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IV.
Frau Auguste Scheringer war eine merkwürdige Frau. Trotz ihrer äußerst zarten Gestalt und ihres ungemein sanften, ia melancholischen Gesichtes war etwas Hartes und Unfreundliches in ihrem Wesen. Sie befand sich stets in einem Zustande der Erbitterung gegen alle Welt — hauptsächlich aber gegen die Vertreter jenes Geschlechts, dem sie ihr ganzes Unglück zuschrieb: gegen die Männer. Nach ihr eigenen Meinung — und sie unterließ niemals, dieses in seufzendem Tone zum Ausdruck zu bringen, — kannte sie dieselben sehr gut; sie hatte sie an einem Exemplar der Gattung gründlich studirt, an ihrem leligen Eheherrn — und da sie immer mit den Augen eines um ihre schönsten poetischen Hoffnungen und Träume betrogenen, etwas sentimentalen Weibes dem Treiben des nunmehr leligen Herrn Scheringer zugesehen, hatte sie seine kleinen
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„Herr Ottokar W. I Ein Lächeln der Befriedigung glitt über das Antlitz des
wird aufgefordert, ein Lebenszeichen von sich zu geben, da I Detectivs. Wolski hieß er also!
seine Zimmer sonst weiter vermiethet werden. I »Nein, das nicht," sagte er langsam. „Ich möchte mich
Auguste Scheringer, Liechtensteinstraße 121." I nur erkundigen, ob er noch nicht zurückgekommen ist. Wie
nttnFrtr sm " 6 ra k i lange ist Wolski eigentlich fort?"
r«t' ON°k« « S L“'J^ÄÄb,eo“w W* * T-g-n ni» g-sch.» - und w-nn neietonet"-- fAri» „r ?'W" I er nicht bis zum Ersten kommt, dann gebe ich die Zimmer
prfnfr?™ ' JsPr ~ uttt wahrhaftig neugierig, zu | weiter. Sagen Sie ihm das gefälligst, wenn Sie ihn seüen.
schichte weiß toB[ * ßIanben' daß ich mich so behandeln lasse. Mich
hm - wollen Zn" besuch könnte nicht schaden - wundert zwar nichts mehr, denn ich kenne nur zu gut die 9 litis Ex t . f ™ , .1 Schlechtigkeit der Männer — und Herr Wolski ist nicht besser
i»«« Ä« Ö”Äu Sam“ 1 M‘. Ver™’ “*ra “ m,t Me9V °-'M unter die Leute ging. I Adamek ließ die Frau geduldig aussprechen, dann nahm
er eine ernste Miene an und ersuchte um eine Unterredung in so geheimnißvollem Tone, daß Frau Scheringer ihn sofort in's Haus führte.
In einem Zimmer, wo im ersten Augenblicke die vielen gehäkelten Schutzdeckchen und eine Menge altväterischen Krams auffiel, ließ sich Adamek auf einen Sessel nieder. Ihm gegenüber nahm Frau Scheringer umständlich Platz, indem sie den Unbekannten scharf fixirte.
„Was wünschen Sie also — und wer sind Sie?“ fragte sie ungeduldig.
„Ich bin Detectiv und suche Herrn Ottokar Wolski," antwortete er gelassen, den Hut, den er abgenommen hatte, neben sich auf den Tisch legend.
(Fortsetzung folgt.)
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S Stet TnfÄähe ihn I Schwächen gleichsam mit dem Mikroskop beobachtet und war
®“J“' rei”,??T 61,6 l>° durch dm schlechleu 0ef®4ft«gma und durch ft bte Eflfie Für eine Juwelenschatulle die immer mehr anwachsende Neigung ihres Mannes, seinen
ß eng^r . also ein Papier, ein Document." I Gram durch den edelsten Grinzinger Heurigen theils zu bewährend er die ffieft^h^nn^fiPr^Ei^6 6 rU ^lbst, I täuben, theils zu verklären, zu guterletzt um ihre Wohlhaben-
fipmbJn Se .un .ber ^?ndelin hat eigentlich wieder einmal I kleine Vermögen aufzubrauchen, das sich in besseren Jahren an« , L ',kb*l^ " geriebener Junge ist, aber was nützt mir | gesammelt hatte, und daß ihre mürrische ränkckcke 9irt hpn ^ 5 Nicht weiß, wer der Mann ist, eifrig ein L g MM
S m r , öfter üom Hause fortgetrieben, als eigentlich nöthig gewesen.
In der That hatte seit Verlautbarung der Unthat Nie« I Als sie Wittwe aeworden batte fie die 'n;
- "es mr ße,meIbet' daß irgendwer vermißt werde I gen Wohlhabenheit zu Geld gemach? unfein kleines Putzgeschäft eine Slnjeiae^innZlfL6 nem ,”on retinem Privaten I eröffnet, das sich aber nicht lange halten konnte. Zuletzt war
mit Cb or s. ^LL- «v» Adamek nahm also an, daß der I sie auf den Gedanken gekommen, möblirte Zimmer zu ter» iti1 einem Snnnf»n äein Fremder sein müsse, der miethen, und da sie es wirklich verstand, ihre Wohnung trau« n einem sogenannten Abfreigeguartier gewohnt habe, bei I lich einzurichten, fanden sich immer Junaaeiellen die in den frT^gen7angran%tb1e6eT[affee“,^tlt Es iftV* Kether mit verschossener Eleganz ausgestatteten Zimmern ihr Quartier Le nf8,L "^ch„ sehen lasse . . . „Es ist auch möglich, j aufschlugen und, was die Hauptsache war, so aut bezahlten JJ? r^',, ^mv.^u^eben 8U vermeiden, durch die Zeitungen I daß Frau Scheringer von dem Ertrage ihrer Wohnung ganz Kcht hat," dachte er, und von diesen neuen Gedanken erfreut, gemächlich leben konnte. 9 9 3 3 3
Ü'1* ,“9M ei” 6,06 $“aeeMUet '» f“" Stam« D« Sa«, rn-lche« M, s-ch-ttd. Bitt»,. 6ewoH«. tag
Nach einigen Minuten war er nom vertieft «„ w. | ^bmlich weit draußen in der Vorstadt und hatte einen kleinen türe der Annoncen. Dabei hatte er eine höchst wichtige Amts« SlSnte wel$em bie ^rou eben ttufW a[8 Adamek miene aufgesetzt. „®ie Unikat ifr ge^e^en am greitog M^n b°rl M m u , ein und zwei Uhr Nachts," calculirte er; „die Quartierfrau t ®r öffnete die Gartenthur und warf einen Blick auf die mag bis Montag gewartet haben, ohne daß ihr das Ausbleiben I toen‘ßen wohlgepflegten Blumenbeete und die paar Rosenstöcke, ihres Miethers ausgefallen wäre- Gut. Dienstag hat sie 5" denen sich die ersten Knospen zeigten- Dann ging er auf
vielleicht die Annonce einrücken lassen. Bon." Er suchte im S?" Scheringer zu, die ihn mit mißtrauischer Miene maß,
Dienstagblatte, fand aber nichts als eine Illustration auf der luftete ben Hut und fragte: „Wohnt hier Frau Scheringer?" ersten Seite, welche den Fiaker darstellte, in welchem der Mord u bin "widerte sie scharf, ein wenig zurück« geschehen war. Es war ein Wagen wie hundert andere, nur EÄet?' wollen Sie? Wenn Sie vielleicht bei einer daß man darauf ganz deutlich die Nummer 6301 sehen konnte I Nutzlosen Wlttwe einfallen wollen . . ." sowie das wohlgetroffene Porträt des Kutschers; darunter »Aber fte unterbrach sich, da sie das Lächeln Adameks stand: „Nach den uns vom Fiaker 6301 gemachten Mitthei« I gewahrte und die dicke goldene Uhrkette, bte er zwischen seinen lange«.'' Aergerlich warf Adamek das Blatt zur Erde und Fmgern klirren lkß. Zudem regte sich in ihr die Neugierde, murmelte etwas wie: „Dummes Volk" oder dergleichen, um „Was wünschen Sie? wiederholte sie minder schroff,
dann eifrig weiterzublättern. Endlich, im Freitagsblatte, acht "S1?. ^ben annoncirt," begann er vorsichtig
Tage nach der Verübung des Verbrechens, fand er folgendes I ScheMge/kbhast U°n ®errn 200 ? unterbrach


