besten Läden auch am Tage ängstlich geschlossen waren, so daß die Sonne nur durch die herzförmigen Ausschnitte in denselben einen neugierigen Blick thun konnte. Wie in einem Gelehrten« Studio, so sah es hier aus, genau so vollgepropst voll Bücher und Papiere und auch just so verworren. Nur der alte Schreibtisch mit seinen zahllosen Fächern und Schubladen machte davon eine Ausnahme. Es lag nichts darauf als Schreibzeug und ein aufgeschlagenes dickes, mit altem Leder« Einbande versehenes Quarthest.

Der aber, der sich aus der Einsamkeit des Landlebens gar noch hierher zurückflüchlete in die durch nichts als durch die eigenen Athemzüge gestörte Stills dieses Gemaches, saß auf dem alten lederbezogenen Sessel vor dem Schreibtisch, hatte die Arme auf die Platte desselben aufgestemmt und in die Hände düs Gesicht gepreßt, als scheuten seine Augen selbst den milden schwachen Lampenschein.

Auf der aufgeschlagenen Seite des Heftes lag ein Stückchen Papier, mit steilen Buchstaben beschrieben, wie sie Kinder schreiben, die nach überwundenem Schieferstist zum ersten Male mit Tinte und Feder ihre Buchstaben malen. ,/Lieber Vetter Hinrik," stand auf dem vergilbten Zettel, der auch heute noch nicht seine Abstammung aus einem Kinderschreibhefte ver­leugnete:Du hast mich angeführt der Mond kann gar niiyt ins Wasser fallen, sagt die Mama, er ist oben am Himmel festgemacht. Und Sperlinge können auch nicht singen. Ich hatte Dir einen schönen Pfirsich aufgehoben, den esse ich nun alleine Dein Mariechen!"

War es dies Zettelchen gewesen, das den ernsten stillen Mann so erschüttert hatte? Kaum wohl, denn seit etwa elf Jahren lag es hier in den Fächern des alten Schreibtisches und in den letzten Monden wie oft hatten seine Augen auf den ungelenken Buchstaben geruht. Hätte er es nur auch in dem Fächergrabe ruhen lassen, wie all' das andere, das feine Jugend vergiftet, seinen Mannesmuth verkehrt hatte in Menschenscheu und Menschenhaß.

Jenes große Fach dort barg die Reste seines ersten und einzigen Liebeslebens, so hatte er oft gedacht- War es denn möglich, daß aus der Asche seines Herzens noch einmal jener ewig-lebendige Funke hervorglimmen könne, den die Menschen mit dem so oft und so arg mißbrauchten Worte Liebe bezeichnen?

Vor elf Jahren wie langsam doch die Zeit hinfloß I War's denn nicht schon mehr als ein Jahrhundert, seit er der flotte Göttinger Student gewesen, der gleichwohl über Commers und Mensur das Colleg nicht vergaß? Ihm schien es so, so gramfern lag ihm die Zeit. Auch der grimme Schmerz, der an einem in seiner ersten vertrauenden Liebe getäuschten Herzen frißt, hat seine Grenze. Er hatte sie selbst mit einem energischen Striche gemalt.Vergessen!" hatte seine Hand in kräftigem Zuge unter die Aufzeichnungen in dem vor ihm liegenden Tagebuche gesetzt, die ein jauchzendes, liebe» athmendes Durcheinander bildeten. Die schöne, umschwärmte Sängerin an dem Hannover'schen Hoftheater hatte ihm, dem jungen begeisterten Studenten, damals ihr Herz gegeben. Ihr Herz wie falsch doch! Sie hatte ihn wie so viele Andere eine Reihe von Monaten vor ihren Siegeswagen gespannt, bis ein Großer kam, ein Großer der Erde, mit vielzinkiger Krone.

Eine selige Episode sei er in ihrem Leben gewesen. Das schrieb sie ihm noch aus Paris. Sie war mehr als eine Episode in dem {einigen, sie war sein Leben selbst gewesen.

(Fortsetzung folgt.)

Gsineinnritziges.

Gemüse von Erbsenschoten. Die Schoten von jungen Erbsen werden in Belgien auf folgende Weise zu einem sehr schmackhaften Gemüse zubereitet. Man dünstet dieselben

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in etwa 100 Gramm Butter mit etwas Salz, Zucker und Petersilie beinahe gar, streut über das Gemüse etwa 20 Gramm Mehl, gießt eine Taffe kräftige Auflösung von Liebigs Fletsch- extract hinzu und läßt die Schoten noch ca. 10 Minuten dünsten.

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Das Abstehen, Schalwerben, Stichig- und Sanerwerden des Weines rührt meist von zu hoher Kellertemperatur oder auch unterlaffener Auffüllung her. Ist ersteres der Fall, so bringt man den Wein in einen kälteren Raum, erniedrigt die Temperatur überhaupt und kühlt beson­ders das Faß, worin der Wein liegt, durch kalte Wafferlappen oder Eis ab. Der Stich ist die erste Stufe zur Esstgbildung. Man beseitigt Beides außer durch sorgfältiges Auffüllen, Er- niedrigung der Temperatur u s. w. noch besonders durch einen Zusatz von ungelöschtem Kalk, durch welchen die Säure auf- gesaugt und zu Boden gesenkt wird. Wie viel man Kalk nehmen muß, probirt man vorher an einer Flasche des sauren oder stichigen Weines, in welchen man unter beständigem Schütteln so viel zusetzt, bis sich die Säure verloren hat. Zwei Tage nach der Kalkung muß der Wein auf ein anderes Faß gebracht und durch einen Zusatz von Weingeist oder ge­frorenem Weine gestärkt werden.

*

Durchnäßten Sammet wieder herzustellen. Man reibt die verdorbene Fläche mittelst eines wollenen, mit 90proeentigem Spiritus getränkten Läppchens und hält sie da­rauf schleunigst über ein Gefäß mit kochendem Waffer, etwa 3 bis 5 Minuten, den Sammet nach unten. Der stark waffer- arme Spiritus saugt mit Begierde Waffer an und bringt so die Spannung aus den einzelnen Fäden des Sammets. Man bürstet dann auf wollener Unterlage mit feiner, steifer Bürste den Sammet auf, läßt ihn vollends trocknen und überbürstet ihn zuletzt mit reinem Mandelöl. Es ist gut, dabei nur stellen­weise vorzugehen und den Sammet nicht zu naß werden zu laffen- Sollte ein Erfolg nicht gleich vollständig erzielt werden, so wiederhole man die Reinigung mit dem Spiritus so lange, bis sie gelungen ist.

Vermischtes.

Ein Opfer ihrer Schöuheit. Unter Karl I. von England war die Tochter des Sir Eduard Stanley eine ge­feierte Schönheit, die viel umworben war. Endlich reichte sie ihre Hand dem Lord Digby. Derselbe war durch den Besitz der wegen ihrer Schönheit und Liebenswürdigkeit hochberühm­ten Frau so überglücklich, daß er Alles aufbot, seiner Gattin ihren Liebreiz zu bewahren. Er selbst erfand Mittel, um ihre Haare, ihr Gesicht, ihre Hände frisch zu erhalten. Eine Zeit- lang fütterte er sie nur mit Capaunen, die mit Vipern gemästet waren. Aber vielleicht gerade infolge dieser Quälereien starb die Lady schon in der Blüthe ihrer Jahre am 1. Mai 1638.

Zu folgsam.Du, Kleiner, warum bleibst Du denn immer da stehen?"Ja, meine Mutter hat g'sagt, V darf net über d' Straßen, bis net 's Fuhrwerk vorbei is und es kommt halt keins!"

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Vorschlag zur Güte. Herr:Wenn Sie sich nicht augenblicklich entfernen, so rufe ich einen Dienstmann und laffe Sie hinauswerfen!" Hausirer:Geben Sie mir die Hälft' von dem, was der Dienstmann kost', und ich geh' selbst!"

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Höflich. Richter:Ihre Unschuld hat sich heraus­gestellt Sie sind freigesprochen!" Angeklagter:Es thut mir herzlich leid, meine Herren, daß ich Sie umsonst be» müht habe!"

Redaktion: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei Er. Thr. Pietsch) in Gießen.