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Samstag, den 10. März

Die Wallfahrt nach Czenstochau.

Roman von Johanna Berger.

(Fortsetzung.)

Während dieser Zeit stand Jadwiga stumm an ihrem Platze Ihre ernsten Augen hingen mit seltsamem Ausdruck an Spiridias Antlitz, das sich wie mattes Elfenbein von den blauschwarzen Haaren abhob. Und war es eine magnetisch zwingende Kraft, die in ihren Blicken lag genug, der Com- teste herabgesenkte Lider hoben sich und ihre Augen glitten zu« erst apathisch über die fremde Mädchengestalt, bis sie sich voll und tief in Jadwigas blaue Sterne senkten, so tief, als wolle sie in die Seele derselben hinabtauchen. Doch nur einen Mo­ment, dann sanken ihre Wimpern wieder herab und verschleier­ten den Blick. t

Da tönte plötzlich die schrille Stimme der Edelfrau dicht an Jadwigas Ohr.Jesus, was stehst Du noch immer hier? Ist es Dir vielleicht gefällig, Dich um unser Souper zu küm­mern I Er gibt noch Endivien zu verlesen I Oder ist das gnädige Fräulein zu vornehm dazu?"

Michalina hatte ihren Rapport gemacht, das war klar. Tief beschämt verließ das Mädchen das Zimmer. Im Vestibül traf sie mit Roman zusammen. Er blickte ihr forschend in das lebhaft geröthete Gesicht, denn ein paar große Thränen hingen ihr an den Wimpern. Aber sie wandte sich schnell ab, damit er sie nicht sehen sollte, und verschwand in der nächsten Thür.

Der junge Edelmann sah ihr kopsschüttelnd nach, dann schritt er langsam vorwärts, um den Gästen den Willkommen­gruß zu bieten. Und er that es mit der Höflichkeit eines echten polnischen Cavaliers, welchem Gastfreundschaft auszu­üben ein Gebot der Ehre ist. Er neigte sich so tief und so ehrfurchtsvoll über die Hand der Grästn Antonia, als berühr­ten feine Lippen die Hand der Zarewna. Darauf machte er auch der Comteffe seine Verbeugung, umarmte den Grafen und küßte ihn dreimal auf Mund und Schultern.

Gräfin Antonia blickte Roman freundlich in das frische, braune Gesicht.Wie blühend Sie aussehen!" sagte sie in elegantem Französisch.Die Landluft ist Ihnen sehr zuträg- lich gewesen, denn in Wilna war Ihre Gesundheit nicht die stärkste. Wir haben Sie recht vermißt, lieber Roman, mein Mann und ich gedachten Ihrer unzählige Male, denn wir be­sitzen ein treues Herz und vergessen unsere Freunde nicht! Darum ist es uns auch eine ganz außerordentliche Freude, Sie endlich einmal wiederzusehen! - Unsere Spiridia werden Sie

kaum noch kennen. Drei Jahre sind eine lange Zeit und die Kleine ist seitdem herangewachsen I Komm' doch her und gib Roman die Hand, Liebchen. Thue doch nicht so entsetzlich schüchtern- Er muß sonst denken, Du bist ein kleines dummes Ding vom Dorfe und nicht in Paris erzogen!"

Das junge Mädchen erhob sich und kam langsam näher - Die müden schwarzen Augen streiften einen Augenblick Romans Gesicht, dann streckte sie ihm halb zögernd ihr schmaus Händ­chen entgegen, das er flüchtig an feine Lippen zog- Ein paar verbindliche Worte, welche er an sie richtete, beantwortete sie nur mit einem leisen Ja oder Rein-

Die kleine Gesellschaft ließ sich nun an dem reich besetzten Theetisch nieder. Pavel besorgte den Samovar. Er verrichtete sein Amt aber mit großem Ungeschick. Er stieß alle Augen­blicke etwas um, goß die Gläser zu voll und warf eine Crystall- schale mit Backwerk auf den Teppich.

Die Edelfrau sah es mit Entsetzen.Was machst Du denn, was fällt Dir ein, bist Du blind?" rief sie ärgerlich aus. Dann entschuldigte sie sich bei der Gräfin.Ich bin untröst­lich über diese schlechte Bedienung, aber Jadwiga, welche sonst den Thee servirt, hat heute keine Lust dazu. Sie capricirt sich nämlich darauf, zuweilen die Dame zu spielen und das ist geradezu lächerlich! Findest Du es nicht auch, Roman?"

Ich nein!" war seine rasche Antwort.

Richt? - Freilich, Du bist immer die reine Geduld und Nachsicht ihr gegenüber, aber an mich denkst Du dabei nicht! Du müßtest jetzt zu ihr gehen, ihr den Kopf zurechtsetzen und sie zu ihrer Pflicht zurücksühren! Du weißt doch, daß ich immer nervös werde, wenn Pavel lange im Zimmer ist! Er isi so schrecklich unbeholfen und riecht beständig nach Zwiebeln. Aber Dir ist Alles egal!"

Roman wollte auffahren, denn die kindischen Anklagen seiner Mutter empörten ihn. Doch er beherrschte sich und ver­suchte die heftige Erwiderung, die schon auf seinen Lippen schwebte, zu unterdrücken.

Dabei kam ihm die Gräfin zur Hülfe, welche die Frage auswarf, ob Jadwiga das junge Mädchen sei, von dem sie bei ihrer Ankunft empfangen worden wären.

Gewiß war sie dar und es ist wirklich unbegreiflich, daß sie jetzt nicht kommen will! Aber sie thut immer, was ihr ge­fällt, denn Roman hat sie zu sehr verwöhnt!"

Die Kleine ist ein entzückendes Geschöpf," sagte der Graf. , Sie erinnert mich auf das Lebhafteste an eine junge deutsche Dame, die einstmals meinem Herzen sehr theuer war- Es ist wunderbar, wie ähnlich sie ihr ist! Dasselbe Haar, dieselben Augen, der Gang, die Gestalt, die Schönheit, der Liebreiz,