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und eifersüchtiger. — Verstimmt hatte Weither einer Nach- I mittags sich von den Damen verabschiedet, als sich aber die I Thür hinter ihm geschloffen, sprang Sophie unruhig auf und | rief: „Laura, Laura, er ist eifersüchtig auf Paul; die Sache gebetet bei ihm in Kopf undHerz immer weiter! Mach' ein Ende, spiele nicht mit seinem Herzen. Er ist ein zu guter Mensch, als daß er an einer unglücklichen Liebe Schiffbruch nehmen sollte!"
Laura erwiderte mit Thränen in den Augen: „Kann ich denn? Hat Paul sich erklärt? Ich weiß, Werther ist ein sentimentaler Mensch, ich fürchte seine Leidenschaft, aber kann ich sie hindern?"
„Veranlasse Paul zu einer Erklärung, und wäre es nur um diesen Jüngling! Denke Dir diese leidenschaftliche Natur in ihrer Liebe getäuscht I" Es gibt wahrhaftig ein Unglück!
„Ich glaube es selbst! Aber was sollen wir thun? Wir müssen Papa bitten, mehr zu Hause zu bleiben!"
Eines Tages kam Werther in das Nachbarhaus, um Abschied zu nehmen. Die Anwesenheit des Vaters erleichterte den Mädchen den Abschied von Werther, und in süße Hoffnungen gewiegt, reiste er andern Tags wieder nach Jena ab.
IV.
Der Briefbote in den Farben des Fürsten von Thurn und Taxis, welcher damals ein Monopol auf Einrichtung von Posten in vielen Staaten des Deutschen Reiches besaß, betrat heute das Woland'sche Hau«. .
„Ein Brief aus Jena! Einen halben Marrengroschen Bestellgeld!" sagte der Bote.
Laura nahm ihm den Brief ab und zahlte.
„Der December läßt sich heuer sehr hart an," sagte der Briefbote, „dies Jahr wird uns eine strenge Kälte bringen."
„Meint Er?"
„'s liegt in der Lust, Mamsell!"
Laura lächelte und wandte den Brief hm und her, ehe sie in das Wohnzimmer trat, wo Sophie strickend am Fenster in der Nähe der Hyazinten saß-
„Ein Brief aus Jena!" Mit diesen Worten trat Laura hastig ein- „Sollte er von — Werther sein?"
Sophie besah die Adresse und sagte: „Die Hand kenne ich. Er ist von Werther Helbig und an Papa adressirt- Wie zartstnnig^a ^bte $$ stolz ab und sagte: „Ich erwarte heute noch Paul!"
Sophie trat dicht vor sie hin und flüsterte: „Siebe Laura, bedenkst Du auch, was Du thust?" Das treueste Herz flößest Du von Dir! — Ich glaube kaum, daß Paul Dich so wie Werther liebt! Zudem ist Werther geistig viel bedeutender! Er bringt es noch einmal weit. Bedenke das wohl."
„Ich thu's, antwortete Laura gedrückt, „aber kann ich für die Neigung in meinem Herzen? Was kann ich dafür, daß ich nun einmal Paul liebe, Werther aber nicht? Warum denkst Du nicht an ihn, sondern an einen Anderen?"
„Bitte, Schwester, keine Jndiscretion!" bat Sophie.
„Ein Brief von Helbig!" rief Sophie und präsentirte dem Vater das Schreiben.
„Ei, wie ausmersam!" meinte der alte Herr. „Werther ist wirklich das Muster eines gut erzogenen Jünglings!"
(Fortsetzung folgt.)
Pepinischtes.
Äus derGefellfchaft. Erster Herr (sich vorstellend): „Mein Name ist Schulze." — Zweiter Herr: „Sehr angenehm." — Erster Herr: „Wäre es Ihnen weniger angenehm, wenn ich Müller hieße?"*
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Bedenkliches Lob. Wirth: „Nein, es ist ein Vergnügen, Sie ein Stück Braten tranchiren zu sehen, Sie ver» stehen'«!" — Gast: „Glaub'« schon — bin auch gelernter Lederausschneider!"
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Seine Schwäche- „Das ist die höchste Frechheit! Gestern hab' ich Sie hinauswerfen lassen und heute sind Sie schon wieder da!" — Haustrer: „Gott, wer kann for de Anhänglichkeit!"
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Bescheiden. „. . . Aber ich bitte Sie, verehrte Freundin, Sie nennen mich fortwährend Frau Tambourmajorin! Lassen wir doch zwischen uns jede Eliquette bei Seite und nennen Sie mich einfach Frau Majorin!"
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Wahre Sparsamkeit. Bräutigam: „Nun, mein Schatz, wa« wünschest Du, dieses Collier, diese Uhrkette oder diese« Bracelet?" — Braut: „Lieber Heinrich, nur keine un- nöthigen Ausgaben. Ich bin fest überzeugt, daß, wenn Du alle drei zusammen nimmst, Du sie erheblich billiger erhältst." * *
Frauenruhe. A.: „Deine Frau schläft ja täglich eine Stunde nach Tisch. Warum gönnst Du Dir nicht auch diese Erholung?" — B : „Ach, ich werde mich hüten, die einzige Stunde, in der ich Muhe im Hause habe, auch noch zu ver- schlafen."
Abschied vom Mütterlein.
(Einem lieben Freunde.)
So wach' ich denn zum letzten Male An Deiner Seite, Mütterlein!
Nach überlangen Leidensnächten Schläfst still Du nun im Todtenschrein.
Die bittern Seufzer sind verklungen, Die hundertfach Du ausgestöhnt, Nicht hör' ich mehr die Schmerzenslaute, An die das Ohr fast war gewöhnt.
Ihr schwachen Füße, die vor Jahren Geleitet mich beim ersten Tritt, Nun ruht ihr aus vom langen Wandern, Nun geh' allein ich meinen Schritt-
Wie kalt und starr, ihr alten Hände, Die treu gewirkt so lang, so lang! Eng liegt gefaltet ihr beisammen! Ach! erst der Tod zur Ruh' euch zwang!
Du süßer Mund! So lang ich denke, Nur Liebes, Gutes er mir sprach! Nie soll ein Wörtlein ich mehr hören, So bang mein Herz auch lauschen mag? Wie still und himmlisch-milde schlummert Das liebe Mutterangesicht!
O wahrlich, dies, Dein letztes Lächeln, Mein Mütterlein, vergess' ich nicht!
Naive Auffassung. „Was lernen wir aus der Parabel von den sieben weisen und den sieben thörichten Jungfrauen?" — „Daß wir jede Stunde auf die Ankunft eines Bräutigams gefaßt sein müssen," war die leise Antwort eines hocherröthenden Backfisches.
Doch — daß in's treue Mutterauge Ich nun und nimmer wieder seh', Ach! liebe, arme, tobte Mutter — Das thut mir doch am meisten weh!
Karl Schaffnit.
aiebactiou: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.


