Ausgabe 
7.7.1894
 
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&er kleine Feinschmecker. Mutter:Aber warum ißt Du denn nicht Deine Apfelsine, Karlchen?" Karlchen: Ich warte, bis mein Freund Gustav kommt; Apfelsinen schmecken weit besser, wenn ein anderer kleine Junge dabei zusieht".

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Mißgünstig. Fremder (bei einer Rauferei):Warum wird denn der Hauptkrakehler nicht hinausgeworfen?" Wirth:Ja wissen S', der ist bei der Unfallversicherung! Wenn dem 'was g'fcheh'n thät, kriegt er fünf Mark pro Tag und das vergönnen V ihm nicht!"

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Vor Gericht. Richter: . . Run sehen Sie, was haben Sie denn von Ihren Lumpereien?! Jedesmal werden Sie erwischt!" Angeklagter:Bitte, Herr Gerichtshof, nur nicht ausschneiden I" * »

Neues Wort. A.:Kellner, mir ein Dutzend Austern und eine Flasche Sect!" B.:Mir ein Soolei und ein Glas Bier!" A.:Sparprotz I" *

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Berechtigter Seufzer. Dame (alteJungfer):Also Sie sind ein großer Freund des Angelsports?" Herr: Jawohl; nur ist das Angeln manchmal ermüdend, es dauert oft lange, ehe einer anbeißt." Dame (seufzend):O, das weiß ich selbst am besten!" * *

Im Fleischerladen. Knabe:Ein halbes Pfund Rindfleisch, aber recht zähes I" Fleischer:Zäh? Warum, mein Sohn?" Knabe:Ja, wenn es weich ist, dann ißt es der Vater allein!"

Aoöert und Klotilde.

(Eine Sage aus längstvergangener Zeit.)

Am Waldesgehege, im Abendstrahl, Blickt Robert von stolzer Ruine In schweren Gedanken hernieder in's Thal, In's einsame, liebliche, grüne.

Hell spiegelt auf wildem, hochwogendem Meer Der Mond sich im silbernen Glanze, Und feierlich lächelt das Sternenheer Herab aus dem Wolkentanze.

Und wild, wie im Sturme erbrauset der See, So fühlet sein Herz er getrieben

Von tiefem, von seltsam ergreifendem Weh' Ob seinem vergeblichen Lieben- Still schlummert Klotilde in seinem Arm, Süß träumend am liebenden Herzen;

Er hält sie umfangen so lieb und so warm, Vergiffet die düsteren Schmerzen.

Und stürmisch das Blut durch die Adern ihm rollt, Richt ahnend den nahenden Kummer, Beugt er sich hernieder zur Jungfrau hold, Erweckt sie aus lieblichem Schlummer. Doch weh'! in den himmlischen Nektar mischt Die Welt oft so früh schon die Gifte, Es dunkelt, der freundliche Stern erlischt, Die Klage, sie bebt durch die Lüfte!

Und fester und fester umfängt er sie, mit Der innigsten Liebe im Bunde, Als plötzlich das zürnende Schicksal tritt Zu ihm in der glücklichsten Stunde.

»Laß ab von der Lieb', laß fahren die Maid/' Beginnt nun der Vater im Grimme, Du drückest in's Herz Dir das eigene Leid Und hörst nicht die mahnende Stimme."

Laß, Vater, Dein Hoffen, Dein Mahnen laß sein, Laß rinnen die Thränen, laß rinnen, Nicht lassen kann ich von der Liebe mein, Und könnte ich Welten gewinnen!

Die Liebe ist frei, sie kennt keinen Zwang, Das eigene Herz nur kann richten;

Kein Sterblicher ändert den mächtigen Drang, Er mahnt mich zu theueren Pflichten-""

Doch läßt Du zur selbigen Stunde nicht Das säumende Herz Dir bewegen, Dann trifft Dich mein zürnendes Strafgericht Und nimmer dann wird Dir mein Segen." Und bannst Du mich grausam in ewige Nacht, Vermag auch kein Mensch mich zu retten, Der Engel der Liebe mir freundlich lacht, Magst Du auch auf Dornen mich betten!""

D'rob zürnet der Vater, - in's Burgverließ Zu bannen ihn, herrscht er mit Strenge, Worinnen verstummen in Finsterniß Des Lebens freundliche Klänge.

Dort büße dann, Robert, in finsterem Raum, Wo Leiden und Schrecken nur hausen, Dort schleiche Dein Leben gleich schwerem Traum, Dort büße den Frevel mit Grausen!

So sitzt er, von Trauer deu Blick umwebt, In ewigem Hoffen und Harren;--

Da, plötzlich das Auge er staunend erhebt, Die Riegel des Thurmes laut knarren!--

»O Himmel! was seh' ich? ist's Wahrheit? ist's Traum? Wer naht mir zur Mitternachtsstunde?!--

Ha! Schwester? - ich fasse die Seligkeit kaum!

Du bist es? - Du? Adelgunde?" -

Und leise reicht sie ihm die rettende Hand, Das Auge von Trauer umwoben;

Klotilde weilt nicht mehr im irdischen Land, Sie weilt bei den Seligen droben.

Der nagende Kummer ob Deinem Loos Zerstörte ihr Ruhe und Frieden, Das Leiden der Seele, es war zu groß, Sie ist aus dem Leben geschieden.""

Es zögert die wagende Schwester nicht lang, Das Herz nur von Kühnheit durchdrungen, Führt sie ihn hinab den verborgenen Gang, Das Heldenwerk war ihr gelungen!

Und schmerzenvoll eilt er zur Todtengruft, Ihn jagen Verzweiflung und Schrecken; Den theueren Namen ohn' Ende er ruft, Als wollt' er vom Tod sie erwecken!

So kämpfet er lang' in dem heißen Schmerz; Er kann sich nicht trennen vom Grabe, Es birgt ihm ein liebes, verblichenes Herz, Es birgt ihm die edelste Habe! Und trauernd baut er sich ein Hüttchen auf, Mit Thränen die Gruft zu begießen, Da möcht' er den tragischen Lebenslauf In ewigem Harme beschließen.

Th. Loos.

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei (Fr. Lhr. Pietsch) in Gießen.

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