und warme Freundschaft erfaßte ihn für Gpiridia. Alles, was fein Herz geben und verschenken konnte, wollte er gern Zer armen Sterbenden zuwenden.

Er streichelte ihr dunkles Köpfchen, er umschloß ihre Hände noch fester.Sprich nicht vom Tode, theure Spiridia," sagte er innig.Ich gebe noch lange nicht alle Hoffnung auf, daß mein arme» Frauchen wieder genesen kann. Und ich will Alles thun, damit es bald bester wird ich will für Dich sorgen, Dich hegen und pflegen wie mein höchstes Gut. Du sollst nicht mehr unverstanden, verlassen und einsam Deine Tage ver­trauern, mein Hoffen und Wünschen schließt stch fortan an das Deine an. Was Noch an schweren Prüfungen kommen soll, will ich gemeinsam und in treuester Freundschaft zusammen mit Dir tragen!"

Das wolltest Du thun, Roman?" stammelte sie. Ein verklärender Ausdruck von Freude und Glück flog über ihr bleiches Gesicht.Du willst mich pflegen, mich lieb haben, mich glücklich machen? Ach, gütige Jungfrau Maria, ach, Christus, wie soll ich Euch danken! Weißt Du, Roman, wenn Du mich ganz verstoßen hättest, so wäre ich sicher in geistige Nacht versunken. Doch Du bist mein guter Engel, Du rettest mich. Und meine vielen Fehler vergibst Du, nicht wahr? Ich habe sie längst bitter bereut. Und später, wenn Alles vorüber ist, dann denkst Du nicht mehr in Groll an mich? Nicht wahr, mein guter, geliebter Mann?"

Roman blieb stumm. Tief erschüttert schloß er das zitternde, schluchzende Weib in seine Arme und küßte ihren blassen Mund. In diesem ersten zärtlichen und aus warmem Herzen kommenden Kusse verhauchte ihm jedes Wort.

Spiridia ließ ermattet ihr Haupt auf die Brust sinken, ihre Wangen rötheten sich höher und in den müden Augen leuchtete ein Heller Strahl von Glückseligkeit. Aber auch sie sprach kein Wort.

Dann trat auch Frau Casimira herein, halb bange, halb neugierig. Ihr erster Blick fiel auf das versöhnte Paar. Spiridia ruhte sanft in Romans Arm, Beider Hände waren innig verschlungen.

Das Gesicht der alten Dame verklärte sich. Endlich war Alles gut und recht, endlich hatten sich ihre Herzen gefunden. Gott sei gepriesen, nun brach ein neues Leben an, nun konnte sie auch ganz ohne Gewissensbisse nach Rom reisen, nun durfte sie sich mit Lust am »Carneval ergötzen, denn Roman war da und wachte mit Zärtlichkeit über seine arme, kranke Frau.

Am nächsten Tage war das junge Ehepaar allein, Frau von Bielinska war abgereist.

Roman pflegte Spiridia mit unermüdlicher Sorgsamkeit, er hatte unzählige kleine Aufmerksamkeiten für sie, welche sie mit Rührung und Dankbarkeit entgegennahm. Alle ihre Wünsche waren ihm Befehle, er trug sie buchstäblich auf Händen und verließ sie keine Stunde, weder bei Tage noch bei Nacht. Sein krankes Weib schien ihm das Kostbarste, was die Welt besaß, sein Heiligthum.

Doch Spiridia wurde mit jedem Tage schwächer und elender, aber sie grämte sich nicht mehr. Sie sah dem Ende mit Ergebung entgegen; Gott hatte ihr den letzten Wunsch er­füllt: sie hatte sich mit ihrem Gatten versöhnt, sie hatte seine Freundschaft gewonnen und durfte noch eine Zeit lang unaus­sprechlich glücklich sein. Nun wollte sie ruhig sterben.

So vergingen mehrere Wochen. Das Wetter war herr­lich, die Natur prangte in unbeschreiblicher Lieblichkeit. Der kleine Kurort schwamm in einer wahren Fluth von Licht und Glanz und durch die warme Luft zog ein süßer Duft von Blumen und Früchten. Und ein Tag schien immer köstlicher als der andere, der blaue Himmel wölbte sich wolkenlos über der paradiesischen Landschaft, das blaue Meer leuchtete in der Sonne, wie mit Millionen funkelnder Brillanten überstreut, und weiße Segel glitten langsam über die glänzende Fläche und noch weißere Möven schwebten darüber hin und badeten sich im goldenen Sonnenschein.

Roman hatte Spiridia in den Garten getragen an den freundlichsten Platz. Dort stand eine große Cypreffe und da­runter eine Rasenbank. Er bereitete ihr aus Kiffen und

Decken ein bequemes Ruhelager und bettete sie sorglich darauf, da sie schon zu schwach war, um aufrecht zu sitzen. Die Krankheit hatte sich sehr rasch weiter entwickelt, es gab keine Hoffnung auf Genesung mehr die arme Frau war rettungs­los dem Tode verfallen.

Roman setzte sich zu ihr und sie schmiegte sich sanft an ihn. Ihre großen, schon halb umflorten Augen schweiften langsam über die schöne Landschaft hin, die vor ihnen aus­gebreitet lag. Der erste rosige Abendschein färbte dieselbe mit Purpur und Gold, und purpurne Wölkchen schwammen am Himmel. Alles rings umher war herrlich und groß, erhaben und schön. Von der Kirche der Madonna della Sedia tönte das Ave-Maria-Läuten herüber und oben im Wipfel des Baumes fang ein Vogel fein Abendlied. Der Tag war zur Rüste gegangen.

Spiridias halb verschleierter Blick schweifte hin und her, er folgte den Wolken und dann wieder den auf- und nieder- gleitenden Fischerbarken auf der blauen Meeresfluth, er ruhte eine Weile aus den hohen Bergen, auf den Palmen- und Olivenwäldern, und haftete dann auf der freundlichen Stadt mit den bunten Häusern und rothen Dächern. Und in ihrer Seele fing es leise zu klingen an, eine Sehnsucht nach dem Leben, nach Jugendfreude, Liebe und Lust erfaßte sie plötzlich zum letzten Male. Sie richtete stch empor, ihre Augen leuchteten auf.

Roman, sieh' die herrliche Welt," sagte sie.Dort das Meer und die schneeigen Kuppen der Alpen. Ach sieh', wie schön! Und rings um uns her die Palmen und Rosen. Wie das duftet und grüßt und winkt I Und in dieser herrlichen Welt, so nahe mir, bist Du, mein Freund, mein Licht, mein Stern! Wie wunderschön ist doch das Ende für mich!"

Sie stützte ihre Hand auf seine Schulter und neigte stch zu ihm.Roman," flüsterte sie.Roman, ich fühle, daß ich sterbe sterben muß. Versprich mir, daß ich hier ruhen darf unter den Rosen und Palmen Mentones, wo ich den Frieden fand."

Ihn übermannte der Schmerz, er warf sich auf seinen Sitz zurück und seufzte laut. Endlich sagte er:Spiridia, mein armes, armes Weib, ich verspreche es Dir!"

Sie nickte befriedigt, dann sah sie ihn lange und unver­wandt an, als wolle sie sein Bild mitnehmen in eine andere, schönere Welt. Plötzlich erbleichte sie, ihr Athem stockte, die müden Augen schloffen sich.

Roman sprang erschrocken auf, kniete nieder und umfaßte mit beiden Armen die fast leblose Gestalt, er weinte und schluchzte vor Angst und vor Schmerz.

Weine nicht, weine nicht," hauchte sie ängstlich.Wenn es doch sein muß, ist es besser, Du trauerst nicht so sehr. Ach, Roman, in Deinen Armen stirbt es stch so schön!"

Ein Lächeln seliger Befriedigung verklärte ihr wachs­bleiches Gesicht. Sie öffnete noch einmal die Augen, ihr letzter halbgebrochener Blick gehörte dem geliebten Manne an.

Roman, mein Freund," flüsterte sie fast unhörbar,es wird dunkel, ich sehe Dich nicht mehr, Roman!" Ihre Stimme erlosch mit seinem Namen. Dann stand ihr Athem still. Sie war sanft und friedlich entschlummert, ohne Kampf und ohne Ringen. Das Sterben war ihr zur Erlösung ge­worden.

Er drückte ihr sanft die Augen zu, heiß und unaufhalt­sam flössen seine Thränen in das stille, blasse Gesicht der tobten Frau.

lieber den Garten breitete sich das Dunkel der Nacht. Der Vogel hatte sein Lied beendet, er hob seine Schwingen und flog über das Meer. Und in den Wipfeln der Palmen flüsterte und raunte es wie leiser Kirchengesang.

* » *

Spiridia war seit einer Woche begraben, unter den Pinien und Palmen Mentones, wie sie es gewünscht hatte. Eine Rosenhecke umschloß ihre Gruft und Rosen in reizender Fülle waren darüber gestreut, auch das schwarze Eisenkreuz, das ihren Namen trug, war mit Rosen umkränzt und die goldenen