— 73
lichen Begriff von dem Stand eines echten Bauersmannes; wer's von Herzen und durch und durch ist, hält fest an seinen Rechten und Pflichten wie an seiner Scholle! Ich könnt' das nicht thun und meinen Hof wegen solchen Unglücks verkaufen. Nehmt wieher eine Frau und neues Glück kann Euch erblühen."
„Die Ansichten sind eben sehr verschieden, Nachbar!" erwiderte der weichherzige Dornbauer.
„Ja, aber ich bleibe bei der meinigen!" sagte der Rosen- bauer und trat verstimmt in sein Haus.
Er fand dort einen ehrwürdigen Gast, den Pfarrer von Schwengau, um deffentwillen Frau Elisabeth mit Besorgniß die Zornesader an der Stirn des Gatten sah. Jndeß, der Bauer bemeisterte sich, hieß den Pfarrer willkommen und fragte nach seinem Begehr.
„Ich habe ein Anliegen an Euch, Martin Straffer!" erwiderte freundlich der geistliche Herr.
„Was ist's, Herr Pfarrer? Schießen's los, die krummen Wege lieb' ich einmal nicht!"
„So hört! Ich habe da ein Schreiben bekommen," — dabei zog der Pfarrer den Brief aus der Brusttasche, — „von einem hohen Herrn, nämlich von Seiner Königlichen Hoheit dem Prinzen Adalbert!"
„Ei was! — Aber was geht das mich an?"
„Hört nur zu! — Der Prinz hat Anna 70 bei dem Werder'schen Corps als Lieutenant gestanden mit Eurem früheren Knechte Joseph Ropp zusammen. In der Schlacht ist der Prinz verwundet worden und ohnmächtig liegen geblieben. Da hat ihn Joseph mitten im Kugelregen aus dem Feuer getragen, ist aber selbst dabei verwundet worden. Der Prinz hat nach seiner Genesung .durch die Zeitungen seinen Retter aufgefordert, sich zu melden, damals hat aber Joseph selbst noch im Lazareth gelegen und nichts von der Aufforderung des Prinzen erfahren. Jetzt hat der Prinz den Joseph aber in Hoch-Schwengau wiedergesehen und er will den Joseph für seine brave That belohnen und zu seinem Beamten auf einem seiner Güter machen. Der Prinz ersucht mich nun, in seinem Namen und Auftrage für den Joseph um die Hand Eurer Tochter Loni zu bitten!"
„Hätte es nicht gedacht, daß dem Joseph so ein Glück passiren könnte!" meinte der Rosenbauer kopfschüttelnd. „Aber sagen Sie dem Prinzen, Herr Pfarrer, daß, wenn er auch selbst käme und um die Hand meiner Tochter für Joseph an- hielte, das doch nix an der Sache änderte. Meine Loni dürfte nur einen Bauer heirathen! Art bleibe bei Art! So ist es gewesen und dabei bleibt es! Nehmt es halt nicht für ungut, Herr Pfarrer!"
Der neugierige Rosenbauer nahm dann noch den Brief aus des Geistlichen Hand, las ihn und sagte dann kurz: „Es bleibt doch dabei! Ich mag den Joseph nicht als Schwiegersohn!"
„Das thut mir leid, Martin; die jungen Leute lieben sich! Ueberlegt Euch die Sache noch einmal, Rosenbauer!" bat der Pfarrer vor.
„Kann es nicht ändern! Mein Mädel kennt meinen Willen und wird sich darnach richten!" erklärte der störrische Bauer.
„Es ist gut, Rosenbauerl Nun habe ich aber noch eine ernste Sache! Versprecht Ihr mir auch, dabei ruhig zu bleiben?"
„Gewiß, Herr Pfarrer!"
„Die Leute sagen, Ihr wildert!"
„Man sagt viel, Herr Pfarrer!" meinte Straffer in gleich- giltigem Tone.
„Es scheint aber mehr als bloßes Gerede zu sein, Rosen- bauer! Ihr hattet neulich Euren Trauring im Walde verloren. Holzknechte brachten mir den Ring und ich erkannte ihn gleich. Hier ist er!"
Der Bauer erschrak jetzt doch heftig. Es war ganz richtig mit dem Ringe. Nur Sonntags trug er den ihm theuren Schmuck, hatte ihn aber bei einer seiner heimlichen Jagdpartieen vergessen, abzuziehen und so verloren. Er stand beschämt da.
„Laßt nur dar Wildern, Martin!" mahnte der Pfarrer.
„Ich — wildere nicht mehr, das ist vorbei!"
„Gott sei Dank! — So lebt den« wohl!"
„Adieu, Herr Pfarrer!"
Der Geistliche ging in's Dorf hinunter. Der Rosenbauer aber machte es sich bequem vor der Thür seines stattlichen Hauses. In dem einzigen alten Theile des Hofer, der Kelter hatte er vor Zeiten in einem Wandspinde ein alter geschriebenes Buch entdeckt, das allerlei Aufzeichnungen von seinen Vorfahren enthielt; in diesem las er, während Frau Elisabeth geschäftig den Tisch deckte. Da las er plötzlich, daß ihm ordent- lich dar Herz stille zu stehen drohte: „Anno 1652 nach der Weinernte hat mein Vater selig nach den vor den Kaiserlichen und Schwedischen von dem Großvater vergrabenen Schätzen gesucht und dabei den Felsenborn entdeckt."
„Hm, hm," lachte der Bauer, „der Brunnen ist auch ein Schatz, ist besser als manche Schätze der Welt!"
Dann las er weiter: „Er hat aber nichts gefunden; der Schatz muß noch in dem Keller des Hauses stecken. Gebe Gott, daß ihn meine Nachkommen finden, zu Ehren des Hofes und Geschlechts. '
Rosenhof, den 14. des Maimonds 1701.
Valentin Strasser."
„Na, da sucht nur!" lachte Martin Strasser vor sich hin „Das neue Wohnhaus, welches ich habe aufführen lassen, steht noch auf den alten Kellern, die sehr gut und fest waren und damals gründlich untersucht worden sind. Wir haben zu jener Zeit nichts von einem Schatz entdeckt, also wird auch keiner mehr unter dem Hause vergraben liegen."
Als Frau.Elisabeth darauf schon zum zweiten Mal zum Abendbrod rief, stand der Rosenbauer auf und ging brummend in das Haus.
(Fortsetzung folgt.)
(tzeMernnütziges.
Schuhleder vor dem Brechen zu bewahren. Wenn bei nassem Wetter oder im Schnee die Schuhe sehr naß werden und später in der warmen Stube hart austrocknen, so bricht das Leder sehr leicht. In der „Leipz. Ztg." wird gegen dieses Brechen des Leders folgendes Mittel empfohlen: Alle 14 Tage läßt man die Schuhe oder Stiefel mittels Wasser von der Wichse befreien und reibt das Schuhwerk dann tüchtig mit Rwinusöl ein, da letzteres die Wichse am besten wieder annimmt. Zu verwerfen ist das neuerdings zum Conferviren des Schuhleders empfohlene „Mineral-Lederfett", denn dieses zerstört mit der Zeit das Leder. Nie verdünne man, wie es oft geschieht, eingetrocknete Wichse mit Essig, sondern mit eini- gen Tropfen schwarzen Kaffees. Recht empfehlenswerth ist die Benutzung der sogenannten „Graphit-Wichse", da bei deren Verwendung ein Brechen des Schuhleders fast gänzlich aus- geschloffen.
♦ *
Wie man gute Butter macht. Reinlichkeit ist die Grundbedingung bei der Butterbereitung. Diese muß herrschen n allen Geschirren, womit Milch und Butter in Berührung Kommen, vom Kleinsten bis zum Großen. Der kleinste Rück- tand in der kleinsten Ecke des kleinsten Gefäßes kann den Keim der Verderbniß der ganzen Milch mittheilen.
* * ♦
Die Vorbereitung der Saatkartoffel« zur Frühjahrssaat. Man legt die Saatkartoffeln sorgfältig auf Holzhurden nebeneinander. Diese Hürden werden in einer rodenen Kammer so übereinander gelegt, daß fortwährend die Lust durchzieht. Die Saatkartoffeln welken infolge dessen zu- ammen und bilden gesunde, kurze, kräftige Keime. Diese Mühe bezahlt sich durch größere und frühere Erträge reichlich.


