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Ankerchaltrrirgsblatt Mur Giehenev Anzeigen (Genepsl-Anzeigev)
Dienstags de« 7. August.
Das Geheimniß der Droschke.
Von F. Hume.
(Fortsetzung.)
XXIX.
Doctor Philipp Mark war durch ein Telegramm von dem traurigen Ereigniffe benachrichtigt worden. Ohne Verzug begab er sich zu Jvanyi und dann mit diesem in die Villa Weber. Hier vernahmen sie eine neue Schreckenskunde: die arme Margarethe war schwer erkrankt zu Bette gebracht worden.
„Ein heftiges Nervenfieber — ich kann für die Folge« nicht gutstehen," sagte Doctor Friedrich ernst zu Desider, der sich verzweifelt in einen Fauteuil fallen ließ. Seine Braut krank, vielleicht sterbend! Er konnte den Gedanken nicht fasien. e „Der Zustand ist gerade nicht ganz hoffnungslos," meinte der Arzt tröstend, „und was menschliche Hilfe vermag, das wird geschehen."
„Woran ist Herr Weber gestorben?" fragte der Advocat.
„Es scheint, daß ihn ein Schreck getödtet hat. Er war herzleidend. Ich habe seine Krankheit schon in Gmunden diagnostizirt und war auf Alles gefaßt. Wie Rosa mir erzählt, hat ihn der entsetzte Aufschrei Fräulein Margarethens aus einem unruhigen Schlaf geweckt."
„Worüber entsetzte sich Margarethe?" forschte Jvanyi, der jetzt erst die Sprache wieder gewann.
„Ich weiß es nicht genau. Herr Weber hat im Schlafe laut gestöhnt und geweint. Die Mädchen liefen herbei und Margarethe fchrie auf . . . daß er ihr so plötzlich starb, mag sie so erschüttert haben, daß sie schwer erkrankte."
„Hm," sagte der Advocat bedächtig. „Ich glaube kaum, daß ein Stöhnen — und sei es noch so unheimlich — ein Wesen wie Fräulein Weber so tief erschrecken kann — es ist vielleicht noch etwas vorgefallen . . ."
„Möglich," erwiderte Doctor Friedrich achselzuckend. „Ich weiß es nicht. Es ist auch für mich und die Heilung der Krankheit ohne Belang. Jnteresstrt der Fall Sie aber, so kann Ihnen Rosa alles Nähere mittheilen. Sie war Zeugin der ganzen Scene. — Doch, ich muß gehen," schloß er, indem er sich an Jvanyi wandte, — „und haben Sie Muth. Ich werde Ihre Braut mit Gottes Hilfe retten!"
Mit diesen Worten entfernte er sich.
Als die rothe Sali in's Zimmer trat, sprach sie der Advocat sogleich an.
„Nun, sagen Sie uns, Rosa, was hat das Fräulein so sehr erschreckt. Wiffen Sie es?" r,-
„Ja. Ich weiß es und will's Ihnen sagen. Aber gehen wir in Herrn Webers Zimmer!"
Die Männer blickten das Mädchen verwundert an.
„Warum?" fragte der Advocat.
„Weil Niemand es wiffen darf — nur Sie Beide."
Sie begaben sich in das Zimmer des Millionärs.
„Wie geheimnißvoll," dachte der Advocat, nachdem er am Schreibtische Platz genommen. Ec war sehr gespannt auf die Mittheilungen der rothen Sali. Diese begann genau zu erzählen, was sich am Abende des vergangenen Tages begeben hatte.
„Wo sind die Papiere," fragte Doctor Mark athemlos, als das Mädchen derselben Erwähnung gethan.
Sie brachte dieselben aus ihrer Tasche zum Vorschein.
„Der Trauschein!" kam es in dumpfer Verzweiflung von Jvanyis Lippen. „Es ist also doch wahr . . ."
Der Advocat schob die Documente in seine Rocktasche.
„Wiffen Sie, was in diesen Papieren steht?"
Die Frage des Advocate« klang harmlos.
„Ja," sagte das Mädchen. „Ich habe sie gelesen. Es geht daraus hervor, daß die „Königin" die Frau des Herrn Weber gewesen ist und . . ."
„Und was?" unterbrach sie Desider, der in höchster Er* regung vom Seffel aufgesprungen war.
„. . . und das sind die Papiere, welche sie Herrn Wolski gegeben hat," schloß das Mädchen ruhig.
Es entstand eine Pause, während welcher sich die Männer bedeutungsvoll anblickten.
„Wenn Sie Fräulein Margarethe lieb haben," sprach jetzt der Advocat ernst, „dann werden Sie über das, was Sie uns soeben mittheilten, wohl das tiefste Schweigen gegen Jedermann bewahren. Auch darüber, daß die „Königin" diese Papiere dem Wolski gegeben hat. Auch Fräulein Weber darf nichts erfahren. Unter keinen Umständen. Und, nicht wahr, gestehen Sie es nur, Sie haben sie lieb?"
Die rothe Sali begann heftig zu weinen.
„O — o —" schluchzte sie, — „sie hat mich aus dem Elend geriffen — ihr verdanke ich ein neues Leben — und sie ist so gütig gegen mich . . ."
Doctor Mark sah Jvanyi wiederum an. Es war offenbar, daß dieses Mädchen keine Ahnung hatte, wer ihre Eltern gewesen.
„Ich gehe zu Fräulein Margarethe," sagte sie. „Von jetzt an bleibe ich bei ihr. Sie fängt zu phantasiren an und da will ich Niemand zu ihr lassen."
Ä
Rr. 91.
1894.


