Ausgabe 
9.8.1894
 
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Am nächsten Tage hörte ich, daß er tobt, daß er einem I ich hier bin, wird er von einem Anderen bewacht, verlaffen geheimnißvollen Verbrechen zum Opfer gefallen sei. Sie sich darauf; er kann keinen Schritt machen, ohne daß ich

Mein erster Gedanke galt den Documenten. Ich sagte | es weiß."

mir, daß jetzt Alles bekannt werden müsse ... man mußteWissen Sie also, ob er den Check auf 50,000 Gulden ja die Papiere bei ihm finden. r bereits eingelöst hat?"

Aber merkwürdiger Weise blieb Alles still. Ich wußteHerr, diese Sache hat mich eigentlich erschreckt"

genau, daß Wolski die Documente bei sich gehabt. ZuletztWieso?"

kam ich zur Ueberzeugung, daß der Thäter sie an sich genommenDie Summe ist sehr groß. Herr Gott, wenn ich das

habe und früher oder später zu mir kommen werde ... ein I früher gewußt hätte." Bei diesen Worten sprang er vom neuer Dränger, ein neuer Störer meiner Ruhe ... Sessel auf und begann im Zimmer auf- und abzugehen.

Kurz darauf wurde Jvanyi verhaftet. Er ist glücklicher IAlso war er in der Bank?"

Weise freigesprochen worden - er war unschuldig. JetztJawohl - leider I Gestern um drei Uhr Nachmittag-

weiß ich es. Ich wurde wieder ruhiger. I war er dort

Vor drei Tagen sollte ich wieder an die AngelegenheitZum Kuckuck," rref der Advocat verdrießlich,wenn man erinnert werden. Ein Freund Wolskis erschien bei mir I ihm den Check honorirt hat, dann ist er über alle Berge.' Robert Morland. Er bot mir jene Documente zum KaufeDas nun nicht," entgegnete Kilian.Er ist in Wien, an. Als Preis beanspruchte er 50,000 Gulden. Entsetzt, ganz bestimmt. Daraus schließe ich, daß ihm der Check nicht

wie ich war, beschuldigte ich ihn des Verbrechens an seinem honorirt worden ist. Aber eine Anfrage bei der Bank Webers Freunde. Ohne sich aufzuregen, gestand er es zu, meines gäbe uns am besten die nöthigen Aufschlüsse.

Schweigens sicher. Ich war fast besinnungslos vor Grauen.Ganz richtig. Ich werde sofort telephoniren.

Sollte ich einen Mörder entfliehen lassen, sollte ich dulden, daßRun?" fragte der Detectiv gespannt, als Doctor Mark

man es in die Welt hinausschrie, mein einzig geliebtes Kind vom Apparat zurückkehrte.

sei unehelicher Geburt? Endlich siegte die Liebe zu meinerEs ist so, wie Sie sagten. Er war gestern dort, wurde Tochter. Ihr sollte die Schmach erspart bleiben. Ich gab aber, da man unterdeß vom Ableben Webers gehört, für heute Morland einen Check auf den gewünschten Betrag und nahm | hinbestellt. Es ist halb fünf Uhr. Er muß eben dort fein, dagegen die Papiere in Empfang. Außerdem mußte Morland iUnd nun?"

schwören, Oesterreich zu verlaffen ... IIch gab den Auftrag, ihn zu mir zu führen, als dem

Das ist es, was ich gestehen- wollte. Ich thue dies zu Testamentsvollstrecker. Und nun, meine Herren, er kann reden dem Zwecke, um endgiltig festzustellen, daß Herr Jvanyi voll» | Augenblick hier fein." rr

kommen unschuldig gewesen an jenem grauenhaften Verbrechen IDas heißt, wenn er dumm genug ist, in die Falle zu und zu verhindern, daß vielleicht noch ein Unschuldiger der j gehen," bemerkte der Arzt.

That verdächtigt werde. Ich habe wenig Hoffnung, daßO, das wird er gewiß," bekräftigte Kilian-Für eine Robert Morland von einem irdischen Richter der verdienten | solche Summe wagt man Manches. Und dann er kann za Strafe zugesührt werde. Seine Spur wird wohl längst ver- nicht wissen, daß wir Webers Bekenntniffe gelesen haben, schollen sein, ehe ein Auge diese Zeilen liest. Die Männer waren in gespannter Erwartung. Sie

Ich habe den Trauschein nicht zerstört, damit Niemand I sprachen nicht mehr mitemander. Sie horchten vielmehr auf- die Wahrheit dieser Mittheilungen bezweifeln könne." merksam auf jedes Geräusch, das vom Stiegenhause zu kommen

I schien.

XXXII. xStill, da ist er," flüsterte der Advocat, feine Aufregung

Die Stimme Doctor Marks zitterte, als er das Manu- kaum beherrschend, als vom Vorzimmer her Schritte hörbar script aus den Händen legte. Tiefe Stille herrschte im Zim- wurden.

mer- Nach einer Weile begann der Advocat:Also, das ist In diesem Augenblicke trat Robert Morland ein und zwar de« Räthselr Lösung." in Begleitung eines Mannes, der sich als Beamter jenes Bank-

Jch wußte, daß er es nicht gethan haben konnte," rief Hauses legitimirte, mit welchem der Advocat vorhin sich ver-

Sltjt i ftänbißt*

Sie sehen, Herr Doctor," fiel ihm der Detectiv lächelndDas ist der Herr, welcher den großen Check präsentirt in's Wort,ich habe Recht behalten." hat," stellte er Morland, welcher nach einigem Zögern aus

Ja - aber nun?" fragte der Advocat. Mark zugeschritten mar, vor. Nach einigen Dankerworten von

Werde ich Morland sofort verhaften." Seiten des Advocaten entfernte sich der Beamte.

Wenn es sein muß! Aber das arme Mädchen!" Doctor Morland hatte sich auf dem ihm angebotenen Platz nieder. Mark blickte Kilian in eigenthümlicher Weise an, so, als wollte gelaffen. Er saß dem Advocaten gegenüber mit dem Rücken

er diesen bewegen, das auszusprechen, was er selbst dachte. zur Thüre. Diese Gelegenheit benutzte der m aller Gemäq-

Ich bedaure die junge Dame herzlich," meinte höflich lichkeit auf- und abgehende Detectiv, um den Schlüssel im

der Detectiv,aber Sie werden zugeben, daß man einen Ver» Schlosse umzudrehen und zu sich zu stecken.

brecher seiner verdienten Strafe zuführen muß." z ISie haben mir eine Mittheilung zu machen, sagte der

Gewiß," sagte Jvanyi mit Bestimmtheit,er muß | Advocat in ruhigem Tone.

sofort verhaftet werden." IJawohl aber Ihnen allem."

Aber wenn er Alles gesteht, wird die ganze Stadt so-Ach, diese Herren sind gute Freunde. Sie können un« fort die Geschichte dieser geheimen Ehe kennen," wandte Mark I genirt sprechen." mißmuthig ein. Robert Morland blickte unruhig umher.

Set es auch um diesen Preis!" antwortete Jvanyi. |Ich wünsche aber durchaus keine Zeugen meiner unter« Ich kenne meine Braut. Auch ihr wird es lieber sein, wenn redung mit Ihnen," fuhr er auf. ~

die ganze Sache ein Ende hat. Verhaften Sie Morland undIch gestatte mir sogar, Ihnen die Herren vorzustellen, lassen Sie dem Gesetz seinen Lauf." fuhr der Advocat gelassen fort.

Es wird wohl nicht zu verhindern sein," meinte seufzend jHerr Doctor Friedrich, Herr Kilian, Herr Desto der Arzt,aber es ist sehr hart, dem Fräulein Weber das I Jvanyi" anzuthun."Jvanyi," rief Morland entsetzt, indem er aMprang

Nun Sie haben Recht, meine Herren, Morland muß |Ich ich--ha, was ist das? schrie er wild-

verhaftet werden," sagte Doctor Mark.Aber auf welche Art hatte Wolki's Ueberzieher, der auf emem Seessel lag, erkanm. soll dies geschehen? Ist er noch in Wien?"Das ist der Nock, den Sie am 27. Mai getragen Haben,

Za," ries Kilian erfreut.Ich habe ihn feit den letzten Robert Morland," sagte Kilian langsam,in jener Stunve, zwei Monaten nicht aus dem Auge gelassen und während in welcher Sie Ottogar Wolski--