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Der Rosenhof
Novelle von C. Western.
„Was ich darüber gedacht habe, will ich Dir sagen: Sieh, Loni, es ist jetzt die beste Reisezeit, es sind viele Fremde in der Gegend, die Führer brauchen. Die werden gut bezahlt. In der Gegend kenn ich mich aus, wie in meinen Taschen, klettern kann ich auch, also will ich Fremdensührer werden. Verdien' ein gut Stück'l Geld, und — die Zeit geht mit hin."
„So ist's Recht!" sagte Loni. „Die Mutter ruft, leb' wohl!"
Das junge Mädchen fiel ihm um den Hals, dann war fie verschwunden.
Als Joseph den schweren Koffer leicht wie eine Feder aus der Kammer trug, da kam auch Frau Elisabeth und rief ihm tröstend zu: „Joseph, wir sehen Dich wieder. Hoff' auf Gott!"
Er konnte ihr zum Abschiede nur winken, dann verließ er den Rosenhof.
Der Rosenbauer ging aber in dieser Stunde wirr umher; er machte sich Vorwürfe und wollte es sich doch nicht gestehen, daß er unrecht gehandelt.
In der nächsten Zeit kam der Stadelbauer öfter in den Rosenhof und saß flüsternd bei dem Rosenbauer im heimlichen Gespräche. Dann erschien er eines Tages wieder mit einem großen Blumenstrauß und im Sonntagsstaat und hielt in aller Form um Sonte Hand für seinen Sohn Peter an. Frau Elisabeth sagte gar nichts. Martin Straffer sagte ja, Loni aber setzte der Werbung ein so lautes und festes Nein entgegen, daß der Stadelbauer nach fünf Minuten mit einem vor Wuth kirschrothen Gesicht wieder aus dem Rosenhofe ging.
„Hochmüth'ges Geschöpf," schrie er dabei, „Du sollst wohl noch demüthtg werden! Paß nur auf!"
Am Nachmittage des selbigen Tages saß Martin Strasser unter der riesigen Hainbuche und schmauchte vor seinem Hofe aus der Meerschaumpfeife mit Silberbeschlag. Frau Elisabeth hatte auf der Bank hinter dem Tische mit einem Nähzeuge Platz genommen, Loni aber arbeitete unter Thränen in Küche, Keller und Stube. _ t ,
Da kam Jakob Pfilzer, der Oberjäger, des Wegs daher auf den Rosenhof zu. Der Bauer guckte weg auf die Quelle, die vom Eingang des Hofes links aus dem Felsen sprudelte, und der Stolz des Gutes war. Der Jäger kam aber trotzdem direct auf den Rosenhof zu und rief: „Grüß Gott, Rosen« bauer I"
„Müßt' nicht, was Ihr hier zu schaffen hättet," bemerkte der Rosenbauer ablehnend.
„Und doch ist's so. Ist's erlaubt, näher zu treten?"
„Wenn's fein muß?"
„So kommt herein "
(Fortsetzung.)
„Es ist besser, Joseph, daß Du es nicht gethan hast, ich brauchte es Dir dann auch nicht abzuschlagen," erwiderte der Rosenbauer kaltblütig.
„Das hättest Du gekonnt?" frug Joseph mit Entsetzen im Antlitz.
„Wie heut'! G'rad deßhalb mußt Du fort. Die Leute hänseln mich bereits, daß ich meine Tochter einem Knechte an den Hals werfe, und das kann ich, der reiche Rosenbauer, nicht dulden!"
„Und um der Leute elendes Gerede willen willst Du uns unglücklich machen?" frug Joseph wie beschwörend.
„Ich muß!" sagte der Bauer stöhnend.
„Du mußt nicht, wenn Du nicht willst. Vor vierzehn Tagen hättest Du anders mit mir gesproch'n, aber heute! Na, ich hab' ja den dummen Streich gethan und Dich abgeschoffen. Es war aber Zufall, nicht Absicht!"
Der Bauer wurde roth und erwiderte: „Glaub' nicht, daß es darum ist, Joseph 1 Ich hab'« schon vorher gesagt." „Kannst Du Dein Wort nicht ändern, Bauer?" fragte Joseph flehend."
„Nein, Joseph, ich hab's geschworen beim Blut Gottes. Eher mag der Brunnen im Felsen vor dem Hofthor versiegen, ehe ich mein Wort zurücknehm'!"
„Leb' wohl, Bauer 1" sagte jetzt Joseph kurz und stolz.
„Nimm Dein' Lohn und geh' in Frieden!" rief ihm dieser nach.
„Das thue ich, mag es Dich nicht gereuen. Leb' wohl!"
Joseph schritt nach seiner Kammer, um seine Sachen zusammen zu suchen.
Frau Elisabeth und Loni waren nirgends zu sehen. Die Thränen perlten dem treuen Burschen aus den Augen in den Koffer hinein, in dem er seine Sachen packte. Da fühlte er plötzlich zwei weiche Arme um seinen Hals und eine zitternde weibliche Stimme flüsterte: „Joseph, Joseph, ich bleib' Dir treu; glaub's, ich nehm' halt keinen anderen Mann. Hoff' das Beste, des Vaters Sinn kann sich noch ändern!"
„Loni," erwiderte Joseph weich, „Du bist mein Alles, ich seh' Dich wohl noch zuweilen heimlich. Du hast Recht, Gott wird's noch wohl machen!"
Sie hatten sich aus den Koffer gesetzt und Loni fragte: „Was willst Du nun anfangen?"
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Nr. 17.
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