— 426
. Hillessen gefällt mir nicht, sein ganzes Wesen berührt
mich
böser Menschen zu studiren, an meinem Argwohn gegen Hillesien festhalte. Trotz Strafgesetzbuch und Zuchthaus be- sitzen viele Menschen die Fähigkeit, unendlich viel Böses zu stiften und der Richter kann sie ost gar nicht einmal dafür strafen. Wie vermögen Ränkespiel, Verleumdung, Liebedienerei, Ausnutzung gewisser Zwangslagen und andere Dinge nicht Schaden und Unheil zu stiften, ohne daß man es rechtzeitig verhüten kann! Und dieser Hilleffen, an welchem ich mehr fatale Eigenschaften beobachtet zu haben glaube, als ich jetzt aurzusprechen für gut halte, könnte fehr wohl ein solcher gefährlicher Mensch sein. Wir wollen daher ganz besonders auf der Hut sein und uns förmlich gegen seine schlimmen Machen« schäften verbinden. Sehr gut wäre es auch, wenn mein Vater sobald al» möglich vor Messen gewarnt würde! Barmherziger Gott, wenn ich daran denke, in welcher hohen, verantwortungsvollen Stellung sich mein Vater als Leiter der Central- Commerzbank befindet und daß dieser Mann sein College, sein nächster Mitarbeiter und Vertrauter geworden ist, so schwindelt es mir vor dem Abgrunde, nach welchem wir uns hinbewegen können!"
„Aber bester Ernst, Du siehst entschieden viel zu schwarz," entgegnete der Professor, „solche möglichen Gefahren sind ja noch lange keine wirklichen. Auch ist Dein Vater doch ein sehr kluger und energischer Mann, der sich gegen Ränke, die etwa Hilleffen schmieden sollte, zu schützen wissen wird. Auch hat Dein Vater als erster Beamter der Bank gegen Hilleffen doch gar keine Rücksichten zu nehmen und kann dessen Rücktritt von dem Directorposten veranlassen, wenn dies als wünfchens-
er in seinem Streben so viel Erfolg gehabt hatte, war auch die Leidenschaft in ihm so mächtig, daß er sie nicht bändigen konnte, sondern vielmehr immer und immer wieder darüber nächdachte, wie er den heißesten Wunsch seines Herzens verwirklichen konnte.
Diese Gedanken mußte HUessen allerdings jetzt zurückdrängen, denn eben kehrte die Familie Pohlmann mit dem Professor Galen in den Pavillon zurück und der Diener begann den Kaffee zu ferviren.
Mit nicht zu verkennender Absichtlichkeit zogen Herr und Frau Pohlmann den Bankdireetor Hilleffen in ein Gespräch über die Aufführung einer neuen Oper, und da auch der Professor Galen und der Referendar Ernst Pohlmann, sowie Carola sich lebhaft an dieser Unterhaltung betheiligten, so war auch Hillessen die Möglichkeit abgeschnitten, seinen leidenschaftlichen Liebesgedanken weiteren Ausdruck zu geben und fehr erleichtert athmeten die Eltern der jungen Dame auf, als sich eine halbe Stunde später Hillessen verabschiedete, ohne nochmals auf das heikle Thema zurückgekommen zu fein.
Inzwischen setzten Professor Galen, Carola und Ernst ihre Unterhaltung im Pavillon des Gartens fort und kamen dabei naturgemäß auch auf den neuen College» des Vaters zu sprechen.
„Bitte, lieber Freund," sagte Ernst Pohlmann während dieses Gespräches mit sehr ernstem Tone zu Galen, „sage mir jetzt ohne jede gesellschaftlichen Rücksichten einmal, welchen Eindruck Herr Hilleffen auf Dich gemacht hat?"
Professor Galen antwortete nicht gleich, sondern blickte den Frager verwundert an.
„Wir sind ja unter uns," begann er dann halblaut, „und da kann ich mein Urtheil genau so aussprechen, wie ich es in meinem Denken und Empfinden für richtig halte. Herr
Director Pohlmann im Garten, bis fich dann auch Professor I ♦ *
Galen herzlich verabschiedete. z
„Ich begleite Dich ein Stück," bemerkte Ernst, als der | Am andern Tage quälte die leidenschaftliche Liebe zu Professor gehen wollte, und wenige Minuten später schritten I Carola den Bankdirector Hillessen derartig, daß er Nachmittags,
die beiden Freunde nebeneinander auf der Straße, ein leise I als er mit Pohlmann allein in deflen Privatcomptoir in der
geflüstertes Gespräch führend. Bank war, noch einen Versuch machte, um Carola» Vater
„Mich beunruhigt Dein Urtheil über Hillessen außerordent-! günstig sür seine Werbung zu stimmen. Aber mit diesem
lich," sagte Ernst zu Galen, „denn ich habe selbst ein großes \ neuen Versuche machte Hillessen eine sehr böse Erfahrung, denn
Mißtrauen gegen diesen Mann und werde ganz von dem Ge- | Pohlmann wies ihn jetzt ganz schroff ab und bemerkte nocy
danken beherrscht, daß er großes Unheil in unser Haus bringen I dazu, daß es eine Anmaßung sei, um eine junge Dame zu
kann." werben, die bereits verlobt sei und nicht daran denke, ihr Ver«
„Da gehst Du in Deinen Befürchtungen wohl zu weit, | löbniß zu lösen. Und als Hillessen in seiner zähen Art immer lieber Ernst," entgegnete Professor Galen, „denn Menschen | noch seine Werbung zu beschönigen suchte, so rief ihm Poy^ mit gefährlichen Eigenschaften brauchen ja nicht nothwendiger \ mann schließlich zornig zu: „Denken Sie doch gefälligst auq Weise auch uns gefährlich zu werden. Was haben wir über- | daran, daß Sie mir als Schwiegersohn durch den Schein, den Haupt viel mit ihm zu schaffen? Dein Vater wird ihn zu- Sie dem Commerzienrath Polenz ausstellen mußten, sehr schiecht weilen allerdings einladen müssen, aber dabei kann uns doch I empfohlen wurden und daß ich schon aus diesem Grunde aus Hillessen nicht geradezu gefährlich werden?" die Ehre verzichten müßte, Ihre Werbung annehmen zu können,
„Du urtheilst bezüglich schlimmer Eigenschaften eines auch wenn meine Tochter nicht bereits im Stillen veriovi Menschen doch wohl zu sehr nach Deinem edlen und idealen z wäre." , ...
Herzen," antwortete der Referendar dem Professor, „und Du | Wie vom Schlage getroffen, wich Messen vor dieser i^r wirst daher gestatten, daß ich als Jurist, der in mancher Ge- I klärung zurück und er erbleichte, aber sich dann plötzlich aus richtsverhandlung schon Gelegenheit gehabt hat, die Natur - raffend, sagte er in zischelndem Tone: „Aber als Mitarveiier,
werth erscheinen sollte."
„Diese Umstände gewähren mir aber noch lange keine Beruhigung vor diesem Manne, denn schon die Thatsache, daß er der Mitarbeiter meines Vaters geworden ist, beweist, daß er einen enormen Einfluß auszuüben vermag und daß mein trotz seiner großen gesellschaftlichen Gewandtheit und Liebens- I Vater wahrscheinlich schon zum Theil im Banne dieses Einwürdigkeit sehr unsympathisch. Er mag ja ein großes Finanz- I flusses steht." . ,
genie sein und Euer Vater mag Ursache haben, große Stücke | „Darüber wage ich kein Urtheil auszusprechen, erklärte
auf seinen neuen College« zu halten, auf mich macht er aber | Galen, „aber die Befürchtungen hege ich lange nicht in dem
den Eindruck wie eine in glänzenden Farben strahlende Schlange, I Maße wie Du. Beruhige Dich also und im Uebrigen wollen die verlockend und anziehend erscheint, aber im richtigen Augen- j wir schon auf der Hut vor Hillessen sein.
blicke ihr Opfer packt und erwürgt. Hillessen kommt mir vor j Darauf verabschiedeten sich die beiden Freunde und Pro- wie ein Mensch, dem zur Erreichung seiner Zwecke jedes Mittel \ fessor Galen stieg in eine Droschke, um nach seiner Wohnung recht ist, wenn er nur dabei seinen Vortheil ersieht." | zu fahren. Er war seltsam, die Begegnung mit Hillessen hatte Der junge Referendar Ernst Pohlmann war bei diesem | auch Galens heitere Gemüthsruhe gestört, denn wenn er auch vernichtenden Urtheil des Freundes über den neuen Collegen I viel ruhiger als Ernst Pohlmann üoer den neuen Bankdirector des Vaters leichenblaß geworden, und mit leise zitternden | urtheilte, so kam ihm derselbe doch auch so unheimlich und Lippen sagte er: „Es ist dieses derselbe Eindruck, welchen \ rätselhaft in seinem ganzen Wesen vor, daß er im Stillen Hillessen auch auf mich macht. Doch brechen wir jetzt das | dem Freude Recht gab und beschloß, demselben möglichst bet- Thema ab, denn dort kommt der Vater." I zustehen, um von Hillessen etwa dem Hause Pohlmann drohen-
Die jungen Leute verweilten dann noch einige Zeit mit I des Unheil abwenden zu helfen.


