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auf das weiße, todtblafse Gesicht, von dessen Stirn langsam ein paar rothe Tropfen rieselten. Nur die leisen Athemzüge, welche sanft den Busen bewegten, verriethen, daß noch Leben in Jadwiga war. (Fortsetzung folgt.)
GeMsrnnütziges.
Goldene Regeln des Baumschnittes. Die folgenden zehn Regeln des Baumschnittes, die wir der „Pr- Obstztg." entnehmen, sollte sich jeder Landwirth fest ein- prägen, er wird den Nutzen davon alsbald sehen: 1. Die kräftige Gesundheit eines Baumes hängt größtentheils von der gleichen Bertheilung des Saftes an alle feine Aeste ab. 2. Die Lebensdauer und die kräftige Gesundheit eines Baumes hängen größtentheils von dem beständigen Gleichgewicht zwischen seinen Aesten und Wurzeln ab. 3. Der Saft strebt immer so senkrecht wie möglich, von den Wurzeln in die Aeste aufzusteigen, ist daher in den aufrechten Aesten im Ueberfluß vorhanden, zum Nachtheile der anderen. 4. Der Saft entwickelt auf einem kurzgeschnittenen Aste viel kräftiger wachsende Triebe, als auf einem langgeschnittenen. 5. Der Saft strebt immer, dem Ende der Aeste zuzufließen und entwickelt daher das am Ende stehende Auge kräftiger, als die seitlichen. 6. Wenn man einen Ast ganz unterdrückt, so kommt der Saft den benachbarten Aesten und Zweigen zu Gute. 7. Die Aeste, in welche viel Saft zufließt, erzeugen viel Holz und wenig Früchte, diejenigen im Gegentheil, in die er sich in großem Ueberfluß ergibt, erzeugen viele Früchte und wenig Holz. 8 Je mehr der Saft in seiner Ctrculation Hindernisse findet, desto mehr bringt er Fruchtzweige und Fruchtknospen hervor. 9. Jeder seiner Triebe beraubte oder abgeknifftzne Ast bringt durch den Ueberfluß von Saft, welcher keinen Ausgang in der Entwickelung des Holzes findet, eine große Menge von Fruchtzweigen und Fruchtknospen hervor. 10. Je mehr man einen Baum nöthigt, Frucht zu tragen, desto mehr erschöpft man ihn; je mehr man ihn im Holz erhält, desto mehr nehmen seine Kräfte zu.
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Gesundheitssuppe. Einige Hände voll junger Sauerampfer, halb so viel wie Kerbelkraut, einige Häupter Kopfsalat und ein wenig Petersilie wird rein durchlesen, öfters gewaschen, dann mit dem Wiegemesser etwas geschnitten, doch nicht zu fein, und mit 140 Gramm frischer Butler eine halbe Stunde langsam gedämpft. Hierauf gießt man einige Liter gut kochende Kräuterbrühe darüber und läßt sie noch eine Weile langsam sieden; die aufsteigende Butter wird abgenommen, die Suppe gehörig gesalzen und über kleine, in Butter geröstete Brodkrusten angegossen.
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Hefenkuchen. Will man Kuchen backen, so menge man stets das Hefenstück Abends zuvor ein, und zwar auf das berechnete Quantum Milch, die verbacken werden soll, da» Drittel, die kalt mit der guten trockenen Hefe zu einem leichten Teig vermengt wird, — selbstverständlich löst man die Hefe zunächst in etwa» kalter Milch auf (2 Loth Hefe auf 1 Liter Milch), — bestreut den Teig fingerdick mit Mehl und läßt ihn verdeckt in nicht zu kaltem Raum bis zum andern Morgen stehen. Die Befürchtung, daß das Hefenstück sich übergährt, oder allzusehr zusammenfällt, oder, wie man gern ins Feld führt, sauer wird, hat gar keine Begründung. Man hat häufig erst spät am Vormittag dar Abends 8 Uhr gemengte Hefenstück zu weiterer Behandlung vorgenommen und den wohlschmeckendsten Kuchen gebacken. — Zweiflerinnen mögen die Probe versuchen, der Erfolg wird uns Recht geben. Kein kurz vorher gemengter Teig wird sich nach Reingabe der Zu- thaten fo schnell wieder heben, wie dieser; und das Empfehlenswertheste dabei ist, das Gebäck mit dieser Grundlage bleibt
dar leichtverdaulichste, wie schon so ost erprobt, sür Diejenigen, deren Magen bei Halbwegs schwerer Zufuhr Opposition macht.
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Rindsklötze. Vs Kilogramm Butter wird schaumig gerührt. Man setzt 2 geriebene Semmeln, 5 Eier, Petersilie und Zwiebeln, Muskatblüthe und Vs Kilogramm gekochtes, wieder erkaltetes Rindfleisch hinzu, hackt die Masse fein, formt Klöße daraus, bestreicht dieselben mit Butter, bestreut sie mit Semmelkrume, thut sie in ein Tuch, bindet dasselbe zu und kocht 2 Stunden. Man richtet diese Klöße mit grünen Erbsen oder Peterstlienbrühe an.
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Kartoffelsuppe auf Schweizer Art. Man dämpft feingeschnittene Zwiebel, Sellerie und Lauch in Butter, setzt derselben würfelig geschnittene Kartoffeln mit etwas Wasser zu, würzt das Ganze mit Salz, Pfeffer und Muskatnuß und deckt solcher zu, bis die Kartoffeln weich sind; dann rührt man etwas Mehl mit Wasser an, gießt solches im Verhältniß des Bedarfs hinzu und läßt die Suppe aufkochen. Statt der Zwiebel kann man auch eine Selleriewurzel beimengen.
Vermischtes.
In dem Briefkasten eines Postamts in Westfalen fanden sich, wie die „Deutsche Postztg." mittheilt, kurz vor Weihnachten folgende, von Kinderhand herrührende offene Briefe vor, die wir wiedergeben: An das liebe Christkind im Himmel. Säbel Helm Thurnüster Hotpferd Brumkösel Hampelkerl Puffpuff eisenbahn Schaukelpferd einen Griffel eine Schifertafel 1 Ptnal 1 Trommel 1 Bilderbuch ein Hunde- ställken ein Husarenanzug ein Flozeped Adolf......
Libes Kristkindchen. Brink mich eine Puppe einen Puppenwagen und noch mehr Spielsachen meinen Prutter Adolv auch ädwas Großpapp r mamma und Pappa auch was und eine Schwester von dem Klapperstorch dises wünsch ich mich Marie......
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Consequent bis zum Tod. Herr X. und Y, beide Professoren der Philosophie an der Universität Z., leben seit vielen Jahren in einem Streit, der sich erst über wissenschaftliche Principien entspannen und dann durch die resp. Frauen redlich seine Nahrung erhalten hat. Beide Herren sind über die Maßen zerstreut, Herr X so, daß er eines Tages zu leben vergißt und stirbt. Professor Y von einem Collegen vor- wurfsvoll zur Rede gestellt, daß er nicht einmal zu dem Be- gräbniß des Verstorbenen gekommen, erwidert ärgerlich: „Ich gehe nur zu dem Begräbniß von Leuten, die zu dem meinigen kommen."
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Guter Rath. „Wie viel Bier brauchen ©’ denn in der Woch', Herr Wirth?" —„„So ungefähr 20Hectoliter."" — »Ich müßt' Ihnen ein Mittel, daß Sie wenigstens 25 Hectoliter ausschenken." — „„Auf dös Mittel wär' ich wirklich neugierig."" — „Ganz einfach — da brauchen S' nur in an jeden Krug statt 3 Quartl an Liter einz'schenken."
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Zurückgegeben. „Mein Herr, es wäre doch Wahn- sinn, Sie zu heirathen. Was können Sie mir bieten? ' — „Bitte, ich bin Irrenarzt und würde Sie gratis kurieren." * * *
Aus den Bergen. „Schmecken die Klöß aber miserabel heut', Oberwirth, ich glaub', die sind aus verfaulten Kartoffeln I" „Des stimmt, Grasbauer, aber des bitt' i mir aus, wenn's Stück nur 1 Kreuzer! kost', wird net Feinschmecker gespielt bei mir!"
ihVbartimi: A. Scheqda. — Druck und SBcrlag bcr Vrü hl'scheu Druckerei (Fr. Chr. Pielsch) in Gießen.


