Ausgabe 
15.2.1894
 
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1894.

Donnerstag, den 15. Februar. aw-WTi! Imi 1i1 I»i rt

Der Rosenhof. ><

Novelle von C. Western.

(Fortsetzung.)

Die Jäger kehrten um Mitternacht unverrichteter Sache vom Küchel zurück; sie hatten den Wilderer nicht gefangen und trösteten sich mit dem nächsten Male. Als sie tiefer in den Wald kamen, fahen sie plötzlich ein Feuer und um dasselbe gelagert die game Zigeunerbande, welche am Maifeste in Schwengau war.' Die Alte des Stammes saß auf einem wackeligen Lehnstuhle, den die Zigeuner irgendwo ergattert hatten, und hielt Gericht über ihre Leute.

Nistro, Du blanker Junge, stehe auf I" rief sie mit kräch­zender Stimme.

Alsbald erhob sich ein bildschöner Jüngling, weißer von Farbe als die übrigen Zigeuner, mit schönem Haar und blitzen­den Augen.

Du hast gelupft (gestohlen) und Dich tapsen (fassen) lassen; zur Straf' schläfst Du vierzehn Rächte außerhalb des Lagerkreises!" urtheilte die Alte.

Der Zigeunerjüngling ging beschämt ab.

Lisiska!" rief dann das Weib.

Ein hübsches junges Mädchen, nur durch Schmutz und Lumpen entstellt, trat jetzt vor sie hin.

Reich' dem rothen Zanetti die Hand zur Ehe; ich will's."

Das Mädchen stand traurig da; ein rothhaariger Bursche aber trat darauf frech heran, umarmte und küßte das Mäd­chen und zog es mit sich fort.

Gigo, Du königlicher, tritt vor!" kreischte nun die Alte.

Gtgo trat dicht an sie heran, gesenkten Hauptes, wie schuldbewußt.

Du hast Dich von dem blanken Manne auf dem Rosen- Hof beschimpfen und schlagen lassen; Du bist ausgestoßen aus unser'« Stamm, bis Du Rache an Deinem Feinde genommen! Geh'!"

Die ganze Gesellschaft griff in den Staub und warf diesen auf den Jüngling, wobei sie mit dumpfer Stimme rief: Wehe! Wehe!"

Der unglückliche Jüngling entfloh, das Feuer erlosch und Dunkel deckte den Wald wie vorher.

Die Jäger wollten zwischen das Gesindel fahren, aber einer der Erfahrensten hielt sie davon ab und sagte:Laßt sie in Frieden, sie sengen uns sonst das ganze schöne Gehege weg; diese» Volk ist tückisch und rachsüchtig!"

So gingen die Jäger ihres Weges, schließlich aber ver mißte man Pfilzer.

Wo ist Pfilzer?" hieß es und man rief:Pfilzer! Pfilzer!" Aber keine Antwort kam. Endlich ward man ungeduldig und ging heim.

Der Oberjäger war unterdeß bei Gigo, dem ausgestoßenen Zigeuner, geblieben, den er angerufen. Zuerst war der Zigeu­ner mißtrauisch und zurückhaltend, bald aber saßen die Beiden unter einer Buche beisammen und flüsterten leise.

Du mußt Dich an ihm rächen, Zigeuner!" gab ihm der Jäger teuflich ein;er ist ein Hund, der die Peitsche verdient!"

Aber wie anfangen das?" meinte Gigo.Er ist stark wie zehn von Leuten unsrigen."

Steck' ihm das Haus über dem Kopf an; das versteht Ihr Zigeuner ja!"

Rothen Hahn aufsetzen, ja, das machen Gigo Lust; aber Rache muß besser sein, besser!"

So nimm ihm sein Kind; er liebt den Toni mehr als sein Leben!"

Sein Kind rauben? Ja, ja," schrie Gigo,das sehr gut!" Seine Augen rollten dabei und seine Muskeln zuckten. Plötzlich aber erlosch das Feuer in den Augen des Zigeuners wieder und er sagte kleinlaut:Aber wo bleiben; Gigo ist verstoßen, bis die Sonn' sich wendet!"

Ein Versteck? Komm', ich zeig' Dir's!"

Sie schritten bis zur Oese zurück. Hier kletterten sie den Hang hinunter, und in einem dichten Kieferngestrüpp zeigte sich bei dem Scheine entflammter Streichhölzchen ein Eingang. Die beiden Männer krochen hinein und Pfilzer machte abermals Licht, indem er einen in der Wand steckenden Kienstock an­zündete.

Schwöre bei dem guten und bei dem bösen Geist, an den Ihr glaubt, diese Höhle keinem Menschen zu zeigen!" forderte Pfilzer.

Der Zigeuner schwor.

Run gingen sie weiter und es zeigte sich, daß die Höhle umfangreich genug war, wohl zwanzig Menschen Platz zu bieten. Pfilzer aber sagte:Hier, Zigeuner, bist Du sicher! Da," und er gab ihm, was er hatte,hast Du Geld; kaufe, was Du brauchst; für Fleisch will ich schon sorgen. Das An­dere findet sich."

Dann stieg Pfilzer aus der Höhle hinaus. Richt lange hernach knallte sein Stutzen und ein Reh war erlegt. Pfilzer weidete es aus und trug das Wild in die Höhle, wo es ihm der Zigeuner abnahm. Sie flüsterten noch eine Weile zusam­men, dann ging Pfilzer heim, während Gigo sich in der Höhle häuslich einrichtete.