Ausgabe 
10.11.1894
 
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Samstag, den 10. November.

Lola.

Roman frei nach dem Amerikanischen von Erich Friese«.

(Fortsetzung.)

Baron Hastings blickt mit Thränen in den Augen auf E,,nieder, auf das schöne, jetzt angstvoll emporgewandte Antlitz, äuf die Orangenblüthen in dem lockigen braunen Haar, auf das matte Weiß des Hochzeitsgewandes, das in schweren Falten an der herrlichen Gestalt niederfließt. Ein ächzender Laut entringt sich seinen Lippen.

Lola, sind Sie stark?"

Sanft legt er seinen Arm um ihre Schulter und führt sie zu einem Sessel.

Ich will es versuchen," entgegnet sie leise mit bebenden Lippen.

Er sieht, welche Anstrengungen sie macht, um standhaft zu sein. Wie es ihr möglichst schonend beibringen?

Man hat Sie wie ein schönes kleines Vögelchen in ein Netz gelockt," beginnt er sanft.

Verwundert schlägt sie ihre großen, feuchtschimmernden Augen zu ihm auf.

In ein Netz gelockt?" wiederholt sie ungläubig.Ich verstehe nicht"

,.O, Lola, könnte meine Liebe dieses Unheil von Ihnen abwenden I Ich gäbe mein Leben darum. Aber

Aber?"

Ihr Gatte -"

Mein Gatte, der Fürst?"

Gerald stöhnt tief auf.Ihr Gatte ist ist" Nun?"

ist nicht Fürst Orlowsky!"

Lola steht wie erstarrt.Nicht Fürst Orlowsky? Was ist er denn?"

Ein Abenteurer!"

Was?" ruft sie außer sich.Was? Sagen Sie das noch einmal!"

jAch, theure Lola, es ist leider so," murmelt er tief be­wegt.Er heißt nicht Fürst Orlowsky. Er ist o, wie lou ich es nur ausdrücken, er ist der natürliche Sohn eines Abkömmlings der Orlowskyr und einer tscherkessischen Sclavin. Mit Unrecht führt er den Namen seines Vaters."

Es kann nicht sein! Es kann nicht sein!" schreit sie auf-O, Gerald, was soll ich thun?"

. Heiße Thränen rinnen über ihre Wangen. Krampfhaft schluchzend umklammert sie den tief erschütterten Gerald.

Ruhig, ruhig, liebste Lola," sagt er beschwichtigend, man wird Ihr Schluchzen hören. Wenn Sie das Geheim- niß bewahren wollen, müssen Sie sich beherrschen. Weinen Sie nicht so bitterlich, mein li bes, liebes Kind! Wir wollen zusammen überlegen, was geschehen soll."

Seine Hand streichelt sanft das goldig schimmernde Haar, während seine Lippen leise, beruhigende Worte flüstern.

Das Schluchzen läßt nach. Ihre Geralds Arm um­klammernden Hände lösen sich.

Aber es kann ja nicht sein," sagt sie langsam, während der Schimmer eines Lächelns über ihr noch thränenfeuchtes Antlitz huscht.Sie müssen getäuscht worden sein. Jeder­mann hier weiß, daß er der Fürst Orlowsky ist."

Ernst schüttelt Gerald den Kopf.

Nein, Lola; es ist, wie ich Ihnen sagte- Sie müssen sich an den Gedanken gewöhnen/'

O, mein Gott! Mein Gott!"

Wild aufschreiend wirft sie sich auf den Boden. Das schwere Atlaskleid zerdrückt, die Orangenblüthen brechen ab sie merkt es nicht. Zorn und Verzweiflung übermannen sie völlig.

Gerald steht einen Moment lang rathlos. Dann kniet er neben ihr nieder und faßt ihre beiden Hände.

Lola liebe, gute Lola, hören Sie mich!" flüstert er innig.Ich bin ja gekommen, um es Ihnen tragen zu helfen. Nur noch kurze Zeit beherrschen Sie sich! Das Weitere über­lassen Sie mir! Wie einen tollen Hund will ich ihn nieder­schießen, den Schurken. . . . Und nun fassen Sie sich um Ihretwillen! Vielleicht haben Sie Feinde dort in der glänzen­den Menge Frauen, die Sie beneiden lassen Sie die- selben nicht triumphiren! . . . Nehmen Sie Ihre ganze Kraft zusammen! Ihr Stolz wird Ihnen dabei behilflich sein. Hören Sie mich, Lola?"

Das konvulsivische Zucken der am Boden liegenden Ge­stalt ist einer todtenähnltchen Starrheit gewichen. Sie rührt sich nicht. Behutsam hebt Gerald den zur Seite geneigten Kopf mit der von dem heftigen Fall herabgeglittenen Haar- fülle etwas empor.

Hören Sie mich, Lola?" wiederholt er dringender.

Langsam schlägt sie die Lider empor. Sin paar todes­traurige Augen blicken ihn an. Wortlos nickt sie mit dem Kopf. Dann hebt er die schwankende Gestalt auf und geleitet sie, von seinem starken Arm umschlungen, zu einem Sessel.

So, nun setzen Sie sich nieder und hören Sie ruhig zu, was ich Ihnen noch zu sagen hebe!" bittet er, ihre Hand sanft in der seinen haltend. Als er fühlt, wie diese kleine, zarte Hand zittert, murmelt er düster:O, wäre ich hier ge-