Micher Blechschmied, schade, daß sich sein Material nicht klopfen, noch hämmern oder löthen läffet, müssen uns dnhero nach einem Anderen umthun."

Weiter unten an dem Tische und nicht zu der befferen Gesellschaft gehörig, hatten sich die beiden Wildhüter Langer- Hans und Dörrbusch niedergelassen. Der Letztere betrachtete es als eine besonders angenehme Aufgabe, scharf aufzupassen, wie viele Humpen jeder der Gäste getrunken habe, um seine Beobachtungen später an die Frauen bringen und Unfrieden stiften zu können.Siehst Du," sprach Dörrbusch zu Langer- hans.Jetzt bekommt der Quaffel bereits den achten, der Thomas auch den achten, der Mundkoch Arnold aber erst den fünften Humpen, während wir noch an dem dritten lecken müssen."

Wer heißt Dich denn so zu knausern, alter Filzmucker!" versetzte Langerhans spöttisch.Ich weiß wohl, daß Du man­chen spanischen Thaler, auch «viele Reichsthaler, Gulden- und Kopfstücke in Strümpfen, im Bettstroh, in einem eisernen Topfe und anderswo aufbewahrest, denn Du hast ein stattlich Stück­lein Geld von dem alten Gerberpeter, Deinem Schwiegervater, geerbt und hast den Mammon geschickt durch den großen Krieg gerettet. Wärest Du nicht so schäbigt und filzigt, Du zahltest manchmal eine Maß oder zwei, aber an so etwas ist bei Dir gar nicht zu denken."

Das verdroß den geizigen Dörrbusch; er zahlte drei Albus für seine drei Maß Bier, sprach zu Langerhans:Du bist ein dummer, tauber Stoffel, ich will eine Zeit lang nichts mit Dir zu thun haben, bleib' mir aus dem Hause!" ging nach der Thüre und war im Begriffe, zu öffnen, als diese aufging und der Schultheiß Hans Görg Schöffer erschien.

Alle Gäste erhoben sich, wünschten einen schönen guten Abend und blieben so lange stehen, bis der Herr Schultheiß mit seinen beiden Begleitern, dem Burggrafen Justus Keip und dem Kammerdiener Konrad Langsdorf, durch das große Gastzimmer hindurch in das hinten gelegene Herrenstüblein, zu welchem zwei Stufen führten und das feiner ausgestattet war, als das allgemeine Wirthszimmer, eingetreten war.

Nun bleib' ich noch eine Maßlänge oder zwei ad. locus," sprach Quaffel zu den anderen Gästen mit halblauter Stimme, denn wir können von da drinnen vielleicht noch etwas er­fahren. Die Herren haben die Thüre nicht ganz eingeklinkt, ganz abgesehen davon, daß sie schlecht schließt. Aber wir müssen weiter sprechen und thun, als wollten wir gar nichts hören, sonst machen die drinnen die Klappe zu und mit der Wiffenschaft ist es nichts."

Diesmal hat der Postschreiber ganz gewiß recht!" be­merkte der Schulpräceptor.Wo es etwas auszuspioniren, eliminiren, supponiren, räsoniren, denuneiren, fructifictren gibt, ist Quaffel an seinem Platze und sein Bruder bläst die Flöt', obgleich er niemals einen Bruder gehabt hat. He! Herr Post­director, hab' ich recht?"

Haltet Euer rostrum oder steckt es in Euren Krug, worin wahrscheinlich doch nichts mehr ist, Spähnebrenner," antwortete Quaffel bissig.

Oberländer, der Gastwirth, brachte drei feine Krüge, füllte sie aus einem frischangezapften Fäßchen und trug das schäumende Getränke in das Herrenstübchen.

Herr Schultheiß Schöffer hatte es sich in dem großen, weichen Lederseffel bequem gemacht. Wie er so dasaß und mit den scharfen, stahlgrauen Augen fest um sich blickte, mit den buschigen Brauen, dem frischen Gesichte, über das eine breite Narbe von links nach rechts zog, die von einem wuchtigen Reitersäbel herrühren mochte, dem starken Haupthaare, das zur Hälfte ergraut war, besonders aber mit den starken, kräftigen Händen, energische Bewegungen in Allem zeigte: gewann Jeder den Eindruck, daß das Dorfoberhaupt von Bingenheim stets wußte, wohinaus der beste Weg führte.

(Fortsetzung folgt.)

Novelle von Carl Cassau.

(Fortsetzung.)

Weither nickte verständnißvoll, saß aber wie auf Kohlen. Endlich konnte er sich mit Anstand empfehlen und brach sogleich nach Jrenenstein auf. Da, wo sih der Weg theilte, etzte er sich unter eine Birke im Schatten nieder und wartete -er Heimkehrenden, indem er in eine süße Träumerei verfiel. Wie lange er so gesessen, wußte er selbst nicht. Lachen und Schäkern weckte ihn, und er sah die beiden Mädchen des Weges daher kommen.

Als ihn die Damen wahrnahinen, lachten sie und Sophie meinte:Nun, Laura, habe ich nicht recht gehabt?"

Werther bot seine Begleitung an, wenn dieselbe angenehm, worauf Sophie vorwurfsvoll bemerkte:Wie können Sie noch fragen, Herr Helbig. Sind Sie nicht unser bester Freund?"

O, das schmeichelt mir ungemein!" erklärte Werther.

Auch dieses galt mehr Laura als Sophie, die erstere aber schmollte und sagte:Ich bin Ihnen ganz böse! Warum haben Sie denn den Hector erschossen, Herr Helbig? Diese That dürfte Jedermann befremden I"

Werther stutzte. Er hatte die Geschichte nur Paul Busch mitgetheilt und dieser war bei Wolands gewesen, also hatte er doch mit den Mädchen gesprochen und ihnen auch gleich das traurige Ende Hectors erzählt. Die Eifersucht flammte hell in ihm auf.

Fräulein Laura," entgegnete er erregt,man hat Ihnen die Thatsache mitgetheilt, um mich herabzusetzen!"

Sie schüttelte den Kopf und sagte:O nein, Sie irren Herr Helbig! Sie waren nicht allein im Gehölz, der Förster sah Ihrem Treiben zu!"

Werther zuckte die Achseln-

Wenn es jeder Andere wäre, Demoiselle Laura, so wäre es mir gleich, aber Sie sollen nicht schlecht von mir denken; jetzt muß ich mich rechtfertigen!"

Laura senkte das Köpfchen, aber Sophie meinte über- müthig:Da bin ich neugierig, Herr Hausfreund!"

Werther blickte ernst zum blauen Himmel auf, als wolle er diesen zum Zeugen der Wahrheit anrufen, dann begann er: Sehen Sie, Demoiselle Laura, wir Studenten sind ein lustig Völkchen! Nun aber ist eine ernste Zeit gekommen, ich muß mich von allen Allotria frei machen und an meine Doctor- Promotion denken!" ,

Ei, ei, viel Glück dazu, Herr Doctor in speel' lachte Sophie dazwischen.

Danke sehr! Der Hector war nun ein echter Siudentenhund, der mir einst eine Freude und nun eine Last war. Er hätte auch nicht ins Hundehaus und nicht vor den Karren gepaßt- Der Vater mochte ihn auch nicht leiden und fremden Leuten gönnte ich ihn nicht!"

Warum nicht?"

Weil das, was ich besitze und liebe, Andere nicht besitzen sollen!" r o

Ist das Egoismus oder Charakter?" frug Laura.

Ich denke, es ist das Letztere!" erwiderte Werther. Jedenfalls ist es nicht Egoismus! Ich erschoß Hector - aus purer Liebe!"

Laura antwortete nicht. . ,,

Zürnen Sie mir noch, Fräulein Laura, oder bin ich vor Ihnen gerechtfertigt?" frug deshalb Werther. ,

Das Erstere jedenfalls nicht, übrigens waren Sie ja der Herr des Thieres!"

Etwas verstimmt erreichten die Mgen Leute Schwalb­heim, und die Hundegeschichte machte Werther bald zum Gegenstand des Gespräches von ganz Schwalbheim.

In seinen äußerlichen Beziehungen zum Nachbarhause änderte der Vorfall aber nichts. Werther besuchte die Mädchen nach wie vor, aber er wurde mit jedem Tage mißtrauischer