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1894.

Nr. 69.

Samstag, dm 16. Juni.

-Anzeiger)

mit unaussprechlichem Glücksgefühl den Morgenimbiß genoffen, schaute der Hexenrichter Caspari mißmuthig in das von Eis- rauch verschleierte Horloffthal.

Die Magd kam und brachte den Morgentrank.Wo ist der Kanzleidiener?" herrschte der Gestrenge die Dienerin an.

Hat sich noch nicht blicken lassen, gestrenger Herr Com« missarius, kann es auch nicht."

Nicht? Was hindert ihn?"

Das Schloß ist noch abgesperrt, Niemand kann herein, oder heraus."

Geh' hin zur Wache, der Feldweibel soll sofort hierher kommen; es ist gut, daß er scharfe Controls und gute Wache hielt."

Die Magd eilte weg, Caspari setzte sich zum Frühstück. Kaum hatte er einige Bissen genossen, als die Magd wieder, an allen Gliedern zitternd und mit bleichen, verstörten Mienen hereinstürzte.

Herr, kommet hinab, im Wachthause sieht es greulich aus!" stieß die Person hervor.Die Männer liegen die Kreuz und Quer im Wachtzimmer; drei Unholde flattern darin herum, so groß wie Raben, und und da schlug ich die Thüre zu und eilte davon."

Der Commiffarius stürzte nach dem Wachthause. Vor« sichtig schaute er zuerst durch das Fenster. Was die Person erzählte, bestätigte sich, sogar das Umherflattern von unheim­lichen Thieren. Der Richter ergriff einen Pflasterstein und zertrümmerte das Wachtfenster; in dem Wachtraume regte sich nichts. Plötzlich surrte eine große Fledermaus durch die ent­standene Oeffnung, stieg in die Luft und fiel über die Schloß« mauer in den Wallgraben hinab. Caspari wich scheu zurück. Ein zweites und drittes Flatterthier folgte. Eiskalt rieselte es dem Hexenrichter über den Rücken. Aberglaube und Feig­heit verließen ihn nie.

Der Kerkermeister muß den Gefangenen Wasser und Brod bringen, er soll untersuchen, was in dem Wachthause vorgtng, in die Höhle wage ich mich nicht."

Die Wohnung des Kerkermeisters war verschlossen. Cas­pari rief sein Dienstpersonal zusammen. Alle herrschaftlichen Diener, Kutscher und Lakaien, in einem Worte: die ganze Hof­haltung war mit der fürstlichen Familie nach Homburg über­gezogen; dies der Grund, weshalb so wenige Personen im Schlosse anwesend und weshalb der Commissarius die Wachen verdreifachen ließ. Das Klopfen, Rütteln und Rufen an der Kerkermeisterswohnung blieb erfolglos. Dem Richter, dem es vorhin eisig kalt geworden, als er die Flatterthiere in die Lüfte steigen sah, wurde es jetzt glühend heiß.

(Forkfetzung.)

Als der junge Tag graute, standen Bardenstein und Sibille an der Pforte der Ronneburg. Die Zugbrücke war aufgezogen. Das Weib des Pförtners schaute neugierig durch das Guckloch am Thor.

Wer seid Ihr und was wollt Ihr?" rief das Weib.

Wir kommen aus dem Hessischen und suchen Schutz und Unterschlupf bei Euch, es soll Euer Schade nicht sein," rief Bardenstein, wobei er ein großes Silberstück zeigte.

Die Alte zog sich zurück und trieb den Pförtner aus dem Lager, damit er zusehe, was zu machen sei. Der beschaute sich das Paar und gedieh zu dem Entschlüsse, es einzulassen. Die Knechte kamen herbei und lösten die Ketten der Brücke, daß sie rauschend herniederging. Bardenstein und Sibille über­schritten die Brücke, welche alsbald wieder aufgezogen wurde.

Seid bedankt, Pförtner," sprach der Rentmeister;hier ist ein Reichsthaler und da Ihr Knechte hälfet, bekommt Jeder einige Albus "

Die Beschenkten zogen sich vergnügt zurück.Wollt Ihr für eine warme Morgensuppe sorgen?" fragte Bardenstein die Alte.

Ei ja, für so ein stattlich Paar ist mir keine Arbeit zu viel," schmunzelte die Thorwächterin und eilte nach der Küche:

Gerettet I" jubelten die Glücklichen.Wie wird es Justinen ergehen?" sprach Sibille, indem sie den Hals des Geliebten umklammerte.

Der Lenker der Menschenschicksale wird sie segnen für das, was sie an uns that," war die Antwort.--

Justine saß noch einige Zeit neben dem Ofen; dann er­hob sie sich und versuchte zu schlafen, aber es war ihr un­möglich.

Was Denen da unten Ruhe brachte," sagte sie,kann auch mir frommen. Der Hexenrichter wird keinen Verdacht auf uns werfen, wenn er uns betäubt findet." Sie nahm einige Tropfen, zuvor beseitigte sie das Fläschchen. Nach wenigen Minuten fühlte sie die Wirkung des Trankes und fiel in schwere Betäubung.

Zwölftes Kapitel.

Zu derselben Stunde, da Bardenstsin und Sibille oder wie sie sich jetzt nannten: Gerhardt und Margarethe, von den gewcütigen Mauern der uneinnehmbaren Ronneburg geschützt,

Die Hexe von Bingenheim

Von Gg. Schäfer.