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sie doch dem Joseph nicht! Nein, nun erst recht nicht! Die Ehr' hat auch ihre Rechte!"

Er ging gedankenvoll über den Hof in den Stall, in welchem sechs wohlgepflegte Pferde standen. Kaum öffnete er aber die Thür, so schoß eine dunkle, zerlumpte Gestalt aus einer Ecke empor und fuhr auf das offene Fenster der gegen« überliegenden Wand zu. Zuspringen und den Strolch packen, war sür Martin Straffer das Werk eines Augenblicks. Voll Zorn schüttelte er jetzt den Kerl, riß ihn auf den Hof an dar Tageslicht und erkannte in ihm einen der Zigeuner, die sich feit dem Maischießen in der Gegend herumgetrieben hatten.

Strolch, was hast Du hier zu schaffen? Gesteh'-, was hast Du mit den Gäulen gemacht?"

Der Zigeuner war eine kleine, schmächtige Gestalt, die den Riesenkräften des breitschultrigen Rosenbauers nicht zum zehnten Theile gewachsen war. Er wand sich unter den würgenden Griffen seines Gegners und sprudelte endlich die Worte heraus:Gigo ist ein ehrlicher Zigeuner, haben nix gestohlen, haben nix gemacht, wollen nur schlafen im Schatten!"

Du Satan, da hättest Du in den Wald gehen können!" Gigo will nicht kommen wieder in Hof, laß Gigo gehen zu Leuten seinigen!" zeterte der Zigeuner.

Ja, wenn Du Deine Lection hast, Spitzbub'!Huber, meine Peitsche!" erklärte der Rosendauer kaltblütig.

Huber war der neue Knecht, der auf dem Hofe schaffte.

Laß Gigo gehen, schimpfir ihn nicht, hat er doch Blut von Königen in den Adern; nicht schlagen, nicht schlagen!" flehte der Zigeuner.

Lügensack I Von Königen hättest Du Blut in den Adern? Du meinst wohl den Kartenkönig, Du Strolch! Du sollst mein Vieh nicht stehlen!"

Gigo sein unschuldig, mach' ihn, nicht verachten unter Volk seinigem, daß sie aurstoßen ihn und werfen ihn mit Staub I Richt schlagen I" '

Huber, die Peitsche! Recht so!

Und nun hörte man das Geschrei des Aermsten, auf welches Loni und Frau Elisabeth herbeieilten.

Martin, Martin, laß den Bengel laufen!" rief Frau Elisabeth,laß ihn laufen oder übergieb ihn dem Gerichte. Was hat er gethan?"

Der Rosenbauer ließ sich aber nicht stören, bläute den verdächtigen Burschen gründlich durch, dann ließ er ihn lor, worauf dieser mit Pfeiles Schnelle davon lief.

Am Thore rief der Zigeuner dann noch dem Rosenbauer zu:Gigo verflucht Dich, Hab und Gut Deinige» soll ver- brennen mit Feuer, Kinder Deinige sollen sterben, Du sollst schmachten nach einem Trank, und der klare Born hier soll versiegen!"

Der Bauer hörte mit Grauen den Fluch des fliehenden Zigeuners, und er schien seine jähzornige Thal zu bereuen, zumal ihm auch seine Frau darüber Vorstellungen machte. Aber schließlich erklärte er kurz:Ich nahm eben selbst mein Recht! Wozu erst nach Schulz und Richter senden; selbst der Mann ist das Richtige!"

Frau Elisabeth seufzte nur und ging in das Haus.

Was ist denn aber heute nur los?" murmelte der Bauer. War der Mann, der da jetzt zwischen den Tannen die Alm herabstieg, nicht der Ramsauer, der Viehknecht?

Ja, er war es, und der brachte doch gewiß auch eine Hiobspost. t m ,

He, was ist passirt, Ramsauer?" rief ihm der Rosen­bauer zu. , , ,

Die Sennerin Vroni liegt oben auf der Alm todtkrank, Bauer!" antwortete der Mann.

Auch das noch! Was fange ich an?"

Schicke doch Deine Loni; es ist ein geschicktes Mädchen in der Sennwirthschaft I"

Der Bauer schlug sich vor den Kopf.

Gehe in die Küche, Ramsauer, erquicke Dich, und dann gehst Du hurtig zurück! Die Loni sende ich schon zum Nach­mittag! Loni, Loni!" L, _ .

Diese hörte mit großer innerer Befriedigung bie Worte

Sie setzten sich auf die Bank.

Rosenbauer," begann der Jäger,was ich mit Euch zu besprechen hab', braucht Keiner zu hören."

Redet nur, vor meinem Weib' hab' ich keine Ge­heimnisse."

Es ist aber doch halt besser, wir besprechen die Sache allein!" meinte der Forstbeamte.

Frau Elisabeth ging, darauf in das Haus.

Nun, Herr Oberjäger, was ist Euer Begehr?" frug der Bauer.

Ihr habt mich neulich wegen meines guten Rathes tüchtig angeschnauzt."

Hm, hm," brummte der Rosenbauer und that, als wenn er den Jäger nicht verstände. e ,

Ich weiß aber, was ich weiß: Ihr wildert doch in unserem Revier."

Der Bauer lachte höhnisch.

Ihr mögt'», ich will'» nicht sehen!" bemerkte der Ober- jäger listig.

Sehr gnädig, und dafür verlangt Ihr?"

Die Hand Eurer Tochter Loni. Meinen Schwiegervater werd' ich doch nicht zur Anzeige bringen."

Der Rosenbauer stand auf und rief zornig:Und Ihr, grüner Lümmel, wagt es, mir das auf meinem Grund und Boden so in das Gesicht zu sagen? Potz Tausend I Daß Euch das Donnerwetter 1 Wollt Ihr hinaus aus meinem Hof, oder soll ich Euch mit Hunden hinaus hetzen?"

Der Jäger hatte sich schon erhoben und sagte:Ich geh, über für die Schänd' sollt Ihr mir büßen, verlaßt Euch d'rauf 1 Krieg ich Euch bei dem Pürschen, dann sei Euch Gott gnädig!"

Der Jäger schritt darauf zum Hof hinaus.

Kaum hatte sich der Jäger entfernt, so erschien Frau Elisabeth. Sie war weiß wie Schnee und fragte mit leiser, bebender Stimme:Martin, ist'» wahr, daß Du wilderst?"

Der Rosenbauer brummte etwa» in den Bart, dann ging er, ohne feiner Frau Rede und Antwort zu stehen, in'» Haus-

Seine Frau folgte ihm niedergeschlagen nach.

IV.

Du warst mir ein gar trauter, lieber Geselle, komm, du schöner Tag, Zieh' noch einmal an mir vorüber, Daß ich mich deiner freuen mag.

Lenau.

Der Rosenbauer war augenscheinlich in schlechter Laune, trotz de» prachtvollen Junimorgens, der über der schönen Land­schaft lachte. Er brummte fortwährend über dieses und jenes, so daß ihm Alle scheu auswichen. Jetzt bekam er Loni zu Gesichte und sofort rief er:Loni 1"

Was wünschst Du, Vater?" entgegnete diese und trat näher.

Wie sah das arme Mädel vergrämt aus! Ihre Wangen waren welk und blaß, ihr ganze» Aussehen krankhaft. Der Rosenbauer sah sie voll Mitleid an und sagte: «Loni, wenn Du den Peter Rößler, de» Stadelbauers Sohn, nicht magst, so brauchst Du ihn nicht zu nehmen; zwingen will ich Dich nicht!"

Dank' Dir Vater; Du weißt, ich lieb' halt nur Einen!" flüsterte das junge Mädchen. r _ L ,

Den ich Dir nicht geben kann, das mußt Du doch ein« sehen, Loni! Die Erbin vom Rosenhof und ein Knecht, die passen halt nicht zusammen!"

Sie seufzte und ging.

Loni!" rief der Vater nochmal».

Sie kehrte gehorsam um- , ,

Du siehst den Joseph heimlich; ich will'» nicht!" sagte der Bauer befehlend.Denk daran 1 De» Vaters Segen baut den Kindern Häuser!" , , ,, .

Ich will'» versuchen, Vater, ob ich e» aushalte, ihn nie mehr sehen zu können I"

Nun ließ er sie gehen. Dabei brummte er in sich:Es ist ein gute» Mädel, das weiß Gott! Aber geben kann ich