Antevhaltnngsblatt z«n, Gietzenrr Anzeige» (Geneval-Änzeiger)
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Samstag, den 15. September.
In den Fesseln der Schuld.
Criminal-Novelle von C. Sturm.
(Fortsetzung.)
„Wie heißen Ihre Vorschläge?" frug Hilleffen lauernd.
„Ich will Ihnen von heute ab die unbeschränkte Disposition über alle finanziellen Operationen überlassen und vor allen Dingen will ich mich damit einverstanden erklären, daß Sie durch Speculationen in großem Stile die Verluste der Bank wieder wett zu machen suchen, ich erfülle also Ihren Wunsch, Herr Hilleffen, wie Sie ihn schon bei dem Antritt Ihrer Stellung äußerten."
„Ich lege auf dieses Zugeständniß allerdings auch noch heute den größten Werth, denn es enthält die einzige Mög- lichkeit, die Bank vom bereits vorhandenen Ruin zu retten," entgegnete Hilleffen in nachgiebigerem Tone, denn er sah nun fein sehnliches Verlangen in Erfüllung gehen, der Alleinherrscher in der Bank zu werden und mit einer ihm innewohnenden leidenschaftlichen Neigung Speculationen im kühnsten und größten Stile vorzunehmen. Dann setzte er seinen versöhnlichen Worten aber noch die Bemerkung hinzu: „Lieber Herr Pohlmann, aber meine Unschuld an den bisherigen großen Verlusten der Central-Commerzbank muß unbedingt jetzt fest- gestellt werden und zwar wünsche ich, daß Sie mir darüber eine schriftliche Erklärung geben."
„Das werde ich thun," erwiderte Pohlmänn, der allen Willen Hilleffen gegenüber jetzt verloren zu haben schien, und schrieb alsbald eine entsprechende Erklärung, welche sein gewandter Mitarbeiter sorgfältig durchlas und dann in seine Brieftasche steckte.
„Einen meiner Lieblingswünsche haben Sie mir nun allerdings erfüllt, Herr Pohlmann," sagte dann Hilleffen freundlich, „aber dem heißesten Wunsch meines Herzens, Ihre Tochter als Gemahlin zu besitzen, dürfen Sie nun auch nicht mehr so schroff ablehnend gegenüberstehen, ich stelle dies Zugeständniß noch als eine Bedingung für unser ferneres Zusammenwirken in der Bankdirection auf."
„Bester Hilleffen, quälen Sie mich nicht zu Tode mit dieser Angelegenheit und verlangen Sie von mir nichts Un- mögliches I" erklärte Pohlmann, in höchster Erregung in die Höhe fahrend.
„Aber lieber Herr Pohlmann, ich verlange von Ihnen x 9ar "^2 Unmögliches," antwortete Hilleffen. „Sie brauchen nur aus irgend einem Grunde die heimliche Verlobung Zhrer Tochter mit dem Professor Galen wieder aufzuheben
und mir zu gsstatien, daß ich mich um Carolas Hand bewerbe, dann bin ich sehr zufrieden."
„Aber wenn meine Tochter dadurch unglücklich und elend wird, wenn sie aus Gram über ihre zertretene Liebe vor unseren Augen dahinsiecht?"
„Sie befürchten gleich das Schlimmste ohne jeden Grund," entgegnete Hilleffen schlagfertig. „Wie manche stille Verlobung ist schon wieder aufgelöst worden, ohne daß die Betreffenden todtunglücklich geworden sind."
„Dann bestand zwischen dem verlobten Paare eben keine wahre, echte Liebe, wie es bei meiner Tochter und Professor Galen der Fall ist."
„O, zweifeln Sie vielleicht daran, daß ich Ihre Tochter nicht auch glücklich machen könnte, wenn sie meine Frau würde?"
„Unter den jetzigen Umständen allerdings, denn Carola würde Sie nicht aus Liebe heirathen können. Bitte, Herr Hilleffen, geben Sie diesen unglückseligen Gedanken, meine Tochter zur Frau zu begehren, auf, es ist nicht daran zu denken, daß er verwirklicht werden kann."
„Ich bin aber nicht im Stande, diese große, übermächtige Liebe aus meinem Herzen zu reißen, und wenn Sie mich muthig und zufrieden bei meiner schweren Aufgabe hier, bei der Rettung der Bank vor dem Zusammenbruch, sehen wollen, wenn Sie überhaupt auf meine unermüdliche Arbeit in dieser Richtung rechnen wollen, so erhören Sie meine Bitte und machen Sie mich zu Ihrem Schwiegersöhne. Unsere Schicksale find ohnedies jetzt durch den Zustand der Bank derartig zusammengekettet, daß Sir auch einmal an die große Lichtseite denken sollten, die der Umstand gewähren würde, daß ich Ihr Schwiegersohn wäre- Ich besitze ein großes Pcivatvermögen, mein werther Herr Director, und würde es zur Rettung der Bank mit auf das Spiel setzen, wenn Sie mir Ihre Tochter zur Frau geben. Verweigern Sie mir aber diese Bitte, so liegt e» in meinem Interesse, daß ich sobald als möglich meinen Posten als Director der Central-Commerzbank niederlege, denn für die Ehre dieses Amtes ist mir die Mühe und Sorge und auch das Risico jetzt, nachdem ich den wirklichen, von mir nicht verschuldeten Zustand der Central-Commerzbank kenne, doch zu groß."
„Sie dürfen, Sie können Ihren Posten nicht mehr nieder- legen," erklärte darauf Pohlmann ganz erregt.
„Wer will mich daran hindern, wenn ich es für nöthig erachte?" frug Hilleffen scharf. „Den Schein habe ich jetzt, wo ich weiß, wie der Herr Dtrector Pohlmann mit dem Vermögen der Central-Commerzbank gewirchschaftet hat, nicht mehr zu fürchten. Oder glauben Sie, daß ich Sie schonen würde,


