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aber wer, wie den Hause an. ,»»
Lautlos wich die Menge zurück, als man die Bahre um dem verunglückten Mann, der soeben ein junger Menschenleven aus gräßlicher Todesgefahr gerettet hatte, vorübertrug. -Nut
„Nun, ich habe Niemanden auf der weiten Welt, der um mein Leben bangen würde!" erwiderte Born und klomm die Leitersprossen mit großer Schnelligkeit empor. Dann begann er ein waghalsiges Klettern, hier war ein Mauervorsprung, der ihm Halt gab, dort eine tiefe Fensternische; höher und höher ging es die schwankende Mauer entlang. Unter ihm herrschte eine lautlose Stille, mit angehaltenem Athem starrte Alles auf den kühnen, den Tod verachtenden Mann, jede seiner geschmeidigen Bewegungen beobachtend.
Jetzt hatte er das Fenster erreicht, in welchem Dora immer noch in dem bewußtlosen Zustand, der dem Erstickungstode vorausgeht, lag. Wie ein Kind hob er sie empor und stieg mit ihr auf die Brüstung heraus. Die Menschenmenge unter ihnen brach in ein donnerndes Jubelgeschrei aus, verstummte aber sogleich wieder, als er nun, die bebende Mädchengestalt in den Armen, seinen gefahrvollen Rückweg antrat.
Derselbe ging nur sehr langsam von statten und die Gefahren wurden immer drohender, aus den gesprungenen Fensterscheiben schlugen überall die Flammen heraus, hie und da stürzten schon einzelne Mauerstücke, die dem Feuer nicht mehr widerstanden, herunter. Als sie die Leiter beinahe erreicht, schienen die Kräfte Borns vollständig erlahmt.
Lassen Sie mich jetzt los und klettern Sie voran, rch kann Ihnen ohne Hilfe folgen," bat Dora, die wunderbarer Weise ihre Besinnung und Geistesgegenwart vollständig wieder erlangt hatte. _ „ r n ,
„Nein, erst muß ich Sie glücklich auf der Setter Haben, ich kann mich zur Noth nachher durch einen Sprung retten!
I entgegnete Born besorgt und leichenblaß vor Erregung.
Mit einer letzten Kraftanstrengung hob er Dora nach dem I nächsten Mauervorsprung, von wo aus sie allein die Leiter er-
reichen konnte. , „
„Schnell, schnell," rief er, „sonst ist Alles umsonst."
Behende klomm Dora nach der Leiter und eilte dann mit Windeseile die Sprossen herunter.
Born folgte ihr, er sah noch, wie sie dort unten in die
Arme ihres Onkels sank und dann von ihrer Tante und der
alten Wärterin schnell aus diesem Bereich des Schreckens ge- bracht wurde. , . r, m , .
„Gerettet!" murmelte Born, indem ferne Augen auf der
lichten Gestalt in dem gelben Seidenkleids mit heißer Zärtlich- kett ruhten. Ein stolzes, siegesfrohes Leuchten flog jetzt über fein Antlitz und bewundernd schauten die Menschen auf zu dem kühnen, heldenmüthigen Manne, wie er dort einen Moment auf der Leiter rastete, im Vollbewußtsein seiner Kraft und der Siegesfreude über eine gute That- Plötzlich aber wurden einzelne Schreckensrufe laut, Alles stob auseinander und die Leiter, welche Born jetzt eilends hinunter zu klettern begann, kam bedenklich in's Schwanken. ,
„Die Mauer über Ihnen, sie stürzt, springen Sie schnell herab!" wurde ihm zugerufen.
I Er wagte den Sprung, wurde aber zu gleicher Zeit von einem stürzenden, halb verkohlten Balken zur Erde geworfen; Mauerstücke stürzten nach und in wenigen Secunden war er gänzlich unter Schutt und Trümmern begraben.
Ein Schrei des Schreckens und Entsetzens von über hum beit Stimmen klang gellend durch all' das Krachen und Knattern der stürzenden Mauer. Zögernd nur eilten jetzt einige beherzte Männer nach der Unglückrstätte und versuchten unter eigener Lebensgesahr, angetrieben von dem alten Herrn Schmidt und den Aerzten der Stadt, Born aus seiner entsetzlichen Lage zu befreien. . ,,
Nach langen, angstvollen Minuten, m welchen Alles in athemloser Stille verharrte, hob man den blutüberströmten, I verstümmelten Körper Borns empor. Behutsam wurde er aus eine Bahre gelegt; noch schien nicht alles Leben au» ihm entflohen und einer der Aerzte ordnete schnell und energisch me l Ueberführung des Verunglückten nach seinem in der Nähe liegen
Schlaf.
Unterdeß hatte sich Born durch die Menge Bahn gebrochen.
„Sie muß gerettet werden!" rief er mit donnernder Stimme. „Es ist eine Schmach und Schande, daß noch keine Hand stch gerührt! Leitern her und wo dieselben nicht aus- reichen, da bietet die Mauer noch Stützpunkte genug." Wieder wurde eine Leiter an die Mauer gelehnt.
„Wenn Sie Ihr Leben riskiren wollen, dann tn Gottes Namen, Herr Assessor," rief ein alter Mann, „aber «er, w.c wir Alle, Frau und Kinder zu ernähren hat, kann und darf sein Leben nicht auf das Spiel setzen, es entständen dann aus einem Unglück leicht zwei!"
jetzt herbeigeholt wurden, reichten nicht herauf bis zum zweiten | Stockwerk, dabei drohten die Wände jeden Moment einzustürzen. 1
Auch die Ballgesellschaft hatte sich jetzt unter die Menge 1 gemischt, da der Feuerlärm dem Tanzvergnügen ein jähes Ende - bereitet hatte. Das Läuten der Sturmglocken war plötzlich ' schaurig zu den Tanzweisen geklungen und während Alles sich in Bestürzung aufgelöst, war eine alte Frau in den Saal gestürzt und hatte nach Dora gefragt. Viele der Anwesenden hatten bereit Weggang gar nicht bemerkt, man suchte und forschte nach ihr. Einige Herren, die Dora engagirt gehabt, versicher- I ten, daß sie längst zu Hause sein müsse, da man sie seit einer Stunde hier nicht mehr gesehen habe. Mit lautem Jammern war die Alte dann wieder davon geeilt. Assessor Born, der bett ganzen Vorgang erschrocken mit angesehen, war der alten Frau auf dem Fuß nachgefolgt und erreichte mit ihr zu gleicher Zeit die Feuerstätte. , ..
„Großer Gott, da steht sie, am Fenster ihrer Schlafstube, rief die alte Frau jetzt händeringend, „mein Kind, mein Herz- blättchen, ich habe sie groß gezogen, meinen Händen vertraute ihre sterbende Mutter sie an, und nun soll ich sie elendiglich umkommen sehen!" , , , I
Geisterbleich blickte Born zu dem Fenster hinauf, er sah bas gelbe Atlaskleid, in welchem Dora noch vor wenigen Stunden im Tanz dahin geschwebt, im hellen Feuerschein glitzern und schimmern, man konnte sogar die Garnitur der rothen I Rosen deutlich erkennen, und die Brillanten, die ganze Strahlen des rothen Lichts aufsingen und wundersam funkelten. All' dieser strahlende, schimmernde Putz bildete einen grausigen Eon- traft zu der schreckensvollen Situation. Jetzt streifte Dora den Brillantschmuck von Hals und Armen und warf ihn hinunter in die zu ihr aufschauende Menschenmenge. I
„Rettet mich! Rettet mich!" rief sie in den herzzerreißendsten Tönen, — aber nur schreckensbleiche Gesichter starrten zu ihr herauf, Niemand bückte stch, um die Brillanten aufzuheben und für diesen Lohn sein Leben zu wagen. I
„Es ist nicht möglich," sagte einer der Arbeitsleute, die bei dem Feuer thätig waren, zu dem alten Herrn Schmidt und dabei standen ihm die hellen Thränen in den Augen.
„Wenn wir die Leitern zusammenbänden," stöhnte dieser.
Der Arbeitsmann schüttelte den Kopf. „Die Wände schwanken schon, sie haben allen Halt verloren, da das mittlere Stockwerk schon vollständig ausgebrannt ist. Nur ein Wunder | kann das arme Kind dort oben retten."
Ein markerschütternder Schrei schallte noch einmal jetzt herunter, dann glitt Dora auf das Fensterbrett herab. Das Zimmer war tageshell von den überall emporschlagenden Flammen erleuchtet. Mit irren Blicken starrte sie auf die immer näher heranzüngelnden Flammen, wie lange noch, dann ergriffen sie ihre Gewänder — und dann und dann —
„O Gott im Himmel, habe ich denn so Entsetzliches verdient," wimmerte sie, „war es da nicht noch besser, einen Sprung zu wagen."
Sie wollte sich erheben und rufen, daß man Betten unterbreite, aber die Kräfte versagten ihr, sie blieb in dem offenen Fenster liegen."
Ein traumähnlicher Zustand halber Bewußtlosigkeit erfaßte sie. Sie hörte wie aus weiter Ferne schmeichelnde, süße Melodien und dann wieder klangen weiche, beruhigende Worte an ihr Ohr, als wäre die Kindheit ihr zurückgekehrt und die geliebte Mama stände an ihrem Lager und sänge sie leise in den
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