Ausgabe 
13.3.1894
 
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Unterchaltirngsblatt 311m Giefzenev Anzeigen (Geneval-Anzrig-p)

1884.

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Dienstag, den 13. März.

Wind rauschte unheimlich in den Wipfeln derselben und hatte chon längst die wenigen trüben, zerbrochenen Laternen ausge- öscht. Auch die Sternenltchter verdeckte dunkle» Gewölk. Tief ausgefahrene Geleise, Steingeröll und allerlei Unrath machten den Weg gefährlich. Jadwiga stolperte mehrere Male, aber Romans Arm streckte sich nicht wieder au», um ste vor dem Hinfallen zu schützen. An einer Biegung der Straße blieb ste tehen und sagte gepreßt:Ich möchte Sie nicht weiter be­mühen, Pan Roman. Haben Sie Dank für Ihre Begleitung, meinen besten Dank l Und nun gute Nacht I" Sie reichte ihm zaghaft ihre Hand hin.

Aber er machte eine abwehrenhe Bewegung und blickte düster vor sich hin-Wir sind noch nicht am Ziele," erwiderte er schroff.Ich führe Dich vor Deines Vaters Haus, und solltest Du nicht mehr hinein können, so haben wir, wie Du weißt, denselben Weg nach dem Herrenhause von Lygolta oder willst Du die Nacht auf der Straße bleiben?"

Das Mädchen biß die Zähne zusammen und schritt hastig weiter.Gut," sagte sie,wenn Sie nicht anders wollen, so muß ich mich fügen, obgleich ich die paar Schritte schon allein gehen kann. Und den Hausschlüssel habe ich in der Tasche, ich komme auf jeden Fall in's Haus hinaus. Darf ich aber jetzt um meinen Korb bitten. Was meinen Sie, Pan Roman, wenn Jemand Sie damit sehen würde?"

Du hast Recht, da» gäbe einen prächtigen Klatsch I Wie konnte ich das vergessen!" Er lächelte spöttisch. Dann reichte er ihr den Korb, wobei er ängstlich vermied, ihre Finger zu berühren.

Und wieder schritten Beide still und schweigsam neben einander her, bis Jadwiga vor einem kleinen, ärmlichen Ge­bäude Halt machte. Sie sprang rasch die paar Steinstufen hinauf, die zur Hausthür führten, und legte die Hand auf den Drücker, um zu öffnen. Doch Roman, deffen Augen bis da» hin stnster den Boden gesucht, war mit einem Satz«-neben ihr und seine Finger klammerten stch in ihr Kleid. Der Athem ging ihm schwer und keuchend und seine Stimme hatte einen fast Heisern Klang, als er sagte:Gehe nicht so von mir, sage mir erst ein freundliches Wort. Ich halte es mcht au», Dich so böse zu sehen; sei gut, sei wieder gut, Jadwiga! Bitte,

^Bestrickend, mit größter Innigkeit drangen seine Worte an ihr Ohr. Es kämpfte in ihrem Innern, sie bedurfte ihrer ganzen Kraft, um nicht schwach zu werden, - sie wollte es nicht sein. Wie ein Marmorbild stand ste vor ihm, ihre Lippen blieben fest geschlossem

Jadwiga, Du bist furchtbar hart," schrie er aus.Habe ich mich denn so schwer versündigt, daß Du mir nicht verzeihen

(Fortsetzung.)

Roman» Brauen zogen sich finster zusammen, er rang nach Faffung.Ich habe einmal gesagt, daß ich Dich heim- bringen werde und mein Wort halte ich," rief er zornig.Ich sehe ein, e» war Wahnsinn, mit Dir von meinen Gefühlen zu sprechen und ich bereue es tief. Vergiß meine Worte, welche die Verzweiflung, die Gluth einer hoffnungslosen Liebe, für welche Du kein Verständniß hast, mir aus dem Herzen riß l Lieber will ich in die Verbannung gehen, ehe ich Dir wieder zu nahe trete. Darum vergiß Alles, denke, Du habest einen schweren Traum geträumt. Ich bin Dir dankbar, daß Du mich wieder zur Vernunft gebracht hast. Jetzt ist'» mir ge­rade, als wäre mein heißes Blut plötzlich in Eis getaucht, es ist ebenso kühl, so ruhig, wie das Deine!"

Er brach kurz ab, aber mit einem Beben, das er müh­sam zu beherrschen versuchte, und schleuderte mit einer fast wilden Heftigkeit den zarten Arm des Mädchens von sich fort.

Langsam, mit gesenktem Kopfe ging Jadwiga jetzt neben ihm her und starrte mit brennenden Augen auf den,Weg. Sie blieben Beide stumm, was sollten sie auch noch weiter reden! Nach einer Weile tauchten die ersten Häuser von Czenstochau an» dem Dunkel der Nacht hervor. Da und dort blitzte ein Laternenlicht auf und man hörte Hundegebell und verworrenes Geräusch wie von fernen Menschenstimmen.

Wirst Du morgen wieder auf den Edelhof zurückkehren?" fragte plötzlich der junge Edelmann.

Sie zögerte einen Augenblick mit der Antwort, dann sagte ste rasch:Warum nicht? Es gibt dort alle Hände voll zu thun und ich darf die Pani nicht im Stich laffen. Gleich nach dem Bittgang werde ich kommen!"

Und morgen hast Du auch allen Groll vergessen, nicht wahr, Jadwiga? Willst Du mir meine Wildheit vergeben, wieder wie früher an mich denken, wieder gut zu mir sein?" Er sprach mit weicher, zäitlicher Stimme.

Das Mädchen zitterte wie Espenlaub, abermals wich jeder Blutstropfen aus ihrem reizenden Gesicht, aber der kleine Mund blieb fest geschlossen.

Roman athmete schwer, er knöpfte hastig den Rock auf, um die Brust frü zu machen, denn es stürmte schon wieder in ihm. Jetzt endigte die Chaussee in eine mit hohen Pappeln eingefaßte Straße, die an der alten Backsteinmauer der Stadt hinltef. Hier unter den Bäumen war es ganz finster; der

Die Wallfahrt nach Czenstochau.

Roman von Johanna Berger.