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man, wie ich, immer noch ein Examen zu machen hat, dann ist es immer am besten, daß es sobald als möglich geschieht, denn sonst fühlt man sich nur als halber Mann."
„Ernst hat sehr Recht," bemerkte jetzt Profeffor Galen, „denn ich habe auch dasselbe Empfinden gehabt, als ich noch Examina zu machen hatte"
„Deshalb kann er sich aber doch jetzt zu uns setzen und ein halbes Stündchen mit uns plaudern," sagte Carola. „Wir sprechen eben von unserer Hochzeit, Ernst."
„Das ist allerdings ein interesiantes und wichtiges Thema," entgegnete dieser scherzend und sich neben der Schwester niedersetzend, fuhr er fort: „Seid Ihr denn schon über den Tag der Hochzeit einig? Ihr wählt doch einen Sonntag dazu oder einen Montag?"
„Ein Sonntag wäre mir am liebsten, weil er am feier» ltchsten auf das ganze Grmüth wirkt uns nicht erst zu einem Festtage gemacht zu werden braucht, wie es mit einem gewöhnlichen Wochentage der Fall fein müßte, wenn man an einem solchen Hochzeit hält," erklärte Carola.
„Da hast Du wirklich recht," bemerkte Profeffor Galen lächelnd, „aber die Hauptsache für uns bleibt es eben noch, daß Vater und Mutter Pohlmann selbst nun bestimmen, wann unsere Hochzeit stattfinden soll. Mir ist der September der passendste Monat dazu, weil die Akademie den ganzen Sep» tember hindurch und auch noch die Hälfte des Monats October Ferien hat."
„Es wird sicher bald Alles nach Ihrem Wunsche geregelt werden, lieber Herr Professor," betheuerte nochmals Frau Director Pohlmann und lud das junge Paar wie auch den Sohn ein, ihr in'» Haus zu folgen, um dort das Abendessen einzunehmen.
Als man eine halbe Stunde später sich im kleinen Speisesaal versammelte, trat auch Director Pohlmann ein, freudig empfangen von seiner Frau, seinen Kindern und dem zukünftigen Schwiegersöhne. Aber der sonst in Gesellschaft so heitere und zuvorkommende Bankdirector zeigte heute eine seltsame, düstere Miene, nur kurz erwiderte er die an ihn gerichteten Fragen und es schien, als ob eine große Sorge auf seinem Gemüthe lastete, oder als ob ihm heute Abend etwas sehr Verdrießliches passirt sei.
Frau Pohlmann bemerkte diese Verstimmung des Gatten natürlich am ersten und fragte auch bald nach der Ursache derselben, und da wurde ihr die Antwort, daß der Hausherr geschäftlichen Verdruß gehabt habe und sich auch nicht ganz wohl fühle.
Sehr unruhig, sehr aufgeregt war im Laufe der letzten Monate allerdings oft der Director Pohlmann gewesen und diese Aufregung konnte einen nachtheiligen Einfluß auf seine Nerven geltend gemacht haben.
„Gehe zu Deiner Erholung einige Wochen in die Schweiz oder an die Nordsee," sagte dann Frau Pohlmann zu dem Gatten, „ich glaube, Deine Nerven sind überreizt."
„Da hast Du allerdings recht," erwiderte der Bankdirector, „aber ich kann leider jetzt nicht fort, denn so tüchtig auch mein neuer Mitarbeiter Dtrector Hillessen ist, so fehlt ihm doch noch für eine Anzahl schwieriger Fälle die Erfahrung."
Auch das Zureden der übrigen Anwesenden, daß sich der Hausherr eine Erholung durch einen ländlichen Aufenthalt in der Nähe der Stadt doch wenigstens gönnen sollte, nutzte nichts, der Director Pohlmann lehnte alle Vorschläge ab, blieb aber sonst ganz wider seine sonstige Gewohnheit sehr einsilbig und düster, so daß die kleine Abendgesellschaft infolge dessen einen sehr unerquicklichen Verlauf nahm.
Alle wurden von dieser Schwermuth des Hausherrn peinlich berührt, am peinlichsten aber wohl Profeffor Galen, denn als dieser in einem unbewachten Augenblicke theilnehmend und forschend auf Pohlmann« Antlitz sah und sich dessen Augen mit denjenigen Galens trafen, schrack der Bankdirector so plötzlich und so heftig zusammen, daß es Allen, aber am meisten natürlich dem Profeffor Galen auffiel.
„Du bist sicher nicht recht wohl und gehst am besten zur
Ruhe," sagte nach der seltsamen Wahrnehmung Frau Pohlmann zu ihrem Gatten und dieser folgte auch sofort der Aufforderung, verabschiedete sich kurz von Profeffor Galen und seinen Kindern und verließ am Arme keiner Frau den Speisesaal.
„Liebster Leonhard, - sagte darnach Carola zu i.
„Aber Kind, ich sehe erwiderte Galen, „und da . zu ändern, ich will nur wü Krankheit verfällt."
„Das glaube ich nicht," ruhig, „es ist nur eine der eige. die Papa bekommt, wenn er in druß hatte, ich hoffe bestimmt, t wieder vorbei ist."
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Vater krank ist," chs Störung nicht in keine schlimme
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„Das hoffe ich auch," sagte l. . uann noch, indem er sich zum Gehen anschickte und von Carola und Ernst bis an die Thüre begleitet wurde. (Fortsetzung folgt.)
Koftoitetten?
Hand aufs Herz, verehrte Leserin! Sobald die Tageszeitungen einen Bericht über eine Festlichkeit bei Hofe bringen, sei es nun über ein Familienfest, wie eine Hochzeit oder eine Taufe, sei es über einen großen Ball, so interessirt die Frauenwelt vor Allem das, was über die Toiletten der be- theiligten Damen gesagt ist. Welche Farbe die Robe der Kaiserin hatte, nach welchem Modell das Kleid der Prinzessin Leopold angefertigt war, wie die Schleppe der Prinzessin Friedrich Karl aussah, da» feflelt alle Damen ganz selbstverständlich und es wird sie nicht minder interessiren, zu erfahren, wie diese Hoftoiletten entstehen und in welcher Weise sie wieder abgelegt und dann anderweitig verwendet werden.
Betrachtet man zunächst die Zahl der Roben, welche von einer Königin oder Prinzessin im Laufe des Jahres gebraucht werden, so läßt sich dasür natürlich keine Norm aus- stellen, weil es auch hier ganz darauf ankommt, ob die betreffende Dame sehr sparsam ist, oder ohne Rücksicht auf die Kosten mit Vorliebe neue Toilette» trägt. Die Bedürfnis frage der großen Hoftoiletten, der Kleider, die für die Repräsentation nölhig sind, richtet sich nach der Zahl der Hoffestlichkeiten. Ist zum Beispiel strenge Trauer am Hof, so werden gar keine neuen großen Galatoiletten beschafft, weil ja keine Verwendung für sie vorhanden ist. Häufen sich dagegen die Festlichkeiten am eigenen Hof, haben die Kaiserinnen oder die Prinzessinnen noch Festlichkeiten an anderen Höfen mitzumachen, so steigert sich natürlich die Zahl der Toiletten, die angeschafft werden müssen. Für eine Hochzeit, die drei Tage dauert, bedarf eine solche hohe Dame mindestens neun bi» zehn neuer Kleider, von denen keines unter tausend Mark kostet. Unter Durchschnittsv erhältnissen wird eine Prinzessin am deutschen Kaiserhofe uno ebenso die Kaiserin Friedrich und die regierende Kaiserin jährlich für Festlichkeiten ungefähr sechzig bis achtzig großer Toiletten bedürfen.
In welcher Weise werden aber die Toiletten' angekauft und beschafft? Das Vergnügen, selbst die Stoffe auszusuchen, haben die Kaiserinnen und Prinzessinnen nicht. Das „shoping“, das heißt das Herumsuchen nach Neuigkeiten in Geschäften,
*) Wir entnehmen die interessanten Angaben des obigen Artikels den bekannten illustrirten Familienzeitschriften „Zur Guten Stunde" und „Für Alle Welt", Preis pro Heft 40 Pf. (Berlin W., Deutsches Verlagshaus Bong & Co.). Wir verfehlen bei dieser Gelegenheit nicht, unsere Leser wiederholt auf die anerkannt vorzüglichen und mit trefflichen schwarzen und farbigen Illustrationen reichhaltig ausgestatteten Blätter des Bong'schen Verlages aufmerksam zu machen. Verlag und Redaction derselben verstehen es, gerade dasjenige herauszugreifen, was von bleibendem Werth und hervorragendem Interesse für den Leser ist, und bieten so in den genannten beiden Zeitschriften eine wahrhaft unübertreffliche Quelle der Belehrung und Unterhaltung.


