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Eine Kleinstadt in Amerika-
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Der weitgereiste L. v. E. erzählt über die kleinen Städte im fernen Westen, speciell über Louisville in Alabama, recht Interessantes: Unser L . . . gehört nicht zu jenen Eintagsfliegen, die, durch irgend eine Speculation hervorgerufen, zuweilen gänzlich wieder vom Erdboden verschwinden; es wurde schon vor 10 Jahren gegründet und ist die Hauptstadt des County und in Folge dessen Sitz der Behörden. Optimisten geben die Einwohnerzahl auf 15C0 an, minder optimistisch Dreinschauende auf 1000; über die Hälfte der Bevölkerung ist deutscher Abkunft. Trotz des entschieden vorherrschenden Deutsch- thums herrscht aber großer Unterschied zwischen unserem amerikanischen und einem deutschen Landstädtchen. Ersteres bietet viel mehr. Wir haben in unserem Nest drei Doctoren und
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» Bleibst Du lange oben?" frug Joseph.
„Eine Woche gewiß!"
„Komm doch eine Weile in unsere Stube, Loni!" bat Joseph.
„Ich darf nicht, Joseph, der Vater hat es verboten I"
„Er sieht es nicht, Loni!"
„Aber sein Fluch träfe mich, erführ er es 1"
„Ungerechte Flüche hört Gott nicht, Loni!" schallte da plötzlich die Stimme von Josephs Mutter dazwischen. , Komm ruhig herein, meine Tochter; seit dem Tag, wo sie - meinen Mann tobt vom Walde heimbrachten, hab' ich solchen Kummer nicht gehabt, wie jetzt über meinen Joseph, und daß Dein Vater ihn vom Rosenhof getrieben hat!"
„Ach, ich bedauere es am meisten, Mutter Anna," schluchzte Loni, „mir ist ja darüber oft zum Sterben zu-Einn!"
Dabei brach sie in ein heftiges Schluchzen aus, daß Mutter Anna genug zu thun hatte, den heftigen Ausbruch des Schmerzes bei dem Mädchen zu stillen.
„Ja," begann Loni dann wieder, „nun soll ich Dich auch nicht mehr heimlich sehen und sprechen, das hat mir bet Vater bei seinem Fluch geboten. Was fangen wir nun an?"
»Sei gehorsam, Loni," meinte darauf der gutmüthige Bursche, „wir denken desto mehr aneinander; vergessen werden wir uns in alle Ewigkeit nicht!"
„Rein!" entgegnete sie.
„Run will ich Dir noch ein Stücklein Wegs den Korb tragen und Dich begleiten. Es ist das letzte Mal! Habe zwar eine Bestellung, aber das Mütterle kann mich zurückruien, wenn sie kommen! — Hier, Mutter, da ist der Stutzen, er ist geladen. Weißt ja Bescheid damit,. schieß' ihn ab, wenn ich zurückkommen soll."
„Adje, Loni!" sagte die alte Frau.
„Adje, Mutter Anna!" erwiderte das junge Mädchen.
Joseph und Loni gingen davon.
„Ich soll nämlich heute," fuhr Joseph int Weitergehen fort, „einen Prinzen führen, denk' Dir, einen Prinzen, der in ausländischen Diensten General ist. Er ist jetzt auf Hoch- Schwengau, wo er halt herrlich beim König speist. Dann will die Gesellschaft nach Fissen und dabei eine Bergtour machen, wobei ich den Führer abgeben soll!"
„Also einen Prinzen sollst Du führen? Da wirst Du wohl ordentlich stolz, Joseph!"
„Ach, red' nicht so, Loni! Als Soldat hab' ich vor Belfort einen Kameraden gehabt, das heißt einen Herrn Offizier, der war auch ein Prinz, dem königlichen Haufe ganz nahe verwandt, der hat oft meine Hand gefaßt und gesagt: Unteroffizier Ropp, bleiben Sie an meiner Seite und sagen Sie mir Bescheid, wenn es eine Gefahr gibt, die ich nicht sehe."
„Run steh' Eins diese schöne Geschichte. Und die hast Du mir nie erzählt?" schmollte Loni.
„Es ist aber doch wahr!" betheuerte Joseph. 1 (Fortsetzung folgt.)
des Vaters. Auf Wochen, vielleicht auf Monde konnte ja sie dann fort von Haus und Hof, wo Alles sie an Joseph gemahnte, den sie für immer verloren zu haben glaubte. Loni's Vater aber fuhr fort: „Mach' Dich bereit und geh' nach dem Essen gleich hinauf auf die Alm! Kennst ja Wege und Stege. Sorge gut für's Vieh. In wenigen Tagen komme ich selbst und sehe nach, wie es oben geht. Wegen Doktor und Apotheke für die kranke Vroni da schicke den Ramsauer herab, er ist stink und treu!"
Loni nickte beifWg und sagte: „Du sollst zufrieden mit mir sein, Vater!"
Mit diesen Worten verschwand sie im Hause.
Der Bauer ging die halbe Treppe in fein „Rechenstüb'l", wie er’« nannte, hinauf, wo er sich aufhielt, wenn er allein sein wollte, feine Bücher führte, schrieb und rechnete. Nachdem er die Thür sorgfältig verschlossen, trat der Rosenbauer vor einen bkank polirten Schrank, schloß ihn mittels eines Schlüssels, den er in der Brusttasche trug, auf und zog dann aus einer Ecke einen nagelneuen prächtigen Stutzen hervor.
„Es ist ein prächtiges Gewehr, und wie weich der Knall ist!" flüsterte der Rosenbauer. „Hm, Pfilzer, du einfältiger Grünrock, jetzt sollst du wohl vergeblich lauschen. Das letzte Mal, da war's freilich schlimm l Aber noch schlimmer war's doch dazumal, als sie mir auf dem Küchel auf dem Halse waren und ich mit dem Wagen die gewagte Fahrt den Berg hinunter machte. Puh! Die Pferde wurden wild und gingen durch. Wär' der Joseph nicht gekommen und hätte wie ein Riese die Pferde gepackt, da wäre ich wohl tobt im Straßengraben liegen geblieben- Ach, der Joseph I O, wär' er doch ein Bauer und meines Gleichen, weiß (Sott, er sollte die Loni haben; aber so I Und er kommt auch nicht und fragt nochmals an! Er ist viel zu stolz! Na meinetwegen I — Heute Abend muß ich es besonders schlau anfangen. Der Grüne lauert, das ist gewiß. Jetzt fahre ich bis Fissen, da merkt man gar nichts, dann stelle ich die Rappen, die Blitzthiere, mit dem Wägelchen ins Gehölz. Dann geh ich von da über den Kegel. Als ich gestern spürte, — haha, ohne Büchse, wenn sie mich etwa witterten — da hatte ich gleich seinen Wechsel! Muß ein kapitaler Kerl sein, der Hirsch! Na, warte Bursche, bis heute Abend! Der Mond steht auch nicht allzu hoch!"
Der Rosenbauer stellte den Stutzen wieder in den Schrank und schloß ihn sorgfältig ab. Dann stieg er die halbe Treppe wieder hinab ins Wohnzimmer hinunter.
Das Mittagbrod war dort eben aufgetragen. Frau Elisabeth sprach das Tischgebet, wie es seit hundert Jahren im Rosenhof Sitte gewesen und man nahm lautlos das Mahl ein.
Der Bauer gab dann einige Aufträge für die Knechte, dann wünschte er „gesegnete Mahlzeit" und ging in die Kammer, um einen langen Schlaf zu thun. Gegen Nachmittag hieß er die Rappen anschirren und bemerkte gegen seine Frau, daß er in die Stadt müsse. Im Wagenkasten aber steckte schon Jagdtasche, Stutzen und Pulver nebst Blei.
Nicht vergeblich hatte Pfilzer, der Oberjäger, voll Hasses schon tagelang den Rosenhof umlauert. Als er aus dem Gebüsch heraus den Wagen des Rosenbauern vorfahren sah, murmelte er: „Aha, alter Fuchs, für uns bist Du noch nicht schlau genug I" Der Jäger rannte dann eiligst zurück ins Gehölz.
• ♦
Es war gleich nach Mittag, als Loni, einen Korb auf dem Rücken, Schwengau verließ, um auf die Alm zu gehen. Ihr Weg führte dabei am Ropp'fchen Häuschen vorüber. Schon von weitem sah sie Joseph auf dem Stein vor der Thür sitzen, als warte er auf Jemand. Als er nahende Tritte hörte, sprang er auf und die Freude röthete fein Gesicht, wie er unerwartet Loni vor sich sah.
„Grüß Gott, liebe Loni, wo willst Du hin?" frug er freundlich.
„Auf die Alm will ich. Die Sennerin Vroni ist krank geworden; da hat der Vater mich geschickt!"


