mit dem Feuerwerk hatte sich hart am Ufer postirt, die Ge­sellschaft aber wollte von der Brücke aus wieder das feurige Schauspiel genießen-

Zischend fuhr die erste Rakete in die Luft. Alles drängte sich an das einfache Brückengeländer einAhl" erscholl rings, aber diesem Rufe folgte ein gellender Schrei aus Kinder­mund, und ein kleiner Körper stürzte durch eine Geländer­öffnung hinab in den Fluß, von dem Strome schnell weiter­getragen, verschwand er unter den Brückenbogen.

Ein vielstimmiger Schrei des Entsetzens ertönte:Ein Kind ist in den Fluß gestürzt!" Alles stürmte nach der gegen­überliegenden Seite der Brücke. Rufe und Gegenrufe folgten. Wer ist es?"Boten Marlene's Jüngstes I"Es ist ver­loren!"Wer rettet!"

Das kleine Lenchen!" brach es von Mariens Lippen. Um Gotteswillen, rettet das Kind!"Fritz, Fritz die arme Kleine!"

Der junge Referendar ermannte sich zuerst.Stangen her!" schrie er undPlatz frei!" Aber in dem nämlichen Augenblicke drängte sich eine hohe Gestalt wüchsig durch die Menge.Wo ist das Kind?" rief eine laute schroffe Stimme. Da, dort!" wiederholten fünf, zehn Stimmen und ebensoviele Hände wiesen auf den dunklen Strom, über den ein schmaler Mondlichtstreifen sich ergoß, in deffen Helle soeben Kopf und Arme des unglücklichen Kindes noch einmal austauchten.

Weg da!" scholl die befehlende Stimme noch einmal, ein Hut wirbelte zwischen die Leute, und über das Geländer hinweg schwang sich die hohe Mannesgestalt, um in mächtigem Satze sich in die aufbrausende Fluth zu stürzen.

Dem erstaunten Aufschrei der Menge folgte eine wilde Bewegung.Da da der versteht's!" hallt es.Wie der ausgreiftI Wenn er's nur noch bekommt! Er hat's Er hat's!" rief es plötzlich rings, und in der That sah man, wie der kühne unerschrockene Schwimmer den Oberkörper der Kleinen auf seine Schulter schob und mit der Last gegen den Strom, der ihn dem Ueberfall, über den der Fluß hier hinab­brauste, zutrieb, ankämpfte. Aber da kam auch schon mit schnellen Ruderfchlägen ein Boot heran, und nach wenigen bangen Secunden grüßte ein allgemeiner Jubel die glückliche Rettung. (Fortsetzung folgt.)

Gßineinniitziges«

Das Einmachen der Kirschen. Die sparsame amerikanische Hausfrau, welche, ohne die unserigen zurücksetzen zu wollen, schon von jeher practisch wirthschastete, bedient sich seit neuester Zeit zum Einmachen der Früchte der Gläser mit eng zulaufendem Hals- Sie schmort die Früchte mit dem nöthi- gen Zucker ganz so, als wolle sie dieselben aus den Tisch im Sommer bringen vielleicht ein wenig kürzer eingekocht süllt sie heiß in die geschwefelten Gläser, deren Zerspringen sie dadurch verhütet, daß sie ein in lauwarmes Wafler getauchtes Tuch darum hüllt, süllt sie bis zum Rand des beginnenden Halses, legt ein in Rum getränktes Blättchen weißes Papier darauf und gießt nun weißes, auf dem Feuer geschmolzenes Pech darüber. Diese Maffe erkaltet schnell, bildet einen luft­dichten Verschluß, unter dem sich alle Früchte trotz der ge­ringeren Zuckermasse ganz vorzüglich halten. Sehr leicht ist es, im Winter diese Harzpfropfen zu erwärmen, indem man ein in heißes Wasser eingetauchtes Tuch um den Hals wickelt oder diesen einige Augenblicke in heißes Wafler hält. Die so eingelegten Früchte schmecken ausgezeichnet, weil sie sich vollkontmen den ihnen eigenartigen Fruchtgeschmack und das Aroma bewahrt haben. * ,

Kirschsaft. Recht reife, gut verlesene saure Kirschen bringt man in einem Gefäß auf's Feuer und läßt sie etwa eine Viertelstunde unter beständigem Umrühren kochen. Dann werden sie auf ein Sieb gegeben. Auf ein Liter des gewon-

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nenen Saftes nimmt man ein Pfund Zucker, kocht denselben mit dem Saft durch und füllt ihn in Flaschen, welche vorher geschwefelt und nachher gut verkorkt und mit Schweinsblase verbunden werden. Das Fleisch, welches an den Steinen bleibt, wird durch einen Durchschlag getrieben. Auf ein Pfund des­selben wird ein Pfund Zucker gerechnet und dieses eine halbe Stunde gekocht, abgekühlt in Gläser geschüttet und ebenfalls mit Schweinsblase verbunden. Kirschsaft ohne Zucker. (Sehr empfehlenswerth) Der gewonnene Saft (besonders von dunklen Sauerkirschen) wird in einem dickwandigen irdenen oder gut emaillirteu Gefäße anfangs rasch, dann auf gemäßig­tem Feuer dicklich, bis reichlich zur Hälfte eingekocht und bann in äußerst reine, kleinere Flaschen gefüllt und zwar bis circa einen halben Finger lang vom Rande, damit der Stopfen nicht vom Saste berührt und sauer werde. Die Flaschen werden mit neuen Korken verschlossen, welche erst mit kochendem Wafler überbrüht, nach dem Verkühlen abgetrocknet und fest eingeklopft werden; schließlich werden diese noch mit dichtem Papier, etwa doppeltem dünnem Pergamentpapier, Überbunden.

Kirfchenmrrs. Frische, weich gedünstete Kirschen wer­den durch eilt Sieb getrieben (oder nur die Steine entfernt, dann nicht durchgetrieben), mit beliebigem Zuckerzusatz oder sehr gut auch ganz ohne Zucker gründlich verrührt und auf gelindem Feuer eingekocht. Kirchenmus jeder Art (besonders von allen süßen Kirschen) ganz ohne Zucker muß unter fort­währendem Umrühren so steif eingekocht werden, daß es sich vom Kochgeschirr ablösen und zusammenballen läßt, dann etwa wie Brod geformt im abgekühlten Ofen mit leichter Kruste nachgetrocknet werden, worauf man bei Bedarf in Scheiben von demselben abschneiden kann. Hat man großen Vorrath an Kirschen und will also das Mus jahrelang aufbemahren, so ist es (ungezuckert) besonders vortheilhaft, das Mus weniger fest einzukochen, in Steintöpfe fest einzudrücken und dann oben­auf ebenso abtrocknen zu taffen.

*

Essigkirschen. Die Kirschen werden nicht ausgesteint, gewöhnlich nur die Stiele bis auf ca. Fingerbreite abgeschnitten und dann in Gläser oder Steintöpfe gelegt. Zu fünf Tassen Kirschen kocht man anderthalb Taffen Essig nebst drei Nelken, etwas Zimmetrinde und eine Taffe Zucker und gießt dies lau­warm über die Kirscheü. Rach einigen Tagen (man schüttelt sie bisweilen) wird die Brühe abgegoffen, seimig eingekocht, heiß darüber gegossen und nach dem.Erkalten einfach verschlossen.

Kirschen in Branntwein. Fünf Tassen Kirschen, mit zwei Tassen Branntwein überdeckt, werden in einem circa 14 Tage gut verschlossenen Gefäße in die Sonne oder Wärme gestellt- Nach Verlauf dieser Zeit wird der Brühe eine halbe bis eine ganze Taffe Zucker beigemischt. Die Brühe gibt (eo. noch nebst Zucker, Kirschsaft und Spirituosen) einen guten Kirschenliqueur.

Vermischtes.

Nicht der Mühe werth. Pepi (sein Weihnachts­geschenk, einen kleinen Hanswurst, betrachtend):Und deßwegen hab' ich schon drei Wochen vorher brav sein müssen!"

Glück im Unglück. Sohn (seine Trommel zeigend): Sieh nur, Papa, jetzt ist mir das Trommelfell geplatzt." Vater:Wenn's noch lange gedauert hätte, wär' mir meines geplatzt." * *

*

Zerstreutheit. Herr N., der sehr zerstreut war, schrieb Folgendes an seine Thüre:Ich komme heute erst gegen Mitternacht nach Hause. Sollte es zu dunkel sein, um dies zu lesen, so bitte man den Nachbar um Licht."

Redaktion: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schcn Druckerei (Fr. Lhr. Pietsch) in Gießen.

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