Ausgabe 
11.10.1894
 
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schmaler Wulstreifen, der von seiner Brust aus langsam herab - rieselte, gab den traurigen Beweis, daß er für immer aus diesem Leben geschieden war.

Rodegg war neben dem Bett auf die Knie gesunken; ich hörte die abgebrochenen Worte, die sich ihm wie im Traume entrangen; mir aber kam kein Schmerzenslaut über die Lippen; keine Thräne trübte meinen starren Blick.

Da, bei einem leichten Aufflackern des Lichtes, sah ich etwas am Halse des Unglücklichen glänzen. Ich beugte mich über ihn und erkannte einen kleinen Ring von mir und ein Glied des. zerbrochenen Armbands, das er an einer kleinen Kette auf dem Herzen getragen hatte und das jetzt mit seinem Herzblut befleckt war-

Da endlich kamen mir die Thränen zu Hilfe, wie heiß, wie leidenschaftlich mußte er mich geliebt haben!

Von Schmerz und Reue ergriffen über meine Kälte gegen ihn, warf ich mich über ihn und bedeckte feine starre Hand mit Thränen und Küssen; ich schmiegte mich an sein Gesicht und beschwor ihn, mir zu vergeben.

Wie lange Zeit verging ich weiß es nicht.

Endlich ließ ich mich, von Aufregung und Weinen er­schöpft, widerstandslos abführen in mein eigenes Zimmer. Dort ließ Rodegg mich auf meine Bitten allein.

Auf die Knies sinkend, flehte ich Gott leidenschaftlich um Erbarmen für den armen Victor, um Barmherzigkeit für mich selbst an. Ich betete lange so innig und leidenschaftlich, wie wohl noch nie zuvor in meinem Leben; und als ich mich wieder aufrtchtete, war mein Entschluß gefaßt. So bald ich konnte, ich vermochte die Anderen nicht wiederzusehen, der Boden brannte mir unter den Füßen, wollte ich fliehen und mich für immer vor all' Denen verbergen, die mich je gekannt hatten.

Ich wartete, bis es im Haufe ganz still war, dann machte ich mich leise und hastig an die geringen Vorbereitungen zu meiner Flucht.

Ich packte die nothwendigsten Sachen zusammen, ließ einen Gruß mit einem kleinen Andenken und einem Geld­geschenk an meine treue Lisette zurück und schrieb dann an Rodegg:Meine Flucht wird Sie nicht überraschen. Nicht im Stande, meine Gefühle so zu beherrschen, daß ich mein Geheimniß nicht verrtethe, ist es wohl am besten so- Mein Leben bet Tante Aurelie ist schon lange so unerträglich, daß ich sie früher oder später doch verlassen hätte. Wenn Sie mir jemals freundlich gesinnt waren, so bitte, ihun Sie das Ihrige, daß meinen Verwandten mein Zufluchtsort verborgen bleibt. Ich verspreche Ihnen, nichts unüberlegt, keinen hastigen Schritt zu thun, den Sie nicht billigen würden. Sie haben wenig Grund, mir zu vertrauen, aber glauben Sie mir,^ich bin eine Andere geworden, ich täusche Sie nicht wieder. So­bald ich weiß, daß Sie den hetmathlichen Boden verlassen haben, schreibe ich Ihnen, wo ich mich besinde.

Auch Sie sind nicht glücklich, Sie haben aber nur Kam« mer zu tragen, während mich Reue und Gewissensbisse quälen. Möge Gott Ihnen den goldenen Frieden, die innere Ruhe geben, auf die ich keine Anrechte habe."

Wo aber dachte ich den Brief Hinthun, daß ihn kein Anderer findet, als er?

Leise schlich ich mich über den dunklen Corridor an sein Zimmer. Ich lauschte, ein feiner Lichtstrahl schimmerte durch die Thürspalte, und mit ruhelosen Schritten hörte ich Rodegg auf- und niedergehen.

Leise schob ich den Brief unter der Thürspalte hinein.

Eine halbe Stunde später befand ich mich einsam und allein in dunkler, sternenloser Nacht. Mit fieberheißem Kopfe und wildklopsendem Herzen eilte ich vorwärts. Mein Fuß strauchelte in dem hohen Grase, oftmals blieb mein Kleid an dem dichten Dorngestrüpp hängen, aber wie von tausend Furien gejagt, lief ich weiter und weiter, bis das tiefe Dunkel des Waldes mich deckte-

(Schluß folgt.)

Die Schlangen in Südafrika.

Das südliche Afrika ist besonders reich an Schlangen, sowohl hinsichtlich der Art, als auch der Zahl nach, und kommen hierbei sowohl giftige, als auch giftlose Reptilien vor, letztere allerdings in der Minderzahl. Die größte der südafrikanischen Schlangen ist zweifellos die Natalschlange (Python natalensis), von den Eingeborenen Ondara genannt, die eine durchschnittliche Länge bis 20 Fuß erreicht Vielfach hat man in der wissenschaftlichen Welt früher sogar das Dasein dieses Schlangeungethüms bezweifelt, aber feine Exi­stenz ist durch neuere Reisende unbestreitbar nachgewiesen worden, nur kommt die Ondara verhältnißmäßig selten vor. Das Gift dieser Schlange soll von ungemein heftiger Wirkung sein, unter Umständen vermag der Biß einer Ondaraschlauge selbst bei kräftigen Männern den Tod binnen wenigen Mi­nuten herbeizuführen, wie wenigstens behauptet wird.

Eine ungemein giftige Schlangenart Südafrikas ist auch die Puffnatter oder Puffadder (Vipera inflata), die besonders im Tamara- und Namaqualand ziemlich häufig vorkommt. Ihre Gefährlichkeit wird indessen dadurch einigermaßen ab- geschwächt, daß sie außerordentlich träge und langsam ist; sie pflegt aus ihrer Trägheit gewöhnlich nur dann emporzu« fahren und zuzubeißen, wenn sie getreten wird. Da indessen die Puffnatter in ihrer Färbung stark dem Erdboden gleicht, fo läßt es sich nicht immer vermeiden, daß man auf sie tritt, beim Emporschnellen äußert die Puffnatter die Eigen- thümlichkeit, daß sie sich niemals nach vorn zu, sondern stets nach rückwärts auf ihren Feind oder auf ihre Beute stürzt.

Sehr gefürchtet wird von den Bewohnern Südafrikas auch die sogenannte Speichelschlange, aber weniger wegen ihres Bisses. Wohl ist die Speichelschlange ebenfalls giftig, ihr Gift wirkt jedoch nur bei kleineren Thieren tödtlich, bei größeren Thieren und beim Menschen verursacht es nur bald wieder vorübergehende Lähmungserscheinungen. Die Ursache, wegen welcher die Speichelschlange von Europäern wie Ein­geborenen geflohen wird, liegt in ihrer eigenthümlichen Ge­wohnheit, einen Giftstrahl auf die Entfernung von einigen Fuß gegen die Augen der in ihre Nähe kommenden Personen zu spritzen, daher auch der Namen dieser Schlange. Dieses auf die Augen gebrachte Gift der Speichelschlange ruft zunächst sehr schmerzhafte Entzündungen in den Sehorganen der be« treffenden Personen hervor, welche Erscheinungen schließlich sogar Blindheit verursachen, wenn die Entzündungen nicht rasch durch geeignete Gegenmittel beseitigt 'werden. Eine andere seltsame Schlangenart Südafrikas ist die gefährliche sogenannte Fuhrmannspeitsche, eine bis 3 Fuß lange schwärz­liche Scblange, welche ihren sehr bezeichnenden Beinamen von den ursprünglichen holländischen Ansiedlern Südamerikas er­halten hat. DieFuhrmannspeitsche" stellt sich in der Ge­reiztheit förmlich auf den Kopf und schlägt mit ihrem dünnen schlanken Leib gleich einer Peitsche um sich, nachher fährt sie aber mit rapider Schnelligkeit auf den Gegenstand ihrer Wuth los und wehe dem unglücklichen Opfer dieses Reptils! Denn der Biß derFuhrmannspeitfche" ist bei Mensch wie Thier fast unbedingt tödtlich, dasGift äußert wie das der Natalschlange in unglaublich kurzer Zeit seine verderblichen Wirkungen, und nur selten kommt es vor, daß ein von derFuhrmanns­peitsche" gebissener Mensch sich wieder erholt. ,

Noch ein e ganze Reihe Schlangenarten, die nur in Süd­afrika vorkommen, und sich ebenfalls durch gewisse Eigenthüm- lichkeiten auszeichnen, wären zu erwähnen. Doch sollen von ihnen an dieser Stelle nur die folgenden genannt sein: Die Baumschlange, in der Boernsprache boom-slang genannt; sie wird etwa fünf Fuß lang, und lebt ausschließlich auf Bäumen, von denen sie nur heruntergeht, wenn sie der Hunger antreibt, Beute zu suchen. Ferner dieschwarze Schlange" oder zwat slang der Colonisten, welche ungefähr drei Fuß lang wird und ungemein leicht reizbar ist; sie verbirgt sich mit Vorliebe in Erdlöchern, aus denen sie beim geringsten Geräusch in ihrer Nähe mit zornigem Pfauchen hervorschießt.