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I« ihrer Verlegenheit doppelt reizend, blickt sie schüchtern zu ihm empor.

In seinen Augen flammt es auf. Er nähert sich ihr und hebt die Arme, rote um die entzückende Gestalt an seine Brust zu ziehen; doch läßt er sie mit einem leisen Seufzer wieder sinken. Ein ängstlicher, säst hilfloser Ausdruck liegt in ^netg0[a gsieht ihn erstaunt an. Er liebt sie, er will sie hei- rathen, er mag ihr Vermögen nicht anrühren und trotzdem diese unnatürliche Zurückhaltung!

Vielleicht küffen Fürsten überhaupt nicht," sagt sie sich- Doch merkwürdig bleibt e» immerhin." ...

XIX.

Die ganze Londoner Gesellschaft befindet sich in fieberhaft erregtem Zustand. Die Verlobung des Fürsten mit der schönen Baronin Medsort bildet das Tagesgespräch. Man überschüttet letztere mit Lob, Schmeicheleien, Huldigungen jeder Art ein Wunder, daß sie nicht völlig den Kopf verliert.

DieSchönheit" und derkönigliche Rusie" sind in Jeder» manns Munde. Was sie treiben, wo sie residiren werden Alle» dies wird in hundert Variationen besprochen.

Die Mütter bedauern, daß ihren Töchtern kein solches Glück zu Theil wird; die jungen Mädchen und Frauen blicken voll Neid auf Lola. Und ist es nicht auch der Gipfel alles Glückes, einen reichen, schönen, intereflanten Fürsten zu hei- riIt%M Orlowsky hatte Recht: die Verlobung bildet das Ereigniß der Saison-

Lola selbst steht auf dem Zenith ihres Ruhmes. Jedes illustrirte Journal bringt ihr Porträt im eleganten Morgen» anzug, in großer Toilette, im Reitcostüm wie sie sitzt, wie ste fährt die Baronin Medford in allen Variationen. Kurze Biographieen der zukünftigenFürstin Orlowsky" sind zu haben, und der gute, selige Pfarrer von Clifdale hat es sich gewiß nie träumen lasien, daß fein Name einst gedruckt in alle Häuser Londons wandern würde.

Die Einladungen zur Hochzeit erstrecken sich auf alle Per­sonen von bedeutendem Namen und Rang. Acht der schönsten und vornehmsten jungen Damen sind al» Brautjungfern aus» erwählt. Ihre Costüme und die kostbaren Geschenke, welche der Bräutigam ihnen übersandte, werden in allen Zeitungen beschrieben-

In der einen oder anderen Weise interessirt sich Jeder sür die Verbindung; es gibt kaum Jemand in ganz London, der nicht davon Notiz nimmt.

Lola selbst kommt nicht zur Besinnung. Sie fliegt von einer Festlichkeit zur nächsten, von einer Aufregung in die andere. Jeder veranstaltet dem gefeierten Brautpaar zu Ehren noch irgend eine Festlichkeit. Ihr Trousieau veranlaßt eine förmliche Völkerwanderung. Solche Spitzen, solche Stickereien, solche Seiden» und Sammetgewebe, solche Eostüme, solche wunderbar harmonische Zusammenstellungen von Farbe und Stoff hat man noch nie vorher gesehen selbst nicht bei der Verheirathung der königlichen Prinzessin. Wenn Freunde einander begegnen, ist ihre erste Frage:Weißt Du etwas Neues über die Orlowsky-Hochzeit?"

Trotz des Taumels der Vergnügungen fällt es Lola auf, daß ihr Bräutigam niemals ihrer gemeinsamen Zukunft er­wähnt. Er spricht über die Hochzeit, über die Gäste, über die Pracht der Ceremonie, über den Erzbischof, welcher sie trauen soll aber niemals über ihren späteren Aufenthalt.

Als Beide eines Vormittag» in Lolas hübschem, kleinem Wintergarten neben einander stehen, nimmt sie sich vor, ihn darüber za befragen. , ,

Fürst Orlowsky," sagt sie plötzlich, ihm ernst in die Augen blickend,Sie scheinen mehr in der Gegenwart, als in der Zukunft zu leben."

Es ist stets das Sicherste," entgegnet er lakonisch.

Vielleicht. Aber denken Sie niemals an unsere Zukunft?" Er ist sichtlich bestürzt.

Gewiß," sagt er, ein wenig zögernd;doch die Zukunft

ist für uns Menschen stets etwa» Ungewisse». Wir schmieden Pläne sür fünfzig Jahre voraus und sterben morgen.Lebe in der Gegenwart!" ist der beste Wahlspruch."

Doch Lola läßt sich so schnell nicht einschüchtern.

Sie sprechen niemals zu mir über unseren zukünftigen Aufenthaltsort," fährt sie ernst fort,oder darüber, was wir päter gemeinsam beginnen werden. Die Zukunft liegt vor mir wie hinter einem Schleier."

Aber ein glänzender Schleier," lächelt der Fürst.

Mag sein! Doch bleibt er immerhin ein Schleier."

Er wendet ihr voll sein dunkles Antlitz zu.

Ich finde die Gegenwart so schön, daß ich nicht über die Zukunst grübeln mag. Die Gegenwart gehört uns, die Zukunft nicht."

Lola lächelt ein wenig. , L

Ich wußte noch nicht, baß Sie ein Philosoph find. Das ist keine Philosophie, sondern nackte Wahrheit." Jetzt lacht Lola hell auf.

Ich sehe keinen Unterschied zwischen Beidem."

Ein solch' reizendes Haupt ist auch nicht geschaffen, um die Krone der Philosophie zu tragen. Das Diadem der Schönheit kleidet es besser."

Augenscheinlich will er sie von ihrem Thema abbringen. Es gelingt ihm nicht gleich.

Ich möchte wissen, wo wir zuerst nach unserer Hochzeit wohnen werden," sagt sie etwas ungeduldig.Meine Bekann­ten fragen mich darnach und ich kann ihnen nicht einmal ant­worten."

Wir wollen keinen festen Plan aufstellen, fondsrn den Augenblick entscheiden lassen. Es ist stet» das Beste-"

Lola schweigt. Sie mag nicht weiter in ihn dringen, obgleich sie nicht ganz einverstanden ist.

Mittlerweile gleicht das ganze Haus einem Bazar- Von früh bis spät in die Nacht laufen Hochzeitsgeschenke ein - kostbare Juwelen, Silbergeschirr von endlosem Werth, seltene Kunstwerks jeder Gattung.

Eines darunter rührt Lola fast bis zu Thränen ein herrlicher Perlenschmuck, der soeben angekommen.

Die Nachricht von ihrer baldigen Vermählung war auch bis zu Baron Gerald Hastings altem Schloß gedrungen. Er hatte in den Zeitungen über den Fürsten Orlowsky gelesen, über seinen Reichthum, seinen echt vornehmen Character und welch' großes Glück die zukünftige Fürstin erwarte. Obwohl die alte Wunde von Neuem schmerzte, freute der edle junge Mann sich über die glänzende Zukunft der geliebten Frau, für die er nichts zu gut, nichts zu hoch hielt.

Sie wird sich in ihren glänzenden Palästen, mit Tau­senden von Unterthanen, wohler fühlen als hier, wo sie nur meine Liebe gehabt hätte," denkt er seufzend.Ich fühle keinen Groll gegen sie, die mich so grausam getäuscht. Gott segne sie!" r ,

Dann nimmt er einige Zeitungen und legt sie seiner Mutter vor.

Sieh', Mutter," sagt er leise,dies ist die Frau, die ich liebe und immer lieben werde- Sie h irathet einen Fürsten und ganz London wird bet der Hochzeit zugegen sein."

Die alte Dame liest die ganzen Notizen durch und fragt dann sanft:So ist es die schöne Baronin Medsort, die Du liebst, Gerald? Du hast mir nie den Namen der Frau ge­nannt, die Dich so unglücklich gemacht."

Schweigend neigt er das Haupt- n

Sie soll die schönste Frau in England sein. Ist das wahr?"

Es ist wahr, Mutter."

Aber auch ebenso kokett? Ist das auch wahr?"

Ich glaube nicht, Mutter."

Nicht um Alles in der Welt hätte Gerald ein Wort gegen die geliebte Frau gesprochen selbst nicht zu seiner Mutter.

Sie ist so schön," fährt er sinnend fort,daß alle Män­ner sie lieben und alle Frauen sie beneiden. Sie kann nicht» E dafür."