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Was wollt Ihr denn, Ihr Grünrock?" fuhr nun der Bauer grob auf, indem er feine breite Figur vor den schwäch- tigen Jäger schob.

O, verstellt Euch nicht, Rosenbauer, Euch kenn' ich und den Schall Eures Stutzens auf meilenweite Entfernung. Hütet EuchI"

Hütet Euch selbst, Ihr Narr!"

Damit trennten sie sich, der Bauer aber grollte und dachte: Der Stutzen muß fort! Er will den Knall kennen, der Narr! Und doch! Ich würde ihn ja auch kennen! Also morgen in die Stadt und einen andern Stutzen geholt."

Er ging wieder zu den ©einigen und meinte zu Josef: Schießt Du mit? Ich gehe jetzt halt."

Der Rosenbauer galt für den besten Schützen weit und breit, und man zischelte sich leise, ganz leise in's Ohr, daß er ein passionirter Wilderer sei, unbezähmbar und kühn wie der Satan. Die Jäger wüßten das wohl, aber sie gingen ihm aus dem Wege, denn- der Rosenbauer sei desperat und un­berechenbar.

Als der Rosenbauer und Josef an den Schießstand traten, machten Alle ehrerbietig Platz, denn den reichen Bauern mochte Niemand zum Feind haben. Der Protokollführer aber meinte: Es sind noch fünfzehn Schützen vor Dir eingeschrieben, hast noch eine halbe Stund' Zeit, Rosenbauer!"

Gut, da schreib' mich ein und hinterdrein den Josef! Was kost's?"

Er legte das Geld auf den Tisch und meinte:Komm, Josef, laß uns ein Bissel gehen, das ist gut und beruhigt das Blut."

Auf dem Platze trieb auch eine Zigeunerbande ihre Gaukel­künste, Seiltanzen, Reifspringen, allerlei natürliche Zauberkünste urd dergleichen. Eine alte gelbe Zigeunerin aber lief im Publikum umher und lud mit gellender Stimme ein, den Künsten zuzusehen; dabei wahrsagte sie aus der Hand. Als sie des reichen Rosenbauern ansichtig ward, faßte sie seine Hand, sah hinein und meinte lachend:

Bei Dir kommt's Glück Erst dann in's Haus, hihi, Holst Du zurück, Was Du jagt'st hinaus! hihi!"

Dummes Zeug!" sagte der Rosenbauer ärgerlich, warf aber der Zigeunerin doch einen halben Gulden zu.

Nun wandte sie sich an Josef, lange besah sie die Linien in dessen Hand, dann sagte sie:

Wer Rosen bricht, Der merk' sich fein, Manch' Röselein Oft blutig sticht!"

Josef wurde roth wie ein gekochter Krebs, er lachte ge­zwungen und gab dem Weibe ein Geldstück. Der Bauer schritt finster weiter und Josef folgte ihm. So kamen sie wieder in den Schießstand, woselbst die Stutzen vorschriftsmäßig geladen wurden.

Nummer hundertachtunddreißig I" rief der Protokollführer und der Rosenbauer trat vor. Der Schuß knallte und großer Jubel erklang an der Scheibe. Martin Strasser, der Rosen­bauer, hatte den besten Treffer abgeschoffen; er mußte, schoß Niemand besser, wie so oft schon Schützenkönig werden. Drei Mal noch knallte der Stutzen und jedes Mal lachte Jakob Pfilzer, der Oberjäger, bei dem Knall laut auf. Er hatte viel Wein getrunken und kümmerte sich wenig um des Bauern drohende Blicke, obwohl Martin Strasser immer aufgeregter ward.

Nummer hundertneununddreißig!" rief der Protokoll­führer und jetzt trat Josef in den Schiebstand. In der Gar­nison und während des Krieges hatte er die Kunst des Schießens gründlich erlernt, war überhaupt schon vorher ein guter Schütze gewesen und stand nun da wie aus Marmor gemeißelt, so kalt und ruhig, daß ihn Jeder beneidete.

Der Schuß knallte. Alles stürzte nach der Scheibe. Die Äugel saß gerade in dem kleinen schwarzen Punkte, welcher sich mitten in dem weißen Centrum der Scheibe befand und Josef

hatte den ehrgeizigen Rosenbauer abgeschoffen. Josef war vor Schreck bleich wie der Tod, denn es war gegen seinen Willen geschehen, den Rosenbauer in der.Kunst des Schießens zu über- treffen. Der Bauer hatte sich bei diesem Vorfall auch sofort herumgedreht, war zu den ©einigen gegangen und hatte ge­faßt:Kommt, wir gehen jetzt nach Haus."

Warum denn, Martin?" meinte feine Frau sanft-

Will mich heute nicht noch verhöhnen lassen; der Josef hat mich abgeschoffen."

Loni ward roth vor Freude und Angst zugleich. Der Rosenbauer aber sah sie scharf an und sagte:Er guckt nach Dir, Loni; die Leute zischeln davon und höhnen mich damit; aber ich sage Dir: eher versiegt der Quell vor dem Rosenhof, ehe Du sein Weib wirst. Bei Gottes Blut!"

Das war des Rosenbauern höchster Schwur. Er hob drohend die Hand, schritt voraus und seine Familie folgte ihm nach dem Rosenhof, Loni und die Mutter mit unterdrückten Thränen-

Das Scheibenschießen war bald darauf zu Ende. Josef ward zum Scheibenkönig ausgerufen, mit der silbernen Kette geziert und bekam den höchsten Preis von fünfzig funkelnagel­neuen Silbergulden, von denen er aber nach altem Brauche den größten Theil gleich in Wein für die Theilnehmer beim Schießen zum Besten gab. Man trank, man fang und ließ den hübschen Scheibenkönig leben. Da erinnerte sich Joses des Rosenbauers und der Loni und sein Glücksranfch entfloh.

Ich muß fort," rief er,muß zu den Meinigen!"

Darüber mach' Dir keine Sorgen mehr," meinte Einer aus dem Haufen.Dein Bauer ist fluchend fort, zürnt wohl gar, daß Du ihn abgeschoffen. Er ist lang genug Scheiben­könig gewesen. Prosit Josef!"

Und Josef trank und trank, bald aus Freude über seinen Meisterschuß, bald aus Aerger über den fortgelaufenen Rosen- bauer und zum ersten Mal in seinem Leben war der sonst so nüchterne junge Mann betrunken.

Josef kam erst am anderen Morgen auf den Rosenhof. Loni und Frau Elisabeth waren nicht sichtbar, Toni aber kam zu Josef, als er eben den noch schweren Kopf auf die Hafer­kiste stützend über den gestrigen schrecklichen Tag nachdachte.

Joseph, nimm Dich in Acht vor dem Vater," sagte der Knabe treuherzig,er ist die halbe Nacht nicht zu Bett ge­kommen und hat immer auf Dich gescholten. Geh' ihm aus dem Wege, Joseph!"

Das mag ich nicht, Toni I" sagte Joseph und schüttelte das Haupt.

Der Knabe sah ihn traurig an und flüsterte dann:Da kommt der Vater schon."

Der Bauer stand in der Thür und sagte rauh:Geh' weg Toni." Und an den jungen Mann sich wendend, sprach er ernst:Ich hab' mit Dir zu sprechen, Joseph."

Hab's erwartet!" meinte dieser gleichmüthig.

Der Bauer sammelte sich, dann begann er:Joseph, es wird mir schwer, Du hast mir's Leben gerettet und meinem Kinde; hier, nimm« ohne Bedenken, mach Dich damit selbstständig, denn aus meinem Hof mußt Du fort, das geht nicht anders, um der Leute willen."

Mit diesen Worten hatte er dem Joseph zehn Zwauzig- thalerscheine auf die Futterkiste gelegt.

Du blet'st mir Geld für meine Thal?" antwortete Joseph stolz und mit erhobenem Haupte.Schämst Du Dich nicht Bauer? Ich that nur, was ich mußt', was ich Jedem gethan hätt', gleichviel, wer es gewesen wäre; dafür nehm' ich keine Bezahlung. Hält' ich Geld dafür gewollt, so hätte ich es schon damals verlangt, da legtest Du mir's ja in den Mund. Du sagtest: Ford're, was Du willst, Joseph, ich geb es Dir. Wär' ich unehrlich groefen, so hätt' ich schon dazumal sagen können:Bauer, ich will kein Geld und kein Gut vom Rosenhos, das bleibe Deinem Toni. Gieb mir was Besseres, gieb mir die Loni, denn wir sind uns schon lange, lange herzlich gut."

(Fortsetzung folgt.)