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Hast Recht, Joseph!" erklärte der Rosenbaum
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„Wie soll ich'» Dir danken?" rief halblaut der Rosen» bauer.
„Daß Euch der Geier. .." fluchte der Bauer, „sie sind uns nach! Lauf , Joseph, lauf!"
Raschen Laufes kamen sie so bis zum Wildsprunq.
„Weißt Du was, Bauer?" meinte Sepp nun. „Hier leg' ich mich nieder und erwarte sie. Du hast doch nicht» ver» loren, was Dich verrathen könnte?"
„Nein! Hier ist der Stutzen, — da die Tasch' und'das Pulverhorn; Alles ist da!"
Darauf schlug Joseph vor: „Jetzt laß ich Dich an meinem
schwinge mich auf und wie der Sturmwind ging es dahin- I" e Ich aber den Berg hinab und da wurden die Blitzrappen wild."
,, "Nein- Bauer, auch wenn Du mir noch mehr zu Leid ,^han hättest und weit drohender aussähst, verrathen würde ich Dich doch nicht, denn das wäre nicht edel. Aber ich fürchte mich auch nicht vor Dir; ich habe ein gute» Gewissen!"
„Joseph," entgegnete der Rosenbauer weich, „5Du kennst mich; ich bin nicht bös, aber das Wildern - hole es der Geier, ich — kann es nicht lassen!"
„So haben die Leute also Recht!"
„Mögen sie Recht haben! Höre! Dazumal, als Du mir das Leben gerettet, war ich auch auf der Pürsch. Da hatte rch mein Gespann in das Holz gestellt. Die Jäger kamen mir auf die Fährte, ich laufe, krieg' das Gespann noch zu fassen,
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Da drohte mich im Lauf zu stören Die Felswand, schroff und nackt, Der wilde Katarakt r I „Ach, laß die alte Geschichte ruhen, Rosenbauer," erwiderte
. Platen. I Joseph, „sie interessirt mich nicht!"
Der Wirth des Gasthauses „zum Küchel" war etwas neu» I L Der Bauer brummte unverständliche Reden in den Bart ^a ur; betrat mit dem Abenddunkel der heim» I “nb ^*"t neben Joseph weiter. Plötzlich pfiff ihnen aber eine kehrende Joseph die Gaststube, um sich an einem Glas Bier Kugel um die Ohren, auch hörte man sofort einen Büchsenknall.
a(5 E ?rth sich ihm auch schon näherte und ' " " " """ ' " " ~
Sfiitt U sH"*en gewesen, woher sie kämen und
rf J Ä' FKph gab dem neugierigen Wirthe gut- Si ff" 0 Bescheid und Aufklärung über Alles, hielt babei länger als eine Stunde im Wirthshause auf, beson- derWirth gern über die Schlacht bei Belfort und den Prinzen Genaueres zu hören wünschte. Der Wirth lud dann JLphzum Abendbrod ein und dieser nahm die Einladung an.
Mahl verzehrt war und Joseph noch ein Glas schäu- i ~wieg an meinem senden Bieres getrunken hatte, machte er sich wieder auf den ®ei( rum Fall hinunter, dort stellst Du Dich unter den Bach,
Weg, um der Heimath zuzueilen Er wählte jetzt den besseren roo Dich Keiner steht und Keiner sucht!" Weg über den Wildsprung, die Oese und den Kuhberq nach „"Host Recht, Joseph!" erklärte der Rosenbauer. „
dem Kegel zu- Es war inzwischen Nacht geworden. Der wo$l * aIs »ehnmal dort unten gesessen, stundenlang!
Mond schien nur wenig und im ganzen Walde ringsherum war "Dann mach' schnell!"
es still wie in einer Kirche. - Da fiel plötzlich ein Schuß! ~ Joseph wickelte sein Seil los und schlang es um. einen
— Ec klang gedämpft wie aus weiter Ferne. Joseph stand I Felsengrat; der Bauer faßte es und ließ sich hinab,
st'.ll und horchte. Sollten hier Wildschützen ihr Wesen treiben? Dann rollte Joseph das Seil wieder zusammen, knüpfte
- Joseph hatte nichts bei sich als Messer und Bergstock. e* “n semenGürtel und legte sich gemüthlich dicht am Wege
Wenn er den Wilddieben in die Härde fiel, so wollte er sich nieder, den Bergstock neben sich.
uchtig wehren, denn sie sollten nicht immer die Galanten I t ^'Wenn sie nur keine Hunde bei sich haben," murmelte er, fielen. Es fielen inzwischen noch zwei, drei, vier, fünf Schüsse I "^«st ist der Rosenbauer doch verloren!"
schallte noch einmal der dumpfe Knall einer Büchse wie r, J^b hatte noch keine fünf Minuten gewartet, so stürmte vorhin durch die Luft und Alles war wieder still. j schon ein Jäger, den Stutzen im Anschlag, herbei; es war
Kaum hatte aber Joseph noch fünf Minuten den Wea I -T bem Anblicke des am Boden liegenden Mannes verfolgt, als er dicht vor der Oese an verschiedenen Stellen I aU<$ o„e: haben wir ihn!"
des Bergabhanges das Knacken des Kiefernq strüpps hörte "~a8c?r ^e ntm Joseph gedehnt-
Es war hier offenbar Jemand auf der Fluch? un/von meh»' I •«. “ ' ba8 $ ber Rechte 1" brummte der Ober-
Gu!müthigk?it sogleich^ die ^Partei "des"Verfolgtem De?Flüch" I »uÄ Fremdenführer!" schrie der
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Mit seiner Hilfe kam der Verfolgte auch vollends auf den I "^/°mnck Du her ?" examinirte ihn der Oberjäger.
Vorsprung hinauf. Es war - der Rosenbauer, der jetzt keu- I gehts Euch an? Fragt höflicher, wenn Jhr's wissen
chcnd vor seinem ehemaligen Knechte stand. 6 I rooB[t* ,
. „ Joseph, Du bist es? ' rief der Bauer mit zitternder ««.iS? ^chte srch Josef bereit, als wollte er weiter. — Stimme. „O, hilf mir schnell den Weq versperren dann 1 s^^^. umringten ihn über ein halb Dutzend Jäger und
können die Jäger nicht weiter!" ' I Du hier keinen Wilderer vorbeilaufen sehen?"
Joseph verstand das aus -dem Grunde. Mit Hilfe des «T- au£!r fra9*e J°^ph naiv.
Bauern schob er ein großes Felsstück quer vor den enaen I [°¥en' PstlZer aber meinte: „Wenn wir das
Durchgang, wodurch derselbe vollständig gesperrt war. Nur I 0 ^ten wir ihn schon fangen. Aber viel»
mehrere Personen konnten bei der Enge des Ganges mittelst I et$* S m der Rosenbauer aus Schwengau aus!" einer Stange oder eines Baumes dasHindernlß zurückschieben I n» ekomm' näm«
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- -• - 1 Mit verstelltem Trotze.
„Das ist wahr!" meinte Pfilzer weise. „Vorwärts! Zwei zum Küchel hinab, daß der Wilderer die Landstraße nicht gewinnt, wir Anderen eilen zum See hinab!"
Nach einer Minute stand Joseph wieder allein. Er lauschte noch eine Weile. Alle Jäger waren fort. Er ließ dann, wie er mit dem Rosenbauer verabredet, das Seil wieder hinunter in den Fall und holte den Bauern wieder herauf.
„Für dieses Mal bist Du gerettet, Bauer!" sagte Joseph. „Zwei Jäger find zum Küchel, die übrigen sind zum See hinab."


