hastiger Onkel — schlief so fest, daß matt ihn nicht eher erwecken konnte, als bis mau ihm Blutegel angesetzt hatte..."
Desider war heute nicht geneigt, dergleichen anzuhören; er zeigte also wenig Interesse sür den Blutreichthum ihres Onkels und erreichte dadurch, daß sie einigermaßen beleidigt das Zimmer verließ, um draußen den Burschen in gereiztem Tone anzufahren, gleichsam, als wollte sie denselben für die schlechte Laune seines Herrn zur Verantwortung ziehen.
(Fortsetzung folgt.)
Gemeinnütziges.
Ausrangirte Filzhüte können mit wenig Mühe zu sehr niedlichen Deckchen als Unterlagen für heißes Geschirr, zu Lampentellern rc. verwandt werden. Man lege die Hüte mehrere Stunden ins Wasser, knete sie durch, bis sie weich sind, recke sie nach allen Seiten zu einer geraden Fläche und hefte den Filz mit Drahtnägeln in kleinen Zwischenräumen unter fortgesetztem Ziehen auf ein Brettchen fest. Hier verbleibt er, bis er vollständig trocken ist. Herunter genommen, schneidet man ihn genau rund. Zierstiche, eine Spitze, Franse re. rings herum geben diesen Deckchen ein hübsches Aussehen.
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Seide während der Wäsche zu behandeln. Seide darf nie gerungen werden, auch nicht mit der Maschine, weil die eingepreßten Falten nicht mehr zu beseitigen wären; womöglich müsien auch während des Waschens alle Stücke ohne Falten im Wasier liegen; dem letzten Spülwasier gebe man dann eine schwache Gummitragantlösung mit ganz wenig Alaunzusatz und Weingeist, hänge sodann zum Abtropfen auf, schlage hierauf zum völligen Abtrocknen in reine Tücher ein und mangle noch feucht in diesen, womöglich ohne Bruch, und stecke dann auf den Rahmen.
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Um Druckstellen im Plüsch zu entfernen, zieht man den Plüsch auf der linken Seite über ein heißes Plält- eisen und bürstet die rechte Seite mit Salmiakgeist oder Spiritus.
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Rhabarberstengel können den ganzen Sommer hindurch geschnitten werden, wenn man die Blüthenstengel gleich im Entstehen unterdrückt.
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Wenn Oleander, Evonyrnus re. unten kahl werden, muß man sie zurückschneiden. Dieses kann bei solchen Gewächsen, zu denen auch Azaleen rc. zu zählen sind, bis aufs alte Holz geschehen; sie brauchen kein Blatt zu behalten und werden dann mehr schlafende Augen austreiben, als wir vorher glaubten.
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Stoffe wasserdicht zu machen. In anderthalb Eimer heißen Wassers wird ein halb Kilo Alaun und 125 Gramm Bleizuckergift aufgelöst. Dieses läßt man abkühlen und schüttet die klare Flüssigkeit sehr vorsichtig von dem Bodensatz ab. In diese klare Flüssigkeit taucht man die betreffenden Stoffe, welche man wasserdicht zu machen wünscht. Darauf läßt man dieselben glatt aufgehangen, abtropfen und trocknen, ohne sie zu glätten.
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Um hölzerne Pfosten re. im Boden dauerhaft zu machen, nimmt man gekochtes Leinöl nnd rührt in dasselbe pulverisirte Kohle, bis diese Mischung die Konsistenz einer Anstrichfarbe erhalten hat. Damit streicht man den Theil der Pfosten an, welcher in den Boden getrieben werden soll. So zubereitetcs Holz hält im Boden länger als Eisen.
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Vermischtes.
Australische Dienstmädchen. Wenn auch die Arbeitslöhne in Australien im letzten Jahrzehnt und besonders seit dem vergangenen Jahre mit seinen zahlreichen Bankkrachs durchweg gefallen sind, so sind sie trotzdem gegenwärtig ver- hältnißmäßig noch ziemlich hoch und für weibliche Dienstboten auch nach australischen Begriffen über alle Maßen hoch. Man kann daher Australien thatsächlich als das Paradies für Dienstmädchen bezeichnen. Gewöhnliche Hausmädchen erhalten den Monat 180 Mark Lohn und darüber bei vorzüglicher Kost. Dienstmädchen, welche kochen können und Dienstmädchen in Hotels erhalten monatlich 200 bis 250 Mark Lohn, vereinzelt noch mehr. Allerdings sind die Preise für Kleidungsstücke, Schuhwerk u. s. w. durchschnittlich um 50 bis 75 Procent höher als in Deutschland oder Oesterreich. Aber trotz alledem sind die Löhne für Dienstmädchen geradezu glänzende. Den Besuch von Verwandten oder Bekannten empfängt das Dienstmädchen nicht in der Küche, sondern die Herrin des Hauser muß dem Dienstmädchen zu diesem Zwecke ein Zimmer einräumen. Die australischen Dienstmädchen haben natürlich nicht nur den Sonntag Nachmittag und Abend frei, sondern meist noch einen Nachmittag in der Woche. Auch ist Australien das einzige Land der Welt, in welchem die Dienstmädchen Ferien haben, und zwar nehmen sie gewöhnlich um die Weihnachtszeit 2 bis 3 Wochen Urlaub, ohne daß ihnen an ihrem Lohn etwas abgezogen werden dürfte. In der Weihnachtszeit vergnügen sich die Mädchen auf Kahnparthien, Picknicks, im .Walde u. f. w., während die Hausfrau allein arbeiten muß. Man darf nicht vergeffen, daß das Weihnachtsfest in den australischen Sommer fällt. Der große Mangel an Dienstmädchen in Australien rührt daher, daß dort die jungen Mädchen der arbeitenden Stände, gerade wie in Nordamerika nur äußerst ungern in den Dienst gehen. Schneiderinnen, Stickerinnen, Verkäuferinnen u. s. w. werden aber auch in Australien verhältnißmäßig schlecht bezahlt.
Im Vertrauen. „Eine schöne Empfehlung von meinem Chef und er läßt um sofortige Begleichung der Rechnung bitten I" — „Wie? Glaubt denn Ihr Herr etwa, daß ich ihm durchgehe?" — „Das nicht... aber — im Vertrauen gesagt — mein Herr will durchgehen!"
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Drastisch. A. (auf dem Balle, höhnisch): „Nun, lieber Freund, wie tanzt denn die dicke Frau Commerzienräthin?" — B.: „Schauderhaft — wie eine feuerfeste Kasse Nr. 11" -» *
Ein Schlaumaier. „Du, Han», warum gibst Du denn heut' Deiner Sau gar nix z' freff'n?" — „Ja, weißt', Steffel, dös hat sein' eig'na Grund: Mei' Sau kriagt immer an ein'm Tag gar nix z' fressen, und am andern was nur g'rad ins Vieh 'neingeht... weißt I damit V a fchön's durch- wachsen's Fleisch kriagt: immer a biss'l fett und nachher wieder a biss'l mager!"
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Opferwillig. Braut: „Du willst mich schon so früh verlassen, lieber Oskar?" — Bräutigam: „Zehn Jahre meines Lebens würde ich darum geben, könnte ich noch länger bei Dir bleiben! Aber Du weißt, wir haben heute Sitzung im Ruderclub und da muß ich 50 Pfennige bezahlen, wenn ich zehn Minuten zu spät komme!" ♦ ♦
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Einfache Kur. „Wie hast Du denn eigentlich Deine Frau von ihren „Ohnmächten" kurirt?" — „Ganz einfach, als sie wieder einmal in eine fiel, sagte mein Vetter, der dabei war, auf Verübredung: „Fritz, eine Frau in Ohnmacht sieht doch um gut zehn Jahre älter aus!" Seitdem fällt sie nicht mehr in Ohnmacht."
Redaction: A. Sch eh da. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Lhr. Pietsch) in Gießen.


