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aber er warnte mich trotzdem vor Ihrer Wahl zum zweiten Director unserer Bank. Nach dem Grunde der Warnung befragt, verweigerte der Commerzienrath Polenz zunächst jede nähere Auskunft, als ich aber vorgestern im Interests des Wohles unserer Bank in ihn drang und ihn beschwor, mir sein Bedenken offen zu sagen, da öffnete Herr Polenz ein geheimes Schubfach seines feuerfesten Geldschrankes und übergab mir diesen kleinen Schein."
Während Pohlman» den Schein Herrn Hillessen vor die Augen hielt, zuckte derselbe wie von einem Dolchstoß in's Herz getroffen zusammen und stand zitternd da wie ein Verbrecher, der unerwartet sein Todesurtheil empfangen hat.
„Ich habe mich nicht so gutgläubig auf bie Suche näch einem zweiten Director für unsere Central-Commerzbank gemacht, mein lieber Herr Hilleflen," sagte nun seinerseits Pohl- mann mit kühler Ueberlegenheit. „Sie werden wohl an meiner Klugheit und Vorsicht nicht mehr zweifeln und mich nicht wie einen Knaben, dem man nichts geben will, nach Hause schicken. Ich brauche Ihre Dienste, die gut belohnt werden sollen, für die Central-Commerzbank und frage Sie nunmehr nochmals: Wollen Sie den Posten als zweiter Director unserer Bank unter den Ihnen von mir bekannt gegebenen Bedingungen annehmen?"
,,JaI" erklärte jetzt Hilleflen aufathmend, denn die Annahme des Direetorpostens erschien ihm jetzt noch als einziger Ausweg aus der schlimmen Lage, in welche er in so seltsamer Weise von Pohlmann gebracht worden war.
„Die Sache steht nunmehr für uns Beide gleich gut und gleich schlimm," bemerkte der Bankdirector. „Sie wissen mein Geheimniß, welches die Central-Commerzbank angeht, und ich kenne Ihr Geheimntß, welches stch auf Ihr früheres Verhält- niß zum Commerzienrath Polenz bezieht, also kann so leicht keines dieser Geheimnisse verrathen werden und dieses ist ohne Zweifel recht gut."
Hilleflen nickte beifällig und frug dann leise: „Wie wird sich der Herr Commerzienrath Polenz zu mir stellen, wenn ich Director der Central-Commerzbank bin?"
„Er wird Ihnen nicht das Geringste in den Weg legen, er wird Sie schonen und vor der Welt gewähren lassen wie bisher, nur habe ich ihm versprechen müssen, daß Sie keine eigentliche Disposition für die Bank haben dürfen, sondern daß ich mich nur Ihrer ausgezeichneten Rathschläge und Arbeiten für größere finanzielle Operationen bedienen soll. Selbstverständlich werde ich es Ihnen vor den übrigen Beamten der Bank nicht merken lassen, daß dies der Fall ist, auch will ich Ihnen gern die kleineren laufenden Disposttionen überlassen."
Hilleflen nickte stumm und nicht die geringste freudige Erregung trat auf sein Gesicht.
„Sie sind nun doch zufrieden und mit Allem einverstanden?" sagte Pohlmann noch, indem er den ominösen Schein wieder in seine Brieftasche steckte.
„Jawohl, Herr Director l" erklärte Hilleflen nochmals und verneigte sich tief. „Wann soll ich meinen Posten antreten?"
„Nächsten Montag, wenn ich bitten darf," entgegnete Pohlmann und reichte dem auf so seltsame Weise gewonnenen College» die Hand zum Abschiede.
Hilleflen begleitete den davongehenden Bankdirector höflich bis an die Thür und kehrte dann hastig in sein Zimmer zurück. Wüthend ballte er dort die Fäuste und flüsterte drohend: „Jetzt haben Sie mich überlistet, Herr Pohlmann, und ich bin ein Sclave in Ihren Händen geworden durch den verwünschten Schein, den ich einst dem Commerzienrath Polenz ausstellen mußte, aber hüten Sie sich, Herr Dtrector, denn es kann noch der Tag kommen, wo ich mich rächen werde. Wehe ihm, wenn ich die Angaben, die er über das Vermögen der Bank mir anvertraute, nicht bestätigt finde."
Erschöpft sank Hilleflen auf einen Sessel. Dieser Tag, der ihm so recht eine große Ehre und Freuds zu bringen schien, hatte auch eine schwere Last und eine verhängnißvolle Schuld auf seine Schultern gelegt.
O, dieser böse, verderbenbringende Schein, den Pohlmann
von Polenz erhalten hatte und dessen Kenntnib Lilleflen in Fesseln schlug.
„Ein unheilvoller Anfang für den von mir ersehnten Directorposten," dachte der enttäuschte Mann, „aber Director der Central-Commerzbank bin ich doch und so lange ich mich mit Pohlmann gut stehe, werde ich auch fest auf diesem Posten sitzen. Schweigt also, ihr Gedanken der Rache, denn es gilt jetzt für mich vielmehr dauernd die Gunst Pohlmanns zu erwerben, ja, sein Schicksal mit dem meinigen zu verketten, damit er nie auf den Gedanken kommen kann, mich so zu behandeln wie den berühmten Mohr, der seine Schuldigkeit gethan.
* * *
Der nothwendige geschäftliche Verkehr zwischen dem Bankdirector Pohlmann und seinem neuen Mitdirector Hillessen entwickelte stch in den folgenden Wochen viel günstiger, als man nach den bösen Auseinandersetzungen der beiden Männer bei Hillessens Engagement annehmen konnte. Denn wenn auch der letztere im Grunde seines Herzens dem Director Pohlmann nicht wohl gesinnt war, so war er doch auch viel zu klug, um nicht Alles zu thun, um das Vertrauen oder doch wenigstens die geschäftliche Hochachtung Pohlmanns zu erwerben und dazu gaben die wirklich großen finanziellen Talente Hillessens viel Gelegenheit. Die meisten Rathschläge und Pläne desselben billigte Pohlmann und dem speculativen Kopfe Hillessens gelang es auch sehr bald, mehrere gefährliche oder doch zweifelhafte Geschäfte zu Gunsten der Central-Commerzbank abzuwickeln. Der neue Director war ferner gegen seinen älteren Collegen zu dessen wachsendem Erstaunen auch von Tag zu Tag höflicher und zuvorkommender, so daß Pohlmann das in vieler Hinsicht berechtigte Mißtrauen gegen Hilleflen zwar nicht ganz verlor, aber doch nur noch in '.weit geringerem Maße hegte.
Hilleflen war entschieden für die Leitung der Geschäfte der Central-Commerzbank sehr brauchbar, dies sah Pohlmann mit jedem Tag mehr ein, und da beide Männer darauf angewiesen waren, viel miteinander zu verkehren, so beschloß Pohlmann, auch in der vornehmen Gesellschaft zu zeigen, daß er mit Hilleflen sehr gut stehe, und führte denselben deshalb in sein Haus ein.
Er gab zu diesem Zwecke ungefähr drei Wochen nach der Anstellung des neuen Directors der Central-Commerzbank ein kleines Familiendiner, zu welchem außer Hilleflen nur noch der Professor Galen geladen war. Der neue Bankdirector war wie der Professor noch unoerheirathet und deshalb machte auf ihn Carola Pohlmann, von der er nicht wußte, daß sie bereits mit Galen heimlich verlobt war, mit ihrer sanften Schönheit und anmuthigen Liebenswürdigkeit einen solchen tiefen Eindruck, daß er noch an demselben Tage, wo er als Gast im Pohlmann'schen Hause weilte, beschloß, stch um Carolas Hand zu bewerben. Dieses Heirathrproject paßte ja auch ganz vorzüglich in Hillessens Plan, sein Verhältniß zum . ersten Director der Central-Commerzbank so gut als möglich zu gestalten. Denn als Schwiegersohn Pohlmanns mußte Hilleflen dessen Vertrauen ganz und gar erwerben und auf diese Weise mußte auch der tiefe Argwohn, welchen der verdächtige und geheimntßvolle Schein, den der Commerzienrath Polenz dem Bankoirector Pohlmann zur Warnung vor Hillessen gegeben, zwischen den beiden Männern hervorgerufen hatte, zu einem lächerlichen Nichts herabsinken.
Hillessen gab stch daher an diesem Tage die größte Mühe, die Zuneigung Carolas und auch die Gunst von deren Mutter und Bruder Ernst zu gewinnen, und er zeigte stch in einem solchen glänzenden Lichte als gewandter, geistvoller und liebenswürdiger Gesellschafter, daß er als College Pohlmanns gewiß die größten Aussichten auf Erfolg bei seiner Werbung um Carola bei deren Eltern gehabt haben würde, wenn diese nicht bereits im Stillen mit einem so angesehenen Manne, wie es Professor Galen war, verlobt gewesen wäre.
Gegenüber den bald deutlich hervortretenden Werbungen ° Hillessens um Carola befand sich die Familie Pohlmann aber


