Ausgabe 
13.2.1894
 
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1894.

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Uirt-rchaltrzirgsblatt jum Gietzrnev Anzeigsv (GsneVal-Anzeigev)

Dienstag, den 13. Februar.

Der Rosenhof.

Novelle von C. Western.

(Fortsetzung.)

In der Schlacht gegen Bourbaki und die französische Armee, die sich nach Baden und Württemberg hineinschmuggeln wollte, hatten die Feinds den Prinzen verwundet. Ich sah das Unglück und ich habe den Prinzen in den Arm genommen und mitgeschleppt bis in die Schanze. Die Franzosen sind mir hinterher gewesen, aber ich habe den Prinzen doch gerettet. Nachher habe ich den Schuß in die Schulter gekriegt, bin in das Lazareth geschafft worden und habe meinen Offizier, den Prinzen, nie wieder gesehen, auch nichts von ihm gehört!"

Das war aber undankbar, Joseph!"

*Wer weiß, ob der Prinz nicht tobt ist? Er war ja auch schwer verwundet. Uebrigens hatte ich doch nur meine Pflicht gethan."

Die Beiden waren bis an den Almpfad gekommen, als ein Schuß fiel.

Nun rufen sie mich doch schon," sagte Joseph.Leb' wohl, Loni; ich besuche Dich einmal da oben, wenn ich freie Zeit habe I Mir hat der Rosenbauer nichts zu sagen. Behüt' Dich Gott!"

Behüt' Dich Golt, mein Joseph!"

Sie nahmen Abschied und er schaute ihr so lange nach, bis sie um den Vorsprung verschwunden war, dann kehrte er schnell zurück.

Vor der Hütte seiner Mutter stand schon ein fürstlicher Jäger in grüner Uniform, mit handbreiten Goldtreffen am Beinkleide und auf der Schulter, einem hohen breiten Hute auf dem stolz erhobenen Kopf, um den ein Busch dunkelgrüner Federn wehte, und einem Hirschfänger an der Seite. Er war ein Leibjäger, wie man sie nennt. Ungeduldig wartete er schon auf den Führer Joseph Ropp, als dieser eilig herbeisprang.

Nun komm' nur flink," sagte der Leibjäger.Die Herrschaften sind mit dem Diner bald fertig, dann soll das Bergsteigen gleich losgehen. Seine Hoheit, Prinz Adalbert, sind ganz verseffen und närrisch auf das Bergsteigen. Na, ich danke schön! Gott sei Dank, daß Seine Hoheit der Herzog nicht so sehr dafür schwärmen; die hören lieber eine große Oper oder sehen ein neues Schauspiel gern! Ich auch! Na, wie der Herr, so der Knecht!"

Joseph sah den Leibjäger von der Seite an und mur­melte;Wie Ihr gescheidt seid!"

Das wollte ich meinen! Wer immer so in der Haupt­stadt lebt, in den Palästen der Großen, der hört und steht, wie es in der Welt zugeht."

Ich beneide Euch fast! '

Grämt Euch nicht so sehr darum," meinte der Leibjäger, als er mit Joseph weiter ging.Der Eine lebt so, der An­dere so, und Ihr könnt hier auch glücklich sein."

Ja, hier in den Bergen ist es schön," erwiderte Joseph, wenn nur nicht auch hier oft ein Mensch dem andern das Leben sauer machte."

Also es ist hier genau wie in der Stadt," sagte der Leibjäger lachend.Aber da ist ja schon das Schloß Hoch- Schwengau-"

Es war ein stolzer Bau, dieses Schloß, einst der Besitz Nürnberger Patrizier, die verarmten und dasselbe an das Herrscherhaus des Nachbarlandes abtretsn mußten- Jetzt war es der Sommersitz der regierenden Dynastie.

Man schritt an Wachen vorbei durch das Thor in den Schloßhof, wo bereits Maulthiere der fürstlichen Touristen und ihrer Begleiter harrten.

Seht, dort hinter jenen Fenstern speisen die Herrschaften! Nun geht es aber gleich fort in die Berge!" meinte der Leib­jäger.Wartet hier!"

Schon nach fünf Minuten traten mehrere Herren in Civil und Uniform aus dem Portal des Schlaffes heraus. Sie be­stiegen die Maulthiere, sine Trompetenfanfare schmetterte durch den Raum und die Cavalkade setzte sich in Bewegung.

Als man den Bergpfad erreichte, trat der Vornehmste des Zuges, ein noch junger Mann in dunkler Uniform und Feldmütze, auf der Brust einen großen Stern, zu Joseph, der rüstig an der Spitze marschirte, heran mnd sagte:Ihr seid der Führer?"

Jawohl, Excellenz!"

Königliche Hoheit!" verbefferte ein Begleiter des Reiters den Führer.

Jawohl, Königliche Hoheit!" sagte nun auch Joseph.

Ihr kennt den Weg über den Kahberg, den Kegel, die Oese, den Wildsprung und den Küchel in der angeführten Reihenfolge?" frug der Prinz.

Jawohl, Königliche Hoheit, doch ist dieser Mg sehr be- schwerlich. Bequemer macht man die Tour vom Kegel nach dem Kuhberg, der Oese, dem Wildsprung und dem Küchel."

Aber ich finde den anderen Weg interessanter!" bemerkte der Prinz.

Wie Königliche Hoheit befehlen, so führe ich!" sagte Joseph ehrerbietig.