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blieben, anstatt mich und mein Leid daheim zu verstecken! Vielleicht wäre dieser schändliche Streich nicht zur Ausführung gekommen. Ich hätte über Sie gewacht."

Er blickt einige Secunden lang düster vor sich hin, ehe er ernst fortfährt:Lola, Sie haben sich eine bittere Feind­schaft zugezogen und"

In Hellem Erstaunen hebt sie den Kopf.

Ich eine Feindschaft?"

Ja, Lola als Sie Lord Rawdon zurückwiesen. Wir wollen über die Sache nicht weiter reden. Sie wiffen selbst, Sie thaten ihm damals Unrecht. Er schwor Ihnen Rache. Ich glaubte, es sei nur ein Ausfluß seines gekränkten Stolzes und würde vorübergehen."

Alles Blut ist aus Lolas Wangen gewichen. Mit weit offenen Augen starrt sie Gerald an.

Hat hat Lord Rawdon dabei feine Hand im Spiel?" fragt sie hastig.

Er nickt ernst.

Ich verstehe nicht" murmelt sie leise.

Sie wiesen ihn hochmüthig und spöttisch zurück, anstatt ihn liebevoll zu trösten. Ich weiß, wie er Sie liebte, er hätte sein Leben für Sie gelassen. Sie brachten ihn dem Wahn­sinn nahe. Er sagte o, vergeben Sie, daß ich die harten Worte wiederhole er sagte, Sie fänden Vergnügen daran, mit Männerherzen zu spielen und müßten unschädlich gemacht werden.....Dieser Gedanke bildete sich schließlich bei ihm

zur fixen Idee heraus. Er dachte bald nichts Anderes mehr."

Während der letzten Worte richtet Lola sich auf und hört mit größter Spannung zu.

Ihr Hochmuth und Ihre Gefallsucht, wie er es nannte, sollte gedemüthigt werden durch eine niedrige Heirath, von der Jedermann spricht und über die Jedermann lacht," fährt er traurig fort.Das sollte Ihre Strafe sein."

Heftig erregt springt Lola auf und durchmißt ein paar Mal tief aufathmend das Zimmer. Dann bleibt sie vor Gerald stehen und fragt hastig mit einem kleinen Anflug von Spott:Run und? Worin besteht meine Strafe?"

Er schmiedete einen teuflischen Plan. Bedenken Sie wohl, Lola Lord Rawdon war der ehrenwertheste, der vor­trefflichste Mensch, bevor er Sie kennen lernte! .... Aber besitzen Sie auch Ruhe genug, um mir zuzuhören?"

Schweigend nickt Lola mit dem Kopf und läßt sich müde auf einen Seffel nieder. Gerald rückt einen Stuhl heran und nimmt neben ihr Platz-

Also," beginnt er ernst,Lord Rawdon kennt diesen Orlowsky von Monaco her. Der Mann hatte stets ein aben­teuerliches Leben geführt. Eine Zeit lang fungirte er als Courier einer vornehmen französischen Familie, dann als Reisebegleiter eines reichen russischen Bankiers. Später wurde er Impresario einer wandernden Schauspieler-Gesellschaft. Sein großes Sprachtalent kam ihm bei all' diesem sehr zu statten. Auch suchte er, seine Bildung zu vervollständigen, wo es irgend ging. Von Zeit zu Zeit schickte ihm die Familie seines Vaters Geld. Doch er verlor es stets bald wieder im Spiel. . . .

Rach einem solchen, diesmal besonders hohen Verlust, der ihn momentan zum Bettler machte, wollte er seinem un­nützen Leben durch einen Pistolenschuß ein Ende machen. Durch Zufall kam Lord Rawdon ihm in den Weg und hin­derte ihn am Selbstmord. Und nicht nur das er händigte ihm auch eine kleine Summe ein, die ihn in den Stand setzte, die nächste Zeit anständig zu leben. Orlowskys Dankbarkeit kannte keine Grenzen.

Als Lord Rawdon jener teuflische Plan für Ihre Be­strafung einfiel, dachte er sofort an jenen Orlowsky. Ich ver- muthe, eine Frau hat ihn darin bestärkt."

Die Herzogin von Edenfield," murmelt Lola leise.

wenigstens sagte mir Arno, daß ihm der Gedanke erst während einer Theatervorstellung gekommen sei, die er mit der Herzogin besuchte. Ich kann Ihnen nicht all' seine Worte wiederholen, aber"

Lola," läßt sich die sanfte Stimme der Pastors wittwe '

hinter der Thür vernehmen,die Zeit vergeht. In einer Stunde geht der Zug ab."

Sie dürfen nicht mit ihm gehen!" fährt Gerald auf. Lieber stelle ich ihn vor der ganzen Gesellschaft bloß."

Lasten Sie mich nur machen!" flüstert sie, den Finger an die bleichen Lippen legend.Ich komme sogleich, Mama!" fährt sie lauter fort, indem sie sich bemüht, ihrer Stimme Festigkeit zu verleihen- Dann wendet sie sich wieder zu Gerald.

Ich verstehe," sagt sie hastig.Er wollte mich strafen und wußte nur noch nicht, auf welche Weise. Da fiel ihm während jener Vorstellung ich erinnere mich ihrer ganz genau ein, mein Geschick solle ein gleiches sein, wie das der Heldin auf der Bühne. Ich sollte einen Abenteurer hei- rathen und dann von ihm verlosten werden ein Gegen­stand des Spottes für die ganze Welt. War das der Plan?"

Gerade so, Lola. Als Mittel zum Zweck sollte dieser Orlowsky dienen ein Mann, schön wie ein Gott und von der Natur mit reichen Gaben ausgestattet, aber ohne jede Grundsätze und ohne jedes moralische Gefühl. Kurz vorher hatte dieser Mensch, der Lord Rawdon mit seiner Dankbar­keit geradezu verfolgte, ihm geschrieben, daß er sich in Hom­burg befände, wo er eine geheime Spielhölle eröffnet habe. Lord Rawdon begab sich nach Deutschland, legte dem Orlowsky seinen Plan vor und fand ihn gewillt, die ihm angebotene Rolle zu spielen- Er hoffte sich dabei zu amüsiren. Dazu kam noch die Freude, seinem Lebensretter einen Dienst er­weisen zu können kurz, nach wenig Tagen schon war Alles geordnet und Lord Rawdon fuhr in Begleitung Orlowskys desFürsten" Orlowsky, als welchen er ihn ausgab - nach England zurück.

Lord Rawdon war es, der die Notizen von des Fürsten baldiger Ankunft in die Zeitungen lancirte; er war es, der die Details über seinen Reichthum, seine Weltreisen verbreitete. Er war es auch, der das große Haus für ihn mtethete und es fürstlich einrichten ließ. Die ganzen Mittel, deren der Mann zum Spielen seiner Rolle bedurfte, kamen von ihm- Er hat nicht Tausende, sondern Hunderttausende daran ge­wandt, um Sie zu strafen und seiner fixen Idee dadurch Ge­nüge zu thun."

Ein tiefer Seufzer Lolas läßt ihn einen Augenblick pau- siren- Dann fährt er traurig fort:Wie gut er reussirte, wiffen Sie selbst, mein armes Kind. Er ist Ihr Gatte ge­worden."

Mit einer wilden Geberde wirft sie den Kopf zurück und faßt mit beiden Händen in das wirre Haargelock.

Bin ich denn wahnsinnig, Gerald? Ich ich die Gattin eines Betrügers?"

Als er nicht antwortet und sie nur traurig anblickt, fragt sie hastig:Woher wiffen Sie das Alles? Und wenn Sie es wußten, warum warnten Sie mich nicht?"

Ich erfuhr den ganzen Plan erst heute. Ich schäme mich nicht, Ihnen zu gestehen, daß ich nach London reiste, um Ihrer Trauung beizuwohnen. Ich wollte Sie noch einmal sehen, bevor Sie abreisten. Ich wollte auch den Mann sehen, der Ihre Liebe gewinnen konnte. Ich kam zu früh in London an und da ich lange nichts von Lord Rawdon gehört hatte und wir früher, bevor wir Sie kennen und lieben lernten, Freunde waren, suchte ich ihn auf. Ich glaubte, Ihre Ver- heirathung würde ihn ebenso schmerzen, wie mich. Ich traf ihn zu Hause. Er lachte und murmelte beständig von seinem Sieg, seinem Triumph; dann wieder bat er schluchzend Gott um Verzeihung für seine böse That. Ich hielt ihn zuerst für betrunken. Bald jedoch merkte ich, daß etwas Besonderes ge­schehen sein mußte, was ihn so sehr erregte, daß er dem Wahnsinn nahe schien.

Auf mein inständiges Bitten bekannte er Endlich, welche Rache er an Ihnen genommen. Um seinen Sieg ganz zu ge­nießen, wollte er den Bräutigam zum Altar begleiten- Im letzten Augenblick jedoch verließ ihn der Muth. Er sandte eine Absage an den Orlowsky.

Ich war außer mir und verdammte seine Handlungs­weise in den härtesten Ausdrücken."