es nicht mehr!" , . , ,

Salden blickte den Freund betroffen an. Sein sorglos heiteres Gemüth hatte für ein tieferes, leidenschaftliches Enrpfin- den kein rechtes Verständniß und er war momentan um Worte

eine Reise nach dem Schwarzwald gemacht und Beide erinner­ten sich lebhaft jener schönen, heiteren Zeit.

Von unseren Zukunftsträumen damals hat sich leider wenig erfüllt!" rief jetzt Salden lachend.Nicht einmal ein Weib haben wir errungen in den drei Jahren. Allerdings bin ich einigemal sehr nahe daran gewesen, mir einen häuslichen Herd zu gründen, aber schließlich dünkte mir die goldene Frei- jeit des Junggesellen immer noch verlockender, als ein holdes Ehegemahl, und ein Mädchen, das ganz meinen Ansprüchen genügt hätte, fand ich auch nicht!"

Man vergißt derartige Ansprüche manchmal gänzlich bei gewissen Frauenerscheinungen," sagte Born finnend.Es gibt so eigene individuelle Reize, die uns oft unwiderstehlich an­ziehen, wenn man auch kaum zu sagen weiß, worin sie bestehen, Göthe nannte derartige seltene Menschen: eine Natur!"

Lieber Freund, Du bist verliebt Und willst es nicht bekennen!"

rief Salden lachend.Ich will nicht forschen und indiscret sein, aber einen Roman hast Du sicher hinter Dir, Freund Born, und die kleine Stadt, von der Du durchaus nie sprichst, birgt jedenfalls jene» eigenartige Geschöpf, jene Natur! Ist sie schön? Ist sie blond oder dunkel?"

Born lachte und sagte:Das nennst Du nicht indiscret sein? Soviel kann ich Dir übrigen« sagen: Der Traum ist aus! Später erzähle ich Dir vielleicht einmal Alles."

Wenn wir wieder einmal zusammen Gottes schöne Welt durchwandern, nicht wahr?" entgegnete Salden.Dann er­schließen sich die Herzen, wie damals im Schwarzwald, wo ich Dir auch den einzigen kleinen Roman meines Lebens beichtete, Du erinnerst Dich wohl noch, von der jungen, schwarzäugigen, koketten Wittwe, deren Knaben ich aus dem Wasser gezogen hatte und die dann in ihrer Dankbarkeit so rührend liebens­würdig war, daß ich mich sterblich in sie verliebte. Zu mei­nem Glücke ist nichts aus meinem damaligen Heirathsplane geworden, die Dame ich habe sie neulich wiedergesehen hat sich sehr zu ihrem Nachtheil verändert. Sie ist, glaube ich, fast zwei Centner schwer geworden und ihr einst so hüb­sches Antlitz ist jetzt ganz zinnoderroth Ich preise jetzt wirk­lich mein Geschick, daß ich damals meine Neigung zu der einst so liebenswürdigen Wittwe überwunden habe. Die Zeit heilt eben in ihrer Weise alle Wunden, Du wirst das auch an Dir erfahren, lieber Born!"

Du verstehst so seltsam zu trösten, alter Junge," sagte Bor»t belustigt,und ich glaube wirklich, wenn ich in Deiner heiteren Gesellschaft noch einmal reiste, würde mein Herz voll­ständig gesunden." ,

Nun, das ließe sich leicht ausführen. Ich habe ost schon nach jenem stillen, schönen Ervenwinkel im Schwarzwald unbe­schreibliche Sehnsucht gehabt. Das Tannendunkel, das Wiesen­grün, der kleine, himmelblaue See, das Häuschen am Waldes­rand, in welchem wir uns damals eingemiethet hatten, wie ein wunderschöner Traum liegt das Alles vor meinen Augen."

Auch mich erfaßt es oft wie Heimweh danach," sagte Born,sie waren unbeschreiblich schön, jene Tage, die wir dort zusammen verlebt haben. Unendlich reich erschien mir damals das Leben und die Zukunft! Und nun ist mir, als hätte mich die Jugend und das schöne Vorrecht derselben, zu hoffen und zu träumen, seitdem für immer verlassen. Frauenliebe wird mir auf meinen Pfaden wohl nie mehr lächeln!"

Und warum nicht?" rief Salden-

Ich bin ein Krüppel," erwiderte Born voll tiefer Bitter­keit,und ich habe in dieser Beziehung schon eine sehr herbe Täuschung erlebt. Von einer Dame hatte ich, und ich war in einer Art auch wohl berechtigt dazu, trotz alledem erwartet, daß sie mir dennoch Liebe entgegenbringen würde. Ha, ha, ha!" lachte er höhnisch auf.Glaube auch noch Einer an tiefe Frauenliebe, die eine große Prüfung erträgt! Ich kann

Sie find doch «ohl vom Sande?" fragte er dann ganz harmlos.

Dora wurde dunkelroth vor Zorn, sie half der athemlosen Tante in die Droschke hinein, dann wandte sie sich sehr verletzt an den hohnlächelnden Jüngling.

Wir sind allerdings aus einer kleinen Stadt, mein Herr, sagte sie,aber so von Neugierde geplagt wie hier sind die Menschen dort glücklicherweise nicht! Uebrigens handelte es sich um etwas Anderes, als um eine Droschke, das hätten Sie sich auch wohl denken können!"

Der Wagen rollte von dannen und die Menschen gingen lächelnd auseinander.

Frau Schmidt lehnte stumm und fassungslos in dem ver« blichenen rothen Polster der Droschke.

Wir wollen nach Hause," stöhnte sie endlich,nicht einen Tag bleibe ich mehr in Berlin, wo ich durch Dich noch zum Gespött der Menschen geworden bin."

Verzeih' mir, Tante, ich war ich wollte - er Nach einer Droschke hinterher zu laufen, blos weil sie Dir gefällt, ist doch wahrhaft kindisch."

Ja, allerdings sehr kindisch, Tante," erwiderte Dora demüthig, im Grunde aber war sie von Herzen froh, daß die Tante diesen EntschuldtgungSgrund gelten ließ.

Wir können ja auch morgen reisen," sagte Dora dann, den Kauf des Flügels kann ich ja heute noch zu Ende bringen, und in die Oper mag ich auch nun gar nicht mehr."

Nun, wenn wir heute noch bleiben wollen, so können wir uns die Vorstellung im Opernhause auch noch ansehen," erwiderte die Tante, schon vollständig wieder besänftigt.

Und so saßen sie denn am Abend dieses ereignißretchen Tages im Opernhause und die Melodien des Tannhäuser sangen und klangen an Doras Ohren, aber sie hatte nicht den gering­sten Genuß davon, schien doch jeder Ton ihr nur wie ein höh­nisches Umsonst zuzurufen! Umsonst war all' ihr Hoffen und Sehnen, umsonst ihre bittere Reue!

Und Born, dem alle diese Gedanken galten, saß tief im Hintergrund einer Loge, das Glas auf Dora gerichtet. Ein Zug schmerzlichen Entsagens lag auf seinem Antlitz. Wie gern, ach, wie gern wäre er zu den beiden Damen hingegangen, um sie zu begrüßen; aber er hielt es mit seinem Stolz nicht Der* einbar. Nicht noch einmal vermochte er es, den großen, er­schrockenen Augen Doras zu begegnen, in denen er damals an jenem Novemberabend deutlich genug gelesen zu haben glaubte, daß sein Anblick ihr eine Qual, ein ewiger Vorwurf sein mußte; und um ihr denselben zu ersparen, hatte er dann die Stadt so schnell und ohne Abschied von Dora verlassen.

Als die Opernvorstellung zu Ende war und die Theater­besucher dem Ausgang zudrängten, sah Born die beiden Damen dicht an sich vorübergehen. Das helle Licht der Gasflammen fiel aus Doras Antlitz, sie hatte wie an jenem Abend, wo er sie zuletzt gesehen, einen schwarzen Schleier um den Kopf ge» schlungen, blaß und müde, mit einem Ausdruck tiefster Hoff­nungslosigkeit blickte Dora aus der schwarzen Umhüllung-

Nun, morgen Abend um diese Zeit haben endlich diese Strapazen ein Ende und wir sitzen roieoer in aller Behaglich­keit zu Hause!" hörte Born Frau Schmidt nahe fast frohlockend rufen, dann sah er beide Damen in eine Droschke steigen. Trübe starrte Born dem davonrollenden Wagen nach.

Das nenne ich Schicksalstücke," murmelte er,mir das geliebte Mädchen, einem Traumbild gleich, vor Augen zu führen und somit meine mühsam errungene Ruhe und Fassung auf lange Zeit wieder zu stören." Langsam wandte er sich dann, um ein in der Nähe liegendes Hotel aufzusuchen, wo er mit seinem Freund Bruno Salden, einem jungen Baumeister, ein Zusammentreffen verabredet hatte.

Hier in Gesellschaft noch einiger Bekannten, in der an« regenden Unterhaltung derselben, wurde Born allmälig seiner

erregten Stimmung Herr.

Man sprach von Reisen; die ersten Frühlingsstürme waren ja durch's Land gezogen und hatten die Wanderlust wach ge* -............... ---------- :...... .

rufen. Mit Bruno Salden hatte Born vor einigen Jahren verlegen, bis Born selbst dem Gespräch eine andere Wendung