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Der Advocat sah der sich Entfernenden mit Interesse nach. Jvanyi saß theilnahmlos in seinem Sessel. Er dachte an seine arme Braut, an seine schöne, tapfere Margarethe, über die so viel Leid gekommen war. Und er mußte hier sitzen, durfte nicht an ihr Bett eilen, um ihr zu sagen, daß er sie jetzt tausendmal mehr liebe, als zuvor.

Nun?" fragte der Advocat.

Der Andere fuhr aus seinem Brüten auf.

Was soll geschehen?" meinte er rathlos.Soll das Testament eröffnet werden?"

Ja. Ich bin einer der Testaments-Vollstrecker."

Und die Anderen?"

Sie und Doctor Friedrich. Ich will indessen die Papiere durchsehen. .

Er hatte den Schreibtisch geöffnet und suchte darin herum. Plötzlich schrie er überrascht auf.

Was gibt's?" fragte Jvanyi voller Angst, da er sah, daß der Advocat ein großes Couvert in die Höhe hielt.

Sehen Sie," erwiderte Doctor Mark bewegt,sehen Sie, jetzt wird Alles klar werden Alles das Wie und das Warum der ganzen unheimlichen Sache. Das hier ist Webers Beichte!"

Wir wollen sie lesen," erwiderte Desider hastig.

Ja. Wir drei Testaments-Vollstrecker müssen sie lesen, und dann in's Feuer damit."

Das wird das Beste fein. Das Gericht kann nicht mehr sinschreiten. Weber ist tobt. Wozu aber Doctor Friedrich in's Vertrauen ziehen?"

Das muß sein," entgegnete Mark bestimmt,Fräu- lein Margarethens wegen. Er würde sonst durch ihr Phan- tasiren aufmerksam. Es ist besser, er erfährt die Wahrheit die volle Wahrheit. Es ist mir nur unangenehm, daß auch Kilian Kenntniß erhalten muß von dieser Beichte."

Der Detectiv? Warum der?" wendete Jvanyi indig- nirt ein.

Auch das muß sein. Kilian ist fest überzeugt, daß Mor- land das Verbrechen begangen hat ... Ich fürchte seine Zähigkeit in der Nachforschung ... Und wozu soll noch ein Unschuldiger leiden wegen dieser Sache?"

Nun, wenn es sein muß," meinte Jvanyi resignirt. Hoffentlich bleibt das Geheimniß dann unter uns vier Män- nern. Dieser Morland freilich . . ."

In der That," fiel ihm der Avvocat in's Wort.Er hat Weber vorgestern aufgesucht und gesprochen . . ."

Ich möchte wissen, was er von ihm gewollt hat."

Ich combinire so: er hat Weber gesehen, als dieser Wolski nachging. Und jetzt kam er, um sich sein Schweigen abkaufen zu lassen . . ."

Ob er Geld erhalten hat?"

Das läßt sich ermitteln," sagte der Advocat, indem er der offenen Schreibtischschublade Webers Checkbuch entnahm. Aus demselben ersah er, daß in der letzten Zeit nur kleinere Beträge behoben worden waren fast am Ende des Buches fand er, daß ein Check mit dem dazu gehörigen Block fehlte.

Ah," rief er aus.Er hat das Blockblatt mit heraus« gerissen, so daß die Höhe der Summe, die er dem Erpresser angewiesen hat, nicht zu erkennen ist."

Und was läßt sich in diesem Falle thun?"

Nichts. Er mag das Geld behalten," entschied der Ad­vocat.So hat er wenigstens ein großes Interesse daran, zu schweigen."

Er wird's behoben haben und abgereist sein."

Um so besser," meinte Mark.Aber ich glaub's nicht. Kilian hätte mich schon davon verständigt er hätte ihn fest- nehmen lassen."

Wir müssen Doctor Friedrich holen lassen," sagte Jvanyi nach einer Pause.

Ich will ihn und Kilian für drei Uhr Nachmittags zu mir auf mein Bureau bestellen."

Und die rothe Sali?"

Die hatte ich wahrhaftig ganz vergessen. Sie ahnt

natürlich nicht, wer ihrs Eltern sind. Weber starb in bei Ueberzeugung, daß sie nicht mehr am Leben."

Wir müssen es Margarethe sagen. Sali ist die recht­liche Erbin nach Weber."

Hm" widersprach Mark.Das hängt denn doch von der Fassung des Testaments ab. Wenn es besagt, daß das Vermögenmeiner Tochter Margarethe Weber" zufällt dann hat Sali keinen Anspruch darauf. Und ist dies der Fall, so hat es überhaupt keinen Zweck, ihr etwas zu sagen."

Was geschieht also?"

Sali hat nie an ihre Eltern gedacht. Die alte Pfeiferin hat ihr gesagt, daß sie gestorben wären. Wir thun daher am besten, zu schweigen. Man könnte ihr eine Rente sichern dafür findet sich leicht ein Vorwand."

Aber wenn sie nach dem Wortlaut des Testaments An­sprüche hat?"

Dann dann haben wir noch Zeit, ihr die nöthigen Mittheilungen zu machen," entgegnete der Advocat ein wenig ungeduldig.Aber das ist nicht anzunehmen. Margarethe wird ausdrücklich als Erbin ernannt sein. Sie brauchen nicht» zu befürchten."

Ich denke wahrhaftig nicht an's Geld," brummte Jvanyi verdrossen.

Gewiß nicht," bekräftigte Mark.Das haben Sie auch nicht nölhig. Wenn Sie Margarethe heirathen, haben Sie mehr als Geld, eine Frau mit dem rechten Herzen, ein Weib das Sie liebt ..." '

XXX.

Um die dritte Nachmittagsstunde des nächsten Tages kamen die Herren in der Kanzlei Doctor Marks zusammen. Der Arzt langte am spätesten an. Mark machte ihm, nachdem er die Zimmerthüre sorgfältig verschlossen, zunächst die Mitthei­lung, daß er einer der Testamentsvollstrecker sei, nach dem Willen des verstorbenen Anton Weber, und fuhr dann fort: Sie erinnern sich vielleicht noch, Herr Doctor, jenes Ver­brechens, welches in der Nacht vom 27. auf den 28. Mai dieses Jahres an einem gewissen Ottokar Wolski verübt wurde?"

Gewiß," erwiderte Doctor Friedrich befremdet.Aber ich bitte sehr, mir zu sagen, was dies mit dem Testament de» Herrn Weber zu thun hat?"

Mit dem Testament allerdings nicht. Ich glaube es wenigstens. Aber Herr Anton Weber war in diese Affaire ernstlicher verwickelt, als wir geahnt haben."

Inwiefern, meinen Sie?" fragte Friedrich verwundert, indem er Jvanyi anblickte.

Nicht in Bezug auf meinen Prozeß," sagte dieser traurig.

Der Arzt erinnerte sich plötzlich einiger Worte, die Mar­garethe in ihren Fteberphantaflen gesprochen. Erregt sprang er von seinem Sitz und rief:Wieso verwickelt?"

Dies kann ich Ihnen erst beantworten, wenn wir von diesem Schriftstück Kenntniß genommen haben werden. Weber selbst hat es als seine Beichte bezeichnet," antwortete der Ad­vocat. Und sich an den Detectiv wendend, dem ein Ausruf des Erstaunens entschlüpft war, setzte er hinzu:Ja, mein Lieber, Ihre Hetzjagd auf Robert Morland ist umsonst, denn Derjenige, der Wolski ermordet hat, ist ein Anderer--"

Wer?" fragte Kilian ruhig. Er war bei dieser Mck- theilung erbleicht, hatte sich aber bald gefaßt und blickte mit einem verächtlichem Lächeln vor sich hin.

Sein Name ist Anton Weber!"

Doctor Friedrich erhob sich in höchster Entrüstung.

Eine solche Beschuldigung meines verstorbenen Freundes dulde ich nicht!" rief er empört.

Leider Gottes," warf Jvanyi ein,ist diese Beschuldi­gung nur zu berechtigt."

Der Detectiv zuckte die Achseln. Er lächelte noch immer skeptisch.

Und das behaupten Sie," schrie der Arzt,Sie, der seine Tochter zur Frau zu nehmen gedenkt?"

Ich bitte, meine Herren," fiel Doctor Mark beschwich­tigend ein,ein Streit ist hier zwecklos. Ich denke, wir