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. «ichts mehr zu ändern," entgegnete er achsel- zuckend, „die Trauung findet bereits statt-"
_ . "34 sah nach der Uhr und fand, daß noch eine Viertelstunde fehlte. In größter Aufregung verließ ich Lord Raw- don und eilte nach der Kirche, um, wenn möglich, Sie zu retten — auf welche Weise, darüber war ich mir noch nicht klar. Aber heirathen durften Sie diesen Menschen unter keiner Bedingung.
_ '^ie unzähligen Wagen und Equipagen, die mehrere Straßen Wende Volksmenge, die nach der Kirche drängte und jedes Passtren unmöglich machte, hemmte mein Vorwärts- kommen. Als ich endlich, halb wahnstnnig vor Angst und Aufregung, vor der Kirche stand, sagte man mir, die Trauung sei soeben beendet. Und da kamen Sie auch schon, Sie, meine geliebte Lola, am Arm des Betrügers — Ihres Gatten. O. was ich da empfand —"
„Lieber Gerald, mein einziger wahrer Freund," schluchzt Lola, „o, daß ich Ihnen einst so wehe thatl"
Er hebt abwehrend die Hand.
„Nichts von mir, Lola! Laffen Sie uns berathen, was zu thun ist, um Sie vor Spott und Schande zu retten."
Sie ächzt leise, sucht sich jedoch zu beherrschen. Da fällt ihr Blick auf den diamantbesetzten Bouquethalter, welchen Orlowsky ihr am Morgen gesandt. Eine zornige Röthe steigt in ihre Wangen.
„Wer bezahlte dies hier — und dies — und dies?" ruft sie heftig. „Wer bezahlte die Juwelen, die er mir schenkte?"
„Lord Rawdon, Lola. Er bezahlte sogar Ihren Trauring! Orlowsky selbst besitzt keinen Schilling. Doch wird er für die treffliche Durchführung seiner Rolle gut bezahlt werden- 7" Es ist r öthig, daß Sie dies Alles wissen," fährt er sanft fort, als er sieht, wie Lola in ohnmächtigem Zorn die kleinen Hände ballt und sie an die Schläfen preßt.
,,O, Gerald, Gerald! Ich kann es nicht ertragen!" schluchzt sie auf. „Die Schmach, die Schande überlebe ich nicht. Ich — das Weib eines Abenteurers, eines Spielers, eines Vagabonben! ... Ach, Gerald, wär' ich tobt!"
Ihre fieberheißen Hände umklammern wie hilfesuchend die seinen. Große Tropfen lösen sich von ihren Wimpern und perlen langsam die Wangen herab.
„Nicht so, Lola!" flüstert er innig. Er gibt sich die größte Mühe, ruhig zu erscheinen, während sein Herz zum Zerspringen voll ist.
„Wenn ich tobt wäre," fährt sie wie im Selbstgespräch fort, mit brennenden Augen in's Leere starrend, „dann würde Niemand mehr über mich lachen und mich verspotten. Selbst die Herzogin nicht. Nein — dann nicht . . j
In ihren Augen flammt es auf; der Mund verzieht sich zu einem schwachen Lächeln.
Gerald beobachtet sie ängstlich. Dann sagt er mit bebender Stimme: „Lola, Eines versprechen Sie mir! Thun Sie keinen unüberlegten Schritt, was es auch sein mag! Ich bin hierher gekommen, um Ihnen zu helfen, um Sie zu schützen ^nnd Sie später zu rächen. Ich habe ein Anrecht darauf, daß Sie mir vertrauen."
Seine Augen blicken so flehend in die ihren, seine Züge drücken solche Angst und Besorgniß aus, daß sie ihm unwillkürlich die Hand entgegenstreckt."
„Ich verspreche es, Gerald."
Er hält ihre Hand mit leisem Druck.
„Ich danke Ihnen, Lola. Und nun hören Sie mich an! Ich besitze Kraft, Muth und Energie. Alles werde ich daran setzen, um Sie aus dieser fürchterlichen Lage zu befreien — wenn es nöthig sein sollte, mein Leben. Von heute an betrachte ich mich als Ihren Bruder, dem die Ehre der Schwester heilig ist.....Ich werde Sie jetzt verlassen. Können Sie
sich so weit beherrschen, um zu der Gesellschaft zurückzukehren, Ihren Freundinnen, Ihrer Mutter Lebewohl zu.sagen?"
, „Ich fürchte, nein," entgegnet sie leise. "„Sehen Sie, wie ich zittere!"
„Ich verlange sogar noch mehr, Lola. Kleiden Sie sich
rasch um und fahren Eie mit Ihrem —" Er stockt und fährt dann hastig fort: „Mit dem Orlowsky bis zur nächsten Station Folkestone, wo ich Sie erwarten werde."
„Nein, nein, ich kann nicht mit ihm fahren!" ruft sie händermgend. 11
»Versuchen Sie es, liebe Lola! Sie sind nicht so schwach, wie Sie glauben. Sehen Sie, das bischen Selbstbeherrschung ist leichter, als wenn Sie das Höhnen und Spotten Ihrer Feinde mit anhören müßten. Sobald Sie mit lächelndem Antlitz an der Seite jenes Menschen abreisen, glaubt Niemand ein Wort von der ganzen Sache, selbst wenn sie morgen be« kannt werden sollte. Heute darf Niemand darum wissen, auch Ihre Mutter nicht- Sie würde sich nicht beherrschen können. Wollen Sie, hebe Lola?"
Sie schweigt eine Zeit lang, bevor sie leise entgegnet: „Ich werde es versuchen."
Dann erhebt sie sich langsam und geht einige Mal im Zimmer auf und ab, bis ihr Schritt fester, ihre Bewegungen ruhiger werden.
- "'Nes thun," sagt sie hastig. „Wenn man
mein Unglück erfährt, so soll man wenigstens sehen, daß ich es würdig getragen habe."
„So ist es recht, Lola! Jetzt sind Sie wieder Sie selbst" Ein flüchtiges Lächeln huscht über ihre Lippen.
„Ja, ich bin wieder ich selbst — getäuscht und betrogen - aber nicht gedemüthigt. . . . Werden Sie mich auch nicht verlassen, Gerald?"
„Lola!"
Dies eine Wort und der Ton, in dem es gesprochen, sagte genug.
, „Ich vertraue Ihnen," sagt sie einfach. «Und nun noch eine Bitte. Ich mag diese Sachen hier nicht mehr tragen; sie brennen mir an den Fingern. Geben Sie sie Lord Rawdon zurück — als Andenken an mich."
Damit zieht sie den Traureifen und einen großen Diamantring, den Orlowsky ihr nach der Verlobung gegeben, vom Finger und legt Beides auf den Tisch.
„Wenn man aber das Fehlen der Ringe bemerkt?" fragt Gerald.
„Ich behalte den Handschuh an. .. . Und nun will ich mich in meinem Ankleidezimmer für die Reise fertig machen lassen — für die Hochzeitsreise!"
Sie lacht bitter auf. Dann fährt sie hastig fort: „Ich höre die Schritte meiner Mutter. Sie darf mich jetzt nicht sehen."
Noch ein kräftiger Händedruck — und Gerald ist allein.
Er hat kaum Zeit, die Ringe aufzubewahren — da tritt auch schon Frau March ein.
„Wo ist meine Tochter?" fragt sie, sich verwundert umschauend.
„Sie hat sich in ihr Zimmer zurückgezogen, um sich für die Abreise zu rüsten."
XXIII.
„Die Fürstin I"
Voll freudiger Aufregung und tiefer Ehrfurcht flüstern es sich die Kammermädchen zu, als Lola ihr Ankleidezimmer betritt. Lisette eilt auf ihre Herrin zu.
„Schick die Andern fort und kleide mich rasch um, Lisette!" Die gewandte Zofe sieht sofort, daß etwas nicht ist, wie es sein sollte. Vielleicht der Abschied von der Heimath, von der Mutter — vielleicht Uebermüdung! Die blauen Augen der geliebten Herrin tragen einen solch' seltsamen Ausdruck! Doppelt aufmerksam bedient sie dieselbe. Sachte steckt sie das herabgefallene Haar auf, legt den zerknitterten und an einer Ecke sogar zerrissenen Schleier vorsichtig zusammen und sammelt die geknickten und bei der leisesten Berührung abbrechenden Orangenblüthen. Dann entkleidet sie Lola des schweren Brautanzugs und hüllt sie in ein perlgraues, reichgesticktes Tuchkleid. Sie bemerkt sehr wohl, daß sowohl der Traureifen wie der Verlobungsring fehlen. Doch schweigt sie zartfühlend darüber.
Lola ist fertig — bereit zur Reise-
Die Brautjungfern treten ein, um von der „lieben Fürstin"


