Zeug war teufelmäßig gut. Zuletzt, als nichts mehr laufen wollte, habe der Feldweibel sich auf die Pritsche gelegt und den Spund des Fäßleins über den Mund gehalten, daß er das letzte Tröpflein finge."

Mit fieberhafter Ungeduld wartete Justine auf den Ein­bruch der Dunkelheit, dann eilte sie zur alten Beilstein. Dicht aneinander gedrängt, sprachen sie sich in die Ohren-

Gräuliche Dinge schwirren in der Leute Mäuler umher," sprach die Alte.Sage mir, sind die Zwei glücklich geborgen?"

Sicherer als wir, verlaßt Euch darauf, in einigen Wochen oder früher erhalten wir Nachricht und jetzt, um diese Stunde, sind sie getraut und vor Gott und Menschen ein christ­lich Ehepaar. Nun sagt mir, was sprechen die Leute? Ich darf draußen nicht fragen, damit ich mich nicht »erschnappe."

Der Feldweibel sprengt aus: Er und der Gefreite hätten mit ansehen müssen, wie drei große, rabenartige Fledermäuse zuerst die Mannschaft, dann Beide selbst betäubt, stumm und sprachlos gemacht; darauf sei des Teufels Großmutter mit einem großen, wallenden Federhute, thalergroßen glühenden Augen und krallenarttgen Händen vor den Thürmen erschienen; hätten sich auseinander gethan, des Rentmeisters Handschellen seien wie Sammthandschuhe herabgeglitten und er also frei geworden. Ein Gleiches sei bei Sibille vorgegangen. Habe darauf des Teufels Großmutter ihren Mantel ausgebreitet, sei wie ein abgerundetes Dreieck gewest; die Beiden darauf ge* setzet und mit ihnen durch die Luft, als in einer Teufels­kutschen davon gefahren und glücklich entkommen."

Justine lachte, daß ihr die Thränen in die Augen schossen; gerade weil sie das Lachen unterdrücken wollte und sollte, gab es ihr kräftigere Stöße. Sie erzählte der Alten die bewerk­stelligte Flucht auf das Umständlichste und bewies ihr, daß Alles in durchaus natürlicher Weife vor sich ging.

Der blutgierige Hexenrichter glaubt Alles haarklein, was die Soldaten ihm vorlogen oder was ihre Phantasie ihnen eingab," bemerkte die Alte.

Laßt ihn nur; ich sage Euch: er ist in seiner Juristerei ganz wohl erfahren, doch sonst der größte abergläubische Dumm­kopf int ganzen Lande. Jetzt haben wir hoffentlich Ruhe vor ihm."

Nein, liebes Kind, das haben wir nicht. Er soll zu dem Kanzleirathe Holthäuser geäußert haben: Meine Ansicht, in der Beundegasse sei der eigentliche Herd der Hexerei, hat sich glän­zend bestätigt. Dieser Rentmeister ist durch seine Buhle ver­zaubert worden; Beide fuhren in Feuerlust durch gewaltige Thürme und über das Land hin, ohne daß die geringste Fuß­tapfe der Flüchtlinge bemerkbar ist. Solch' greuliche Hexerei kam fast nirgends vor; es ist Pflicht, die letzte Spur auszu­tilgen, ehe es zu späte wird. Damit meint er mich."

Glaubet das nicht, Großmutter. Ihr habt keine rothen Augen, keine grauen Haare, seht nicht schief in die Welt, seid nicht krumm und buckelig, doch für Sure 75 Jahre noch rüstig,

frisch und gesund. Die Leute sind Euch nicht gehässig noch aussätzig, wer soll Euch als Hexe anklagen?"

Bist ein gewaltig klug und gescheidt Mädchen, Justine," antwortete die Alte erleichtert.In Deinem Heinen Körper wohnt ein heller Verstand, ein kluger Sinn, ein gutes Herz, ein feines Gemüth. Könntest eine treffliche Hausfrau werden, wenn"

Nun ja, wenn! Das ist es eben, wenn! Nicht einmal die Brosamen, die von anderer Leute Tische fallen---

Doch nein, ich darf nicht klagen, Großmutter. Es muß eine Seligkeit sein, für Diejenigen arbeiten, wirken und sterben zu können, die man liebt. Eins versprecht Ihr mir noch: Lehret mich den Schlaftrunk bereiten. Ist das schwer?"

Nein, mein Kind; die Pflanzen wachsen in der Nähe. Vorsichtig und mäßig angewandt, sind es krampfstillende, be- ruhigende Mittel. Stark gebraucht, erzeugen sie sicheren Tod. Du sollst die Heilkräuter kennen lernen, sobald die Frühlings­sonne sie wieder wachsen läßt."--

(Fortsetzung folgt.)

Der Bienen-Vetter.

Eine Heide - Novelle von C. Crome-Schwiening.

(Fortsetzung.)

Aber nun, nach geendeter Angst, gewann die Neugier die Oberhand.Wer war's?" lief die Frage von Mund zu Mund. Endlich kam die überraschende Antwort.Der Horst« seidener!"Der Menschenscheue!"

Mariechen hatte, zitternd an die Seite ihrer Mutter ge­schmiegt, dem Ausgange des Rettungswerkes bang gelauscht. Jetzt schlug der NameDer Horstfeldener!" an ihr Ohr. Was sie bei dem herrischen Befehl vorhin geahnt, nun war es Wirklichkeit.Vettischer Hinrik!" rief sie so laut, daß die Mama ganz erschrocken rief:Aber Kind!" Und nun perlten heiße Thränen aus ihren Augen. Die Frau Ober­amtmännin war darob ganz entsetzt und rief nach Fritz Ger- ding, der noch im Gewühl der Leute steckte.

Rasche Hände nahmen das Kind, um es von üblen Folgen des jähen kalten Bades zu befreien. Auch dem Retter, der raschen Schrittes triefend daher kam, boten sich die Hände hie und da, aber er schüttelte sie rauh ab:Laßt mich, Leute!" So strebte er über die Brücke der Dube'schen Wirth« schäft zu, um zu seinem schon angespannten Gefährt zu kommen.

Hinrik!"

Der Ruf bannte doch seinen Fuß. Zögernd sah er zur Seite. Unbekümmert um all die Leute eilte Marie zu ihm heran. Aber in derselben Eile folgte ihr Fritz Gerding, und sein aussteigendes heißes Gefühl gewaltsam unterdrückend, sagte Hinrik schroff:

Bleib weg da ich mache Dich naß!"

Das junge Mädchen blieb stehen. Sie sah nicht, daß er in wilder Qual die Hand auf's Herz preßte. Sie sah nur, wie er, triefend wie er war, sich auf seinen Wagen schwang, die Pferdedecke um sich warf und dann auf sein Pferd los­peitschte. Sie hörte nur, wie ein Arbeiter hinter ihr in seinem Platt sagte:Hei is verrückt, hei kann ja den Tod davon hebben!" Dann nahmen sie ihre Mama und Fritz Gerding wieder in Beschlag.

Aber, Marie!" rief die alte Dame mißmuthtg.Du machst ja eine Scene!" Sie hätte vielleicht noch mehr ge« sagt, aber Fritz schnitt ihr das Wort ab.

Also war er's wirklich, unserBienen-Vetter?"--

Jetzt reut's mich, daß ich ihn neulich einen Bauern nannte. Das war ein Heldenstück, wahrhaftig!"

Die ungeschminkte, feurige Bewunderung, die in den Worten des Referendars lag, berührte Marie so wohlthuend, daß sie ihrem Cousin dankbar die Hand reichte. Dieser drückte einen feurigen Kuß darauf, was die Frau Oberamtmännin so besänftigte, daß sie ihren Neffen einlud, die wartende Kalefche