Ausgabe 
11.12.1894
 
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Lösten Tänzerinnen wegnehme, auch muß ein Mann in meinen Jahren nicht mehr Runstänze wagen."

Adas Herz hatte bei den Worten ungestüm gepocht- Rundkänze hatte er abgelehnt; rote, würde er auch ihre Quadrille mit gleich ausweichenden Redensarten von sich weisen?

Da kommen die Herren," flüsterte Fräulein von Pchl, als Egon jetzt heransprengte, eine Crvalcade anderer Kame­raden hinterdrein;Ada, ist mein Hat und Schleier noch in Ordnung?"

Ja," nickte die Gefragte etwas ironisch,aber Du siehst ja, daß Er noch nicht unter Deinen Getreuen ist."

Ah, Du meinst den schönen Major," lachte Marie, nur Geduld, er kommt schon und meine Blicke sollen sein stählern Herz wohl treffen. Außerdem hole ich ihn heute Abend in jeder Cotillontour."

Ada erbleichte und preßte die Lippen zusammen Nun erst recht sollte Niemand auch nur ahnen, wie es hier drin in ihrem Herzen stand. War Sendrach empfänglich für Maries kokettes Entgegenkommen, so hatte sie sich in ihm ge­täuscht und dann würde das wehe Herz bald wieder gesunden, denn eine Enttäuschung am ersten Ideal des Lebens wäre ja zu traurig gewesen.

Er, an den sie dachte, hielt dort drüben neben seinem Regimentskommandeur in eifrigem Gespräch, aber dennoch war ein hellleuchtender Blick auf die schlanke Mädchengestalt im schmucklos schwarzen Kleid und Hütchen gefallen, die dort so ruhig und sicher neben dem Vater hielt und träumend in's Weite blickte.

Nun, Ihr eleganter Adjutant hat heute aber schweren Dienst, Herr Major," lachte der Oberst, auf Baron Egon deutend, der sehr eifrig mit den jungen Damen plauderte, eigentlich aber nur von Marie Antwort erhielt und von Ada einige Male sehr kühl behandelt wurde.

Manöverlust, Herr Oberst," entgegnete Sendrach spöttisch, Herr von Bärfelds Gefühle gleichen dem schwarz-weißen Fähnchen seiner Lanze und wechseln mit den verschiedenen Quartieren. Ich kenne das genau!"

Hm, vielleicht macht diese reizende Cousine doch tieferen Eindruck auf ihn. Aber nun, meine Herren, es wird Zeit, hören Sie die Trompete? Der Herr General wird gleich hier sein."

Als die hellen Fanfaren erfchollen und beim Erscheinen des Brigadiers ein Trommelwirbel sämmtlicher Musikcorps denselben empfing, ward Fräulein von Pohls lammfrommes Pferd mit einem Male von den lebhaftesten Erinnerungen an die schöne Jugendzeit ergriffen, die es einst bei der Truppe verlebt. Laut aufwiehernd stieg es in die Höhe, seine Rei­terin, sich solcher Laune durchaus nicht versehend, verlor die Zügel, wankte im Sattel und fiel, als das muthige Roß voranstürmte; glücklicherweise, denn sie saß nicht allzu sicher, glitt der Fuß aus dem Steigbügel, so daß die junge Dame, zwar ohne Bewußtsein, doch gänzlich unverletzt auf dem weichen Rasen lag. Das scheue Pferd ward nun allerdings sogleich eingefangen, Marie zu einer bekannten Dame in den Wagen gehoben und zum Bewußtsein gebracht, ehe Ada, die etwas weiter seitwärts gehalten, etwas davon gemerkt, so daß der Unfall noch ganz folgenlos verlief. Auch war Fräulein von Pohl nicht zu bewegen, mit dem kleinen Ponnywagen, der das Frühstück brachte, heimzufahren; die Aussicht, nad^ber Kritik noch etwas mit den intereffanten Offizieren kokettiren zu können, hielt sie aufrecht und stärkte die erregten Nerven. -um'.-- -, , m>»inwii nn n .«rrairriT jnga~T~ra~T >i.l.HF..wr«wni,<nn~.MTiT.-irT&:<rH-1r;iir-caa;ivcaiiri« m Twn

Und in der That, ihre Ausdauer wurde insofern belohnt, als nach beendetem Dienst die Herren an die Wagen heran­ritten, um sich an all' den kulinarischen Genüssen zu stärken, welche zarte Hände ihnen boten. Nur der Eine, auf welchen Mariens entflammtes Herz gerechnet, war nicht unter den Herren. Major Sendrach ritt an Adas Seite hinter deren Vater und dem Regimentscommandeur, und es lag wie ein Sonnenstrahl auf dem gebräunten, schönen Männerantlitz.

Sie werden den Ball auch besuchen, gnädiges Fräu­

lein," frug er mit leicht vibrirendem Tone,wird es Sie auch nicht ermüden nach dem langen Frühritte?"

O nein," lächelte das junge Mädchen heiter,ich bin im Sattel beinah groß geworden und es gehört zu meiner liebsten Erholung, allein durch Wald und Feld spazieren z« reiten."

Sie reiten so gut, wie es selten bei Damen ist."

Bitte, keine Compltmente, Herr Major," sagte Ada und wurde sehr roth,rch liebe dar nicht. Es ist so ganz natür­lich, daß man mit der Uebung auch Fertigkeit dabet wie bei allen übrigen Sachen erlangt."

Fräulein von Pohl war vorhin auch zu Pferde."

Ja doch scheute das Thier und sie zog es vor, au» dem sicheren Wagen die Parade anzusehen- Aber hatten Sie uns denn vorher schon gesehen, Herr Major?"

O gewiß, gnädiges Fräulein, ich sah Sie vom ersten Moment Ihrer Ankunft an."

Es war ein eigener Klang in seiner Stimme und als Ada zu ihm aufblickte, da ergoß sich eine dunkle Blut welle ihr über Stirn und Nacken, denn seine ernsten Augen hatten geleuchtet, fast so rote gestern der Abendstern, zu dem sie ein stilles Gebet gesandt.

«Der Ball wird ein glänzender Abschluß der bewegten Manövertage werden," fuhr sie etwas hastig fort, um ihre Verwirrung zu verbergen,wir leben sonst recht still und freuen uns daher doppelt über solche Abwechselung."

Abwechselung?" frug Sendrach einigermaßen bitter. So rechnen Sie, Fräulein von Bärfeld, es nur für eine solche, die dann durch irgend etwas Anderes abgelöst wird? Sie werden uns also balo vergessen haben."

O nein," rief sie hastig und beinahe unvorsichtig,das meinte ich gewiß nicht, denn denn es ist doch sehr schade - daß"

Sie hielt inne und er bog sich etwas tiefer zu dem süßen Gesichtchen nieder.Was ist schade, Fräulein Ada, sprechen Sie es aus Sie ahnen nicht, was an Ihre Worte sich knüpft."

Ein Jubelton zitterte auf in dem klopfenden Mädchen­herzen, eine Thräne glänzte in dem blauen Auge, als sie jetzt hastig hervorstieß:Es thut mir so leid daß Sie wieder fortgehen!"

Nun, Ada, müssen wir aber Heimreiten," rief der Baron in dem Augenblick herüber,und dürfen die Herren nicht länger aufhalten. Auf Wiedersehen denn heute Abend!"

Noch eine Minute, gnädiges Fräulein," bat Major Sendrach plötzlich heiter und fast übermüthig,ich möchte um die Ehre eines Tanzes heute Abend ersuchen, wenn das von einem älteren Manne wie ich nicht allzu unbescheiden ist. Wollen Sie die Gnade haben?"

Sehr gern," nickte Ada halblaut,ich ich hatte die Quadrille noch nicht besetzt."

So danke ich ganz unterthänigst für die Ehre." Wieder flog ein leuchtender Blick zu dem zitternden Mädchen hin, dann galoppirte der stattliche Major davon und Ada lenkte wie im Traume ihr Pferd an des Vaters Seite.

Wie kam's denn, daß es schien, als ob die Sonne um so viel Heller strahlte, die Vögel lauter judilirten und ringsum Alles ein neuer Ansehen hatte? Sie wagte sich keine Antwort zu geben auf diese Frage, nur die kleine Hand preßte sie auf die wogende Brust und eilte beim Heimkehren hinauf in das Thurmstübchen, um ihren Thränen freien Lauf zu lassen. So fand Marie sie noch, als sie eine halbe Stunde später athem- los anlangte.

Aber Ada, was hast Du?" tief sie verwundert.Wes­halb so traurig? Du wirst heute Abend ganz verweinte Augen haben. Geh' doch, sei vernünftig! Hast Du Dich geärgert, daß Vetter Egon mir den Hof macht? Ich kann doch nichts dafür I"

Nein," brachte das junge Mädchen mühsam hervor, aber Marie, bitte, sage Mama, daß daß ich nicht zu Tisch kommen könne. Mein Kopf thut so weh."