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Donnerstag, den 6. September.

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In den Fesseln der Schuld.

Criminal-Novelle von C. Sturm.

(Fortsetzung.)

Leichenblaß und am ganzen Körper zitternd, hielt Pohl« mann den Brief der unglücklichen Rustan in den Händen und sank taumelnd auf einen Stuhl. Der bis vor einer Stunde noch so stolze und hoffnungsfreubige erste Director der Central» Commerzbank war von dieser entsetzlichen Nachricht ganz nieder­geschmettert. Es dauerte einige Minuten, ehe er den auf die Brust gesenkten Kopf wieder erhob und in der furchtbaren Lage neue Pläne zu fasten suchte. Mühsam, keuchend richtete sich dann Pohlmann von dem Stuhle auf und schritt nach dem Ofen im Zimmer. Mit zitternden Händen öffnete er die Ofenthür und schob den Brief Rustans in den Ofen. Dann brannte er den Brief an und überzeugte sich durch wiederholtes Nachsehen, daß auch der Brief durch die Flammen vollständig vernichtet war.

Die erste und leichteste Arbeit ist gethan," murmelte er dann mit bebenden Lippen,nun aber kommen die schweren, die Vertuschung der großen Defizits in der Kasse und den Wertheffecten der Central-Commerzbank und dann das Engage­ment eines neuen Directors. O, wie mir dieser Hillessen, dieser freche Emporkömmling, zuwider ist. Aber Rustan hat vielleicht doch Recht, Hillessen ist ein ehrgeiziger Streber, ein erzschlauer Fuchs und ein tollkühner Speculant, der oft großes Glück hatte. Er ist vielleicht doch der allein richtige Mann, den ich in dieser Situation zum Mitdirector brauchen kann. Dazu besitzt Hillessen ziemlich viel Vermögen und ein weites Gewissen. Und ich? Ich muß weiter gegen Sturm und Wogen kämpfen wie ein verzweifelter Capitän auf zerbrochenem Schiffe. Es bleibt mir gar keine andere Wahl oder ich muß mit Schimpf und Schande und dem Fluche ungezählter Be­trogenen beladen zu Grunde gehen."

Pohlmann ging jetzt hastig daran, in verschiedene Bücher, welche er sich von einem Comptoiristen aus einem feuerfesten Schranke reichen ließ, falsche, den schlechten Finanzstand der Central-Commerzbank noch besser vertuschende Eintragungen zu machen, und dann wartete er mit wachsender Ungeduld auf den Comptoirdiener, den er vor einer Stunde in die aller­dings ziemlich entfernt gelegene Wohnung Rustans geschickt hatte.

Endlich kam der Comptoirdiener Berner keuchend vor Hast und Aufregung zurück-

Es muß ein großes Unglück pasfirt sein, Herr Director,"

meldete er mit fliegendem Athem.Frau Director Rustan sagte mir unter Thränen, daß ihr Mann heute früh vor sieben Uhr schon weggeritten sei, aber bis jetzt noch nicht zurückgekom» men ist. Und da ich aus ihre Frage sagen mußte, daß auch in der Bank Niemand etwas von dem Verbleib des Herrn Directors Rustan wisse, so fiel sie mit einem Schreckensschrei in Ohnmacht."

Ich befürchte auch, daß Herr Rustan verunglückt ist," erwiderte Pohlmann, mit Mühe feine Unruhe niederkämpfend. Ich werde sofort eine Meldung an die Polizei schreiben, wir wollen uns aber auch gleich selbst auf die Suche machen, um nach dem Verunglückten zu forschen. Ich kenne die Wege, welche der Director Rustan auf seinen Spazierritten einzu- schlagen pflegte, und vielleicht finden wir ihn eher, als die Polizei. Sie begleiten mich, Berner I Bestellen Sie meinen Wagen und bringen Sie gleich dieses Billet meiner Frau."

Mit fieberhafter Eile schrieb Pohlmann einige Zeilen auf ein Billet, worin er seiner Frau mittheilte, daß vermuthlich dem Director Rustan auf seinem Spazierritte ein Unglück zu­gestoßen sei und daß er, Pohlmann, deshalb zu seinem großen Bedauern heute Mittag zum Empfange des Professors Galen nicht anwesend sein könne. Frau Pohlmann solle aber ganz im verabredeten Sinne den Professor empfangen und dessen Werbung um Carola auch im Namen des Vaters annehmen.

Dann übergab er das Billet dem Comptoirdiener, welcher rasch davon eilte, und Pohlmann schrieb inzwischen noch eine Anzeige über den wahrscheinlich dem Director Rustan zuge­stoßenen Unfall an die Polizei. Diese Anzeige sandte er aber nicht direct, sondern durch die Post, denn er hatte ein gewisses Interesse daran, daß die Polizei möglichst später als Pohl­mann selbst den verunglückten Rustan fände, resp. recognoscire, denn man konnte ja nicht wissen, in welchem Zustande Rustan aufgefunden wurde. *

Es dauerte eine gute halbe Stunde, bis Berner mit der Pohlmann'fchen Equipage zurückkam und der erregte und doch auch tief niedergeschlagene Bankdirector hatte es inzwischen für nöthig befunden, seine gesunkenen Lebensgeister durch einige Glas kräftigen Rothwetn, den er immer in einem kleinen Schranke seines Arbeitszimmers vorräthig hatte, wieder auf­zufrischen.

Auch dem Comptoirdiener Berner schenkte heute der Direc­tor großmüthig ein Glas Wein und bemerkte dabei:Stärken Sie sich, Berner, denn es kann sein, daß wir eine traurige Arbeit bekommen, einen Verwundeten oder gar Tobten nach Hause zu geleiten."