Ausgabe 
11.12.1894
 
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Ada," flüsterte Fräulein von Pohl schwärmerisch, als fie im Bett lag und die Lichter erloschen waren,er ist doch wirklich ein wunderschöner, herrlicher Mann und ich habe in den wenigen Stunden mein Herz schon völlig an ihn verloren!"

So," erwiderte die Freundin zerstreut, |nun, das geht wenigstens rasch von statten."

O, mein Herz, sprich nicht so kalt- Hast Du in seine Augen gesehen, wie sie schön sind? Und seine Sprache, seine Erscheinung! Ach und ich bilde mir ein, daß er besonders viel mit mir gesprochen hat."

Das freut mich!"

Er ist auch gar nicht so alt, wie wir dachten, sondern in den besten Männerjahren."

Wen meinst Du denn, Marie?" frug jetzt Fräulein von Bärfeld, wie aus einem Traume erwachend;doch nicht den Vetter Egon?"

O nein, er ist zwar auch reizend, aber an den in­teressanten Major reicht er doch nicht heran! Wenn er nur nicht einen Trauring trüge!"

Er ist Wittwer."

So! Woher weißt Du denn das, Ada!" forschte Marie, sich mit glühenden Wangen in den Kissen aufrichtend.Hat er es Dir gesagt? Das ist ja noch viel interessanter."

Meinst Du? Aber nun schlaf' wohl, ich bin so müde; morgen können wir weiter plaudern. Gute Nacht, Marie!"

Ach gehe, Du bist ein Eiszapfen und kannst mich nicht verstehen. Ich werde die ganze Nacht von dem fchönen Major und seinen schwermüthigen Augen träumen. Wer mit diesem edlen und bedeutenden Manne glücklich werden könnte!"

Versuche es nur!" murmelte Ada, aber dabei rann eine Thräne über ihre Wange, sie wußte selbst nicht, weshalb.

Es wurde still in dem traulichen Gemach, aber während Maries gleichmäßige Athemzüge bald sich hören ließen, lag Ada noch lange, lange schlaflos da. Sonderbar! Noch heute srüh war sie so übermüthig gewesen und nun lag es ihr wie eine Centnerlast auf der Brust, daß sie nicht wußte, ob sie jubeln oder schluchzen sollte!

Seit ich ihn gesehen" flüsterte sie vor sich hin, dann jedoch verstummten die rosigen Lippen, als habe irgend ein unberufenes Ohr vernommen, was der keusche Mädchenmund kaum wagte, der stillen Nacht zu gestehen.

Ich muß aus Klugheit entsagen. Eine ineus Enttäuschung ertrüge ich nie und nimmer."

Er hatte das erste Mal in der Lotterie des Lebens eine Niete gezogen es war zu spät. Er durste nicht einzblühen- des Mädchenleben an sein Geschick fesseln. J

Am nächsten Morgen wurde es früh lebendig; unter fchmetternden Fanfaren zog die Husaren-Schwadron aus und auch die Einquartierung von.;Schloß Bärfeld schloß sich der­selben an.

Lieutenant von Bärfeld sprengte, schön wie ein Kriegs­gott, in elegantem Bogen heran, um vor den Bewohnern des Schlosses wenn möglich zu paradiren- Und in der That ge­lang es ihm. Droben öffnete sich klirrend das Thurmfenfler und ein Mädchenkopf.im Morgenhäubchen bog sich heraus, graciös lächelnd den Gruß des jungen Offiziers erwidernd.

Ah, das ist Fräulein von Pohl," schnarrte Egon, sich an seinen Vorgesetzten wendend,die Damen sind doch immer ausmerksam, wenn es sich um unsereins handelt."

Major Sendrach hatte mit keinem Auge hinaufgeblickt. Ich muß Sie doch bitten, Herr Lieutenant," bemerkte er scharf,sich für jetzt mehr um Ihre Husaren, als um ein kokettes Dämchen zu kümmern. Lassen Sie den Zug rechts umschwenken!"

Was blasen die Trompeten Husaren heraus," erklang die helle Fanfare und unter deren Klängen ritt die schmucke Husarenschwadron davon in's nahe Manöverterrain! Seit sie

gestern eingezogen, hatte sich doch schon gar Manche« im Schlosse verändert.

Heute war Brigadevorflellung vor dem Herrn General und am Abend der übliche Manöoerball im nahen Städtchen. Der alte Baron von Bärfeld wollte mit seinen beiden jungen Damen auf's Paradefeld kommen und war der Vorschlag von all' den nach und nach bekannt gewordenen Offizieren mit großem Vergnügen begrüßt worden, besonders als die liebens­würdige Baronin lächelnd hinzugesügt hatte:Ich sende den Kutscher mit, um ein gutes Frühstück nachzubringen."

Ada saß graciös und natürlich im Sattel, ohne recht zu ahnen, welch' liebliche Erscheinung sie abgab; sie ritt mit Vorliebe, denn sie war Naturfreundin und liebte es, die Gegend einsam zu durchstreifen, um, wie fie meinte,Ent­deckungsreisen" zu unternehmen.

Fräulein von Pohl jedoch schien in ihren Reitkünsten nur so wett über die Anfangsstudien hinaus zu sein, um gerade knapp im Sattel zu bleiben; krampfhaft hielt die kleine Hand die Zügel und bei jeder hastigen Bewegung des Pferdes wechselte die junge Dame stark die Farbe.

Nun, Fräulein Marie, Ihr Schimmel ist wenigstens das frömmste Thier aus dem ganzen Stall," lächelte der Baron, der heimlich voller Stolz auf Ada, beide Retterinnen verglich.Sie sitzen hier im Sattel so sicher, als im Groß- vaterstuhl."

Wird er denn auch Musik und Schießen vertragen?" frug etwas kläglich die schöne Amazone, und Ada fiel lachend ein:O, da muß ich mich bei meinem Zaphyr vorsehen, der steigt bald einmal hoch in die Lust und muß erst gut zu­geredet bekommen, ehe er vernünftig wird."

Na, kommen Sie nur mit, gnädiges Fräulein," be­ruhigte der joviale Schloßherr,es kann Ihnen als Schlimm­stes ja nur passiren, daß Sie aus dem Sattel geworfen werden und da gibt es viele galante Lieutenants, welche Ihnen wieder aufhelfen."

Schon von Weitem sah man die Helme der Infanterie blitzen unv die Fähnchen der Lanzen der Cavallerie im Winde flattern.

Ada sah solche militärische Schauspiele gern, ihr Auge flammte und ganz tief drin im Herzen regte sich auch ein anderes Gefühl. Tag um Tag war sie mit Sendrach zu- sammengekommen und der stattliche Mann hatte nach und nach einen unauslöschlichen Eindruck zurückgelaffen; Abends, wenn fie im Bette mit gefalteten Händen lag, murmelten die keuschen Mädchenlippen halb jubelnd, halb schmerzzuckend:Ich habe ihn lieb so lieb! Und was soll ich thun, wenn er sortgeht. Ich könnte es nicht aushalten o nein nur das nicht."

Mitunter hatte sie dann wohl auch gemeint, sein Auge anders auf sich ruhen zu sehen, als auf den Uebrigen, aber vielleicht war's doch nur Täuschung, denn wenn sich ihre Blicke getroffen, wandte sich der Major jäh ab und begann irgend ein eifriges Gespräch mit dem Schloßherrn oder dessen Gemahlin.

Heute Abend nun war großer Manöverball und Aba hatte ganz heimlich mit furchtbebendem Herzchen eine kleine, unschuldige Jntrigue gespielt; alle anderen Tänze waren be­reits längst versagt, auch so viele Extratouren bewilligt, nur die Quadrille hütete sie ängstlich uno beschied jeden danach Fragenden abschlägig. Würde nicht doch vielleicht Major Sendrach darum bitten?

Marie von Pohl schwärmte vollständig offen für den schönen Schmadronschef, besonders seit sie erfahren, daß er Wittwer sei; ja, sie hatte ihm gestern Abend in ihrer kokett­schwärmerischen Art sogar den ersten Walzer verheißen, wo­rauf er, sich tief verneigend, ausweichend geantwortet:Mein gnädiges Fräulein, ich bin ganz entzückt von so viel Güte, kann aber als humaner Vorgesetzter unmöglich meine Lieu­tenants so unglücklich machen, indem ich denselben eine der