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„Das wäre! Es ist ja zum letzten Male, daß die Herren $ bei uns effen, auch der Oberst kommt. Mein Kind, das wird nicht angehen." (Fortsetzung folgt.) |
GenreinnNtzrges.
Arbeits- oder Schmuckkästchen sind ein Geschenk, das jederzeit Freude bereitet und das, selbst wenn es sichzu einigen bereits vorhandenen Erewplaren gesellen sollte, mcht jenen gelinden Schrecken verursacht, wie etwa eine Butterdose Numero vier ober ein Tintenfaß Numero fünf. Man kann Arbeits- und Schmuckkästchen für sich und Andere sehr hübsch und ohne große Kosten aus leeren C-garrenklstchen her- stellen. Zusörderst bestreicht man die Außenwände derselben mit nicht zu dünner Gummi-Arabicum-Lösung, dann streut man Gries, Gräupchen oder Mohn darauf., Wenn der Streu- stoff vollkommen fest angetrocknel ist, bronzirt man mit irgend welcher beliebigen Bronce den Kasten ringsum recht sorgfältig. Auf dem Deckel kann man als Rand und Ecken-Verzierung, sowie zur Herstellung eines graziösen Mittelstückes letwa euuS Monogrammes) Tannenzapfenschuppen, eine über der anderen liegend und sauber mit Leim aufgeklebt, verwenden. Die dunkle - Umrandung und die dunklen Verzierungen u. s. w. machen r sich sehr hübsch und heben sich wirkungsvoll von dem kupfernen 5 oder goldenen Grunde ab. Eine kleine Mesfing-Oese und ein Häkchen sind als Mittel zum Verschluß des Kastens leicht an» zubringen. Elegant macht sich ein innen angebrachtes glattes oder in zierliche Falten gelegtes Seiden- oder Atlasfutter. Auf dem Deckel lasien sich auch mittels Körner die gröger find, als diejenigen, welche den Grund bilden, plastische, na* türlich immer abstechend zu brovzirende Muster legen; auch allerhand Gewürze, selbst Fatzvnnudeln können zu diesem Zwecke verwendet werden.
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Einfache praktische Geigendecke. Von dunkelgrünem Tuch schneide man nach der inneren Form des Geigenkastens eine Decke zu. In der Meile des unteren breiten $ Theils sticke man das Monogramm des Empfängers in zweierlei Tönen von grüner Seide, mit Gold gerändert. Im Halbkreis um das Monogramm und über dasselbe hinaus zieht fich ein Zweig von Blätiern und Ranken, gleichfalls in Wat» tirlem Grün gehalten. Nun zeichnet man rings um die Decke kleine Bogen und festonniert dieselbe mit hellgrüner Cordon» netseide, eine sehr rasch föidernde, lustige Arbeit, leicht rnitzu- nehmen auf den Spazergang oder in's Kränzchen, da sie kein Aufmerken erfordert und das Päckchen klein ist. Dre Zacken werden dann ausgeschnitten. Dee Decke ist nun fertig. Als Futter nimmt man grünen, gerippten Seidenstoff; nicht unpractisch wäre auch Fensterleder; viele Herren benutzen ja solches als Decke. Ist das Leder aus Satin, Seide oder der» gleichen, so könnte man es auch, statt mit kleinen Stichen unter den Oberstoff zu nähen, demselben nur unterhesten, mit ausfestonniren und ausschneiden.
Weiße Nürnberger Lebkuchen. 1 Pfund. Zucker wird mit U Eidottern schaumig gerührt, dann kommen /2 Pfd. fein geschnittene, und geröstete Mandeln, das Gelde einer Ci» trone, Vs Citronat, Vs Pomeranzen, 10 Gramm gestoßener Zimmt, 5 Gramm Nelken, 5 Gramm Kardamom, 1 Muskatnuß, 5 Gramm Ammonium, 1 Pfd. Mehl dazu, das Weiße von den 9 Eiern wird zu Schnee geschlagen und auch darunter gemischt, dann wird die Maffe auf beliebig große Oblaten gestrichen, 12 Stunden im warmen Zimmer getrocknet, dann gebacken. # „
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Nürnberger Butterzeug. 1 Pfd. Schmalz, I Pfd. ge- stoßener Zucker, Zimie.t, das Gelbe einer Citrone, 3 Eier, ein Gläschen Arrac wird gut zusammengerührt; dann z Psund
feines Mehl dazu gegeben, zur festen Maffe verbunden, aus« gerollt, mit verschiedenen Blechformen ausgestochen und andern Tags gebacken. :.tä
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Brod-Auflauf. 4 Eier, schwer Zucker und geriebenes Sckwarzbrod, ter Zucker mit den Eidottern gerührt, dann gibt man 5 Gromm geschnittene Mandeln und Pomeranzen, 5 Gramm gestoßenen Zrnrnt und Brod dazu, mischt den Schnee der 4 Eiweiße dazu, füllt es in eine runde Form und backt es int heißen Ösen. *
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Soll sich das Brod längere Zeit in gutem. Mürben Zustande hakten, was bei ländlichen Haushaltungen jeoenfalls sehr erwünscht ist, so verfährt man in folgender Weise: Zu je 8 Kilogramm Roggenmehl werden 2 Kilogramm Kaitoffelmehl zugesetzt, beides trocken zusammen gemengt, 2 bis 2’/2 Kilogramm davon zum Au kneten zurückbehalten und das Uebrige mit 6 Leier Magermilch auf 25 bis 30 Grad R. erwärmt, zu einem Teige zusammenge» rühit und demselben eine Hand voll Salz sowie 100 Gramm mit Milch angerührte Hese zugesetzt. Dann streut man reichlich M hl darüber und stellt den mit einer wärmenden Decke belegten Teig an einen warmen Ort, damit er aufgeht. Wenn derselbe Abends gegen 10 Uhr ausgefäuert ist, so wird er cm nächsten Morgen 5 Uhr ausgeknetet, zugedeckt, nach IVz Stunden in B'vde geformt und diese werden dann eine Stunde lang gebacken-
Vermischtes.
Mir und mich. In einer preußischen Stadt wurde von einer wandernden Scharttpielertruppe „Don Juan' gegeben, und Donna Elvira ließ sich im zweiten Acte aus ihrem Fenster schmelzend vernehmen:
„Mann ohne Wort und Glauben, Wellst du den Trost mich rauben," —
„Mir, mir!" ertönte es plötzlich im ganzen Hause, und die geängstigte Sängerin begann von Neuem:
„Mann ohne Wort und Glauben, Wellst du den Trost mir rauben, Der mir noch aufrecht hält?"
„Mich mich!" erschallte es wieder, und bei jedem Verstoße dieser Art schritt das Publicum als donnernder Corrector ein- Als aber der Lärm immer häufiger und toller war, auch wohl einige der Ruhestörer mit schallendem Gelächter zur Ruhe verwiesen wurde, rief endlich der Polizei- Commeffär des Ortes, auf eine Bank steigend und mit glühendem Angesichte: „Meine Herren, ich bitte mich Ruhe ausl" — „Mir! Mer!" tröhnte es jubelnd von allen Seiten, und der arme Polizei-Commiffarius verließ ingrimmig seine Redebühne, befahl den Vorhang fallen zu laffen und so schloß unter allgemeinem Gelächter die herabgewürdigte Oper.
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Mißgeschick. Ein Junge stahl, wurde erwischt und ausgepeitscht. Er stahl darauf an einem andern Orte. Es ging ihm ebenso. Een gleiches Schicksal hatte er an einem dritten Orte, so daß er ausrief: „Curios, es ist doch grade als ob ich nicht stehlen sollte!"
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Hochgeboren. Der Bildhauer Falconet, welcher die berühmte Statue Peters des Eisten in Petersburg aussübrt«, stammte aus ganz niederm Stande. Als ihm nun die Kaiserin Catharina II. nebst anderen Belohnungen für jenes Kunstwerk auch den Titel „Hochgeboren" beilegte, sagte er, i „Dieser Titel paßt ganz und gar für mich, denn ich bin in: Paris aus einem Kornboden zur Welt gekommen."
Redacrion: A. Scheyda. — Druck und iBetiaß Der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gicheiu


