114 —
Da vernahm er plötzlich einen leichten, elastischen Schritt auf dem Kies der Gartenwege, und aus dem Dunkel eines Laubganges kam eilig eine Helle Gestalt hervor. Es war Jod- wiaa. Sie hatte einen weißen Bafchlik um Kopf und Hals geschlungen und trug einen kleinen Weidenkorb am Arm. Sie atna rasch, ohne Roman zu bemerken, vorüber, öffnete mit einem Schlüsiel eine kleine, halb vom Gebüsch verborgene Gitterthür und schlüpfte hinaus. Der junge Mann sprang auf und starrte dem Mädchen mit weit geöffneten Augen nach, als hätte er plötzlich einen Geist erblickt. Dann eilte er ohne lange Ueberlegung hinter ihr her und rief ihren Namen. Sie blieb sofort stehen und sah ihn ruhig näher kommen. Doch machte sich eine leichte Verlegenheit bei ihr! bemerkbar.
„Wo willst Du denn noch hin, — so spät, so allein? fragte er. „Er ist Mitternacht vorbei und zu dieser Zeit darfst Du den Edelhof nicht mehr verlassen. Der morgigen । Fester wegen treibt sich allerhand fremder Volk auf der Land» straße umher-« tmm mid) wehren, wenn mir Jemand
zu nahe kommt, und ein paar flinke Füße habe ichauch, um davon zu laufen, wenn es schlimm wird- Ich muß heute noch in die Stadt, um nach dem Vater zu sehen und bleibe die Nach |geg nach Czenstochau ist unsicher und die Nacht dunkel, ich werde Dich begleiten, Jabwiga," entgegnete schnell
Dar werden Sie hübsch bleiben laffen, Pan Roman," fiel ihm ebenso rasch dar Mädchen in'r Wort- „Als ob ich mich fürchtete! Ich bin den Weg so ost gegangen, daß ich ihn mit geschloffenen Augen finden kann. Und dar fremde Volk? Pah, nach dem frage ich nicht viel!"
Sträube Dich, so viel Du willst, ich gehe dennoch mit! Ich will doch einmal sehen, ob Du er mir wehren kannst, rief Roman aus. Die Röthe des Unwillens schoß »hm M »n
Zorizo nur ü kelnde Blick host Willen und ö Erde,
absche und 5
»rocht
daß 5 mit g fest
legte Arm schlai er tu ihr i währ ganz
als Beg gesi Dill rechr
„Hu Pai heil sche Eve so < plös Str
z°g
sich noi
W
Di ich spr wi! Ge wa Di riti mi un ich sp> zu Fe ab ist
© M
«e P
K
^^^Comtch^Spiridia, welche bei Tische kaum ein Wort ge- I ; svrochen hatte, begab sich an ein offener Fenster, ließ sich dort I auf einen Sessel sinken und blickte eine Zeit lang träumerisch in'r Riete Dann schloß sie die Augen, sie schien zu schlafen- I “ San * an «’nem anbeten gengr W- ®= bleit sich ganz still und horchte auf dar Rauschen der alten I Lindenbäume, in deren Blättern der Nachtwind sein loser Spiel begann. Sein Blick schweifte über den Garten hinaus in die I mondbeglänzte Ferne und dann wieder zum blauen, mit Sternen | bedeckten Himmel. Er war eine wundervolle Nacht, in der I Fliederhecke schmetterte die Nachtigall ihr Lied, süßer Blumen- | duft erfüllte die Luft, welche so rein und klar war, daß man deutlich die wie silbernes Gewölk emporragenden Berghohen der Karpathen erkennen konnte. Die ganze Natur war heute 1 von Schönheit, Harmonie und Frieden erfüllt.
Drüben vom Dorfe her tönten jetzt Bruchstucke eines von I klangvoller Mädchenstimme gesungenen Volksliedes zu Roman hin. Er lauschte mit angehaltenem Athen». Es war eine I traurige Melodie, denn der Pole kennt keine frohen Lieder. I cfo seinen Gesängen liegt eine tiefe, leidenschaftliche Klage, | eine unendliche Melancholie, welche am bereitesten den Schmerz verräth, welcher seit langen Jahren bte Herzen dieses Volkes erfMt Der schöne Vers von Mickiewicz: „Vaterland dernen Werth nur erkennt, wer dich verloren!" ist hier zur erschüttern« I ben nmrd/später,^ der Gesang war leise verhallt, die Mondsichel verschwand allmälig und säumte nur noch nut silbernen Streifen ein paar Federwolken, die (angfam am I
vorüberschwammen. Die Edelfrau und ihre Gäste faßen noch immer beim Whist, sie wendeten keinen Blick von den Karten ab zählten ihre Stiche und lachten, ereiferten und zankten sich. Die Comteffe gab keinen Laut von sich, sie war ermüdet von der Reise und nun hielt tiefer Schlaf sie umfangen-
1 Roman verließ leise das Zimmer, Niemand bemerkte es- Er eilte in den Garten und ließ sich dort auf einer Ruhebank nieder- Tausend Gedanken durchkreuzten seinen Kops und ein Wirbel der widerstreitendsten Empfindungen erfaßte feine Seele. Ein liebreizendes, blondes Weib mit blauen Veilchenaugen ivielte die vorherrschende Rolle darin. Und er liebte dieses Weib mit verzehrender Gluth, mit mühsami beherrschter Leidenschaft. Aber sie war unerreichbar für ihn — er durste sie niemals die Seine nennen, denn Rang und Stand, Verhalt niffe und Vorurtheile schieben sie ewig von »hm. Und trotz alledem verlangte auch das Herz sem Recht. Der Mge Edel- mann preßte beide Hände gegen bie Schläfen, denn bas Blut klopfte ihm stürmisch dagegen- Wie er auch grübelte und f am», er fand keinen beglückenden Ausgangspunkt, und Vernunft und Gewissen begannen sich zu verwirren.
Alles wie bei Jener! Das ist wirklich etn seltenes Spiel der Natur! - Wo stammt bas Mädchen eigentlich her?
Du lieber Gott, wer das wüßte!" versetzte Frau von Bielinski. „Sie hat Niemand auf der Welt als mich und einen halb verkommenen Trunkenbold von Pflegevater, den sie jedoch für ben eigenen hält. Sie ist nämlich em Ffsidelünd, | stammt wahrscheinlich von Zigeunern her obgleich sie blond ist- Ich habe mich trotzdem des armen, verlassenen Wurmes an genommen, ließ sie in die Schule gehen und von den .frommen Schwestern, den Urfulinern, in allen feinen Handarbeiten aus« bfiden- Ja, Ich that sehr viel für bie Jabwiga, sorgte wie eine Mutter unb brachte ihr viele Opfer!" Die Pan» hielt gttührt M Sprechen inne unb blickte feuchten Auges ttngs im Kreise herum. Magd, welche die Meldung brachte, daß das Souper angerichtet sei, gab der Unterhaltung eine andere Wendung. Die Herrschaften begaben sich tu den Speise«
nnd letzten sich zur Tafel- Man aß, trank und plauderte in zwangloser Weise- Nach dem Dessert rauchten die Herren eine feine Havannah, die Damen paifümirte P'^^are ten. Darauf wurde der Spieltisch bereit gestellt und der Graf, ferne Gemahlin und Frau von Bielinski setzten sich zum Whist. Sie waren bald so eifrig damit befchäftigt, daß sie alles Andere
Jadwigas blaue Augen hefteten sich voller Unruhe auf sein Gesicht. „Ach, Pan Roman," sagte sie hastig und lei e, als würde es ihr schwer, die Worte zu sprechen, „bleiben sie, bitte, bei Ihren Gäsien, bie Sie ungern vermissen werden! Meinetwegen machen Sie sich keine Sorgen!" Sie hatte ihren Gang beschleunigt und war immer einige Schritte vor ihm voraus. Sie bemühte sich sichtlich, aus feiner Nähe zu ommen. Dabei wandte sie ihr Köpfchen von,hm ab, damit er ihr An litz nicht sehen konnte. Das empörte »hn, er war fest ent schloffen, nun erst recht seinen Willen geltend zu machen.
sag- Dir, Jadwlga," rief er mit Ungestüm, „ich welche ckcht von Deiner Seite, ob Du es willst oder nicht, un» ich kehre nicht eher nach Lygotta zurück, bis ich Dich sicher zu Deinem Vater geleitet habe. Ich werde Dich zwingen, I meinen Schutz anzunehmen, denn es ist reine Laune von Dir,
Jadwiga wendete langsam ihren Kopf herum und Romans Blicke hingen mit geheimem Entzücken an den blauen Augen (lernen die jetzt groß unb voll zu ihm au’gefdjlagen, mit feit Samern Ausdruck in bie seinen schauten- „Wenn Sied E bestehen," erwiberte sie schüchtern, „so muß ich Ihre Begleitung schon annehmen, beim Laune habe ich nicht! Aber wenn ich I bitten bars, Pan Roman, so gehen wir rasch, es ist spät uno I „Wie es Dir beliebt! Ich werde Dich so oder so - doch I aus jeden Fall sicher nach Hause bringen! Mache es ober mj zu eilig, Du mühst Dich ja förmlich ab, um weiter zukommn I Laß mich auch Deinen Korb tragen, er scheint zu schwer I« I „Nein, nein, danke," erwiderte sie- „Ich bin an noch I größere Lasten gewöhnt!" . }fir.
Aber Roman nahm ihr ohne em weiteres Wort ihre I Bürde ab unb sie fügte sich, wenn auch mit offenbarem W I ft Sie gingen eine Zelt lang still unb schweigsam neben einander her. Das Dunkel der Nacht hatte bte ganze Lm ! schäft mit grauen, gespenstischen Armen umfangen uno


