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Dann nahm Pohlmann Hut und Stock, verließ die Bank Und stieg in seine Equipage.

Berner mußte auf dem Bocke neben dem Kutscher Platz nehmen und fort ging es im scharfen Trabe. Pohlmann kannte, wie schon erwähnt wurde, den Weg, den Rustan ge­wöhnlich auf seinem Spazierritte einzuschlagen pflegte, und als der Wagen die Stadt passirt hatte, fuhr man langsamer der Chaussee nach dem Waldbache entlang. Die Landschaft bestand hier meistens aus Wiesen nebst einigem Laubholz, durch das einige Promenadenwege führten. Da und dort sah man auch vereinzelt stehendes Gebüsch und einige auf den Wiesen an« gelegte Gräben.

Pohlmann ließ den Wagen mehrmals halten und blickte, scharf ausspürend, nebst Berner in der Umgebung umher, um vielleicht eine Spur von dem verunglückten Rustan oder dessen herrenlosem Pferde zu entdecken. Aber man beobachtete nichts Verdächtiges und weiter ging es nun den Waldbach entlang.

Derselbe war, wie gewöhnlich im Frühjahre und weil auch in der letzten Woche viel Regen gefallen war, ziemlich stark angeschwollen und veißend flössen an vielen Stellen seine Wellen. Das Ufer zeigte sich an dieser Seite auch steil und hoch, und Pohlmann, schaudernd hinab in das brausende Wasser blickend, dachte bei sich, daß Rustan bei einem jähen Sturze in den Bach auch ohne Gift den Tod gefunden haben würde. Fast alle dreißig oder vierzig Schritte ließ er den Wagen jetzt halten und spähte mit Berner und dem Kätscher in den Bach und auf die steilen Ufer desselben, aber immer war es vergeblich und keine Spur von dem unglückseligen Bankdireetor Rustan konnte wahrgenommen werden.

Da, als der Wagen wieder hielt und Berner sich beobach­tend auf dem Kutschersitze nach links gebeugt hatte, rief er plötzlich:Dort schwimmt ein feiner Cylinderhut, der könnte von Herrn Rustan verloren worden sein."

Sie können Recht haben, Berner," bemerkte Pohlmann, mit starren Blicken den in den Wellen tanzenden Hut beobach­tend,aber wenn dieser Hut von Direetor Rustan herrührt, dann ist das Unglück viel weiter oben passirt, denn der Hut schwimmt doch jedenfalls schon längere Zeit im Wasser herum- Friedrich, fahren Sie im Schritt weiter und halten Sie nun nicht eher, als bis wir etwas Verdächtiges wahrnshmen."

Rach einer Weile kam dem Wagen ein Feldarbeiter ent­gegen, welcher ein über und über mit Schaum, Schweiß und Staub bedecktes Reitpferd am Zügel führte.

Großer Gott, das ist ja Herrn Rustans. braunes Pferd," rief Berner erregt,ganz sicher ist ihm ein schweres Unglück zugestoßen I"

Halt, Mann!" erklang es auch schon laut aus Pohl- manns Munds-Wo haben Sie das Pferd gefunden?"

Es lief drüben im Walde herum und scheint seinen Reiter in den Bach geworfen zu haben," antwortete der Feld­arbeiter,denn es war ganz naß an den Beinen. Ich habe es eingefangen und will es in die Stadt zur Polizei führen, die wird den Eigenthümer schon ausfindig machen."

Das ist recht von Ihnen und Sie sollen dafür belohnt werden," bemerkte Pohlmann.Wir kennen aber das Pferd, es gehört dem Bankdirector Rustan, führen Sie es also in dessen Haus, Prinzenstraße 11. Hier haben Sie einen Thaler, ich bin ein Freund des verunglückten Reiters."

Dankend nahm der Feldarbeiter das Geldgeschenk in Empfang und versprach, das Pferd gewissenhaft in dem Hause des Directors Rustan abzuliefern.

Wieder fuhr der Wagen eine Strecke weiter und Berner stieg dann auf das Geheiß des Bankdirectors vom Bocke, um langsam an dem Ufer des Waldbaches entlang zu gehen und nach etwaigen Spuren des Unfalles zu suchen.

Rach einigen Minuten rief Berner:Hier muß das Pferd über das Ufer gesprungen sein, denn man sieht hier die frischen Eindrücke von Pferdehufen."

Pohlmann stieg jetzt aus dem Wagen und eilte an die Stelle, wo Berner die tiefen Spuren eines galoppirenden Pferdes am Uferrande gefunden hatte- Die Richtung der Hufe zeigte auch ganz deutlich, daß das Pferd in den reißen-

denIBach gesprungen und ungefähr fünfzig Schritte weiter oben an einer flachen Uferstelle wieder aus dem Wasser heraus­gegangen war.

Prüfend blickten Pohlmann und Berner umher, um eine Spur von dem offenbar verunglückten Direetor Rustan zu ent­decken, aber sie fanden keine.Der schwere Körper des Un­glücklichen wird im Wasser liegen," meinte dann Pohlmann, es wird uns weiter nichts übrig bleiben, als mit Hilfe eines gewandten Fischers und vielleicht auch unter Mitwirkung der Polizei diese Stelle des Waldbaches absuchen zu lassen."

Mir scheint es," sagte jetzt Berner, der besonders scharfe Augen besaß,als ob schräg dort drüben am anderen Ufer ein menschlicher Körper im Wasser liege."

Dann müssen wir hinüber," erklärte Pohlmann sofort. Weiter oben ist doch eine Brücke, wohin wir fahren können."

Sofort stieg der Bankdirector wieder in den Wagen und Berner kletterte wieder auf den Bock, worauf man im schnellen Trabe weiter hinauf nach der Brücke und über dieselbe auf das andere User des Waldbaches fuhr.

Nach der Stelle des Ufers, wo Berner einen menschlichen Körper gesehen zu haben glaubte, führte kein Fahrweg, sondern nur ein schmaler, wenig begangener, schlechter Fußweg, der Bankdirector und Berner stiegen daher vom Wagen und gingen nach der erwähnten Uferfielle, die sich Berner ganz genau ge­merkt hatte. Dieser lief ^überhaupt einige Schritte voraus, da der ziemlich beleibte Director nicht so rasch gehen konnte.

Dann blieb auf einmal Berner am Ufer des Baches stehen und starrte entsetzt einige Augenblicke vor sich hin. Muthig sprang er darauf in den an dieser Seite des Ufers ziemlich seichten Bach und zog den leblosen Körper des Bank- directors Rustan aus dem Wasser.

Die Hände ringend und jammernd kam nun auch Herr Pohlmann heran und sagte traurig:Er ist wohl tobt und jede Hoffnung, ihn in's Leben zurückzurufen, vergeblich?"

@inen Versuch wollen wir noch machen," meinte Berner und hob den Körper Rustans so, daß das Wasser aus dessen Munde laufen konnte und dann legten die beiden Männer den Körper auf den Rücken, und versuchten ihm durch Drücken auf die Brust künstlich Athem einzufiößen, aber diese Versuche waren ganz vergebens, der Bankdireeto^ Rustan blieb tobt.

Hier ist jede Hilfe umsonst," bemerkte Berner,denn Herr Rustan hat nach dem Sturze vom Pferbe wahrscheinlich zwei Stunben in dem Wasser gelegen. Auch fand ich ihn mit dem Gesicht nach unten liegend, da muß er doch ertrunken sein."

Es ist eben nicht die geringste Aussicht vorhanden, Herrn Rustan in's Leben zurückzurufen," entgegnete Pohlmann.Wir werden wohl am besten thun, wenn wir den Leichnam jetzt hier lassen."

Wir werden ihn auch schwer hier fortbringen können," bemerkte Berner.

Dann ist es aber auch besser, wenn die Polizei, um allen üblen Gerüchten vorzubeugen, selbst den Leichnam an Ort und Stelle des Unglücks aufhebt," erklärte der Director Pohlmann. Bleiben Sie also hier, Berner, und halten Sie bei der Leiche Wache. Ich werde sehr rasch in die Stadt zurückfahren und die nöthige Meldung machen."

Pohlmann wandte sich zum Gehen, dann aber plötzlich umkehrend, sagte er noch:Sehen Sie doch einmal nach, Berner, ob an der Leiche vielleicht eine Blutspur oder sonstige Verletzung wahrzunehmen ist. Es wäre doch nicht unmöglich, daß ein Verbrechen begangen wurde. Auch wollen Sie nach­forschen, ob Uhr und Geldbörse noch bei dem Verunglückten vorhanden ist. Ich habe in der ersten Aufregung gar nicht daran gedacht, danach zu sehen."

Uhr und Börse ist hier," entgegnete Berner, die Leiche untersuchend,also scheint ein Verbrechen ausgeschlossen zu sein. Und an dem Körper sehe ich auch keine Verwundung, nur scheint bei dem Sturz vom Pferde Herr Rustan einen starken Stoß vor den Kopf erlitten zu haben, denn hier an der linken Seite desselben ist eine starke Abschürfung der Haut noch unter den Haaren zu erkennen."

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