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Lange nach Mitternacht suchten Beide das Lager.Der liebe Gott gebe seinen Segen, daß Alles zum guten Ende ge­lange," sprach die Alte, indem sie sich die feuchten Augen trocknete.

Neuntes Kapitel.

Mit eiligen Schritten stapfte Malwinchen, das Dicke, zur Wohnung des Commisiarius Caspari, um dessen Schwester Helmine die überraschende Neuigkeit zu bringen, welche sich am vorhergehenden Abend über Bardenstein und Sibille König wie ein Lauffeuer verbreitet hatte.

Alwine, die Große, war ihr bereits zuvor gekommen; mit zornig funkelnden Augen stand die gewichtige, breite Frauengestalt in Helminens Zimmer und sprach heftig auf die Freundin ein-

Wie kann der Mann nur einen so unverzeihlichen Miß­griff machen I" wandte sie sich, ohne erst zu grüßen, an die ein­tretende Malwine.Hatte er nichts Besseres zu thun, als sich einer solchen Bauerndirne an den Hals zu werfen?"

Ja, Du hast recht, es ist abscheulich," versetzte Malwine übereinstimmend,doch einen Gruß möchte ich Euch erst bieten und schönen guten Morgen sagen. Seit fünfundzwanzig Jahren hoffte man darauf, daß sich einige junge Männer zeigen möch­ten in diesem kleinen Orte oder in unserer Nähe. Stets raffte der Krieg sie weg; nun haben wir zehn Jahre Frieden, ein einziger Mann erscheint"

der unserer würdig und ebenbürtig wäre," fiel Al­wine aufgeregt dazwischen,um schon nach einem halben Jahre, ehe man ordentlich bekannt geworden, von dieser unseligen Dirne hinweggeschnappt zu werden."

Kränkt das Mädchen nicht durch solche haßerfüllte Aus­drücke," mahnte Helmine;ich habe es in Hofpredigers gesehen und gesprochen und sage Euch: es ist schön und sympathisch, wie ich selten Jemand fand, es ist keine gewöhnliche Bauern­dirne, wie Ihr meint-"

Wenn ich sie nur einmal unter die Hände bekäme und an sie dürfte," knirschte die kleine, dicke Malwine;ich wollte ihr die hübsche Fratze mit Nadeln zerreißen, daß sie aussehen sollte wie eine Vogelscheuche!"

Und ich möchte Dir dabei helfen!" rief Alwine.

Nun sagt mir doch, Ihr Guten, warum seid Ihr denn so entsetzlich erbost?" fragte Helmine sanft.Wolltet Ihr denn Beide den Rentmeister hetrathen?"

Nein, gar nicht!" antwortete Alwine.

Aber ja doch oder ich weiß er eigentlich nicht," ver­setzte Malwine.Du hast ihn meiner Treu am eifrigsten ver­ehrt."

Mir scheint, für unser Alter ist der Mann zu jung," stroibcttc $elmitte*

Dar ist ja gerade das Mißgeschick," rief die heißblütige Alwine.Fünfundzwanzig Jahre der besten Zeit opfert man und wenn man glaubt, nun winkt die Hoffnung, ist Alles eitel. Ich sage Euch, jetzt, da ich weiß, was der Mann für einen Geschmack hat, hätte ich ihn abgewiesen, wenn er zu mir ge­kommen wäre."

D'rum ist es am besten, wenn wir Drei uns zusammen trösten, liebe Alwine," beschwichtigte Helmine.

Ich will aber nicht getröstet sein," fuhr Alwine auf. Führe nicht solche Reden, ich kann das süße Gethue nicht hören. Ich hasse diese Person bis auf's Blut, ich könnte sie hier tobt vor mir am Boden liegen sehen."

Das ist Gotteslästerung," entgegnete Helmine;das Mäd- chen hat Dir nie etwas zu leide gethan, es ist brav, gut und fein, wozu der Haß!"

Schweig' mir mit Deinen zarten Reden, ich kann sie nicht ausstehen."

Sonst sagst Du doch oft: ich spräche wie ein Buch und meine Worte hörten sich an wie ein Gedicht."

Doch diesmal klingen sie mir wie holperige Knittelverse," rief Alwine und sprang auf.Ich hasse das Weib und Alle, die für sie sprechen."

Ich hasse sie auch!" rief Malwine.Noch nicht lange

ist es her, da erklärte Johann Kurz, der dort drüben wohnt: sein Sohn habe die Dirne heirathen wollen, sei aber abgewiesen worden."

Der junge Kurz ist ein roher Mensch und der Alte steht in üblem Rufe."

Für diese eingebildete Fratze wäre der Bauerntölpel gut genug gewesen."

Das Mädchen ist aber gar nicht eingebildet, sondern be­scheiden und gut."

Wir hassen es Beide!"

Und Dich Haffe ich jetzt auch!" rief Alwine, von heftig­stem Zorne erfaßt.

Von der Beilstein sollen die Hexereien seit Jahren aus­gehen, sie hat es nur schlau zu verbergen gewußt-"

Die Junge heißt nicht umsonst die Hexe von Bingen­heim, nicht bloß, weil sie ein glattes Fratzengesicht besitzt- Ich hasse Beide!" rief nun auch Malwine und erhob sich. Ohne Gruß eilte sie zur Thüre hinaus, Alwine folgte auf dem Fuße.

Wie tief beklage ich das unschuldige Mädchen," sprach Helmine, nachdem die beiden zornigen alten Jungfern ver­schwunden waren. (Fortsetzung folgt.)

Der Bienen-Vetter.

Eine Heide-Novelle von C. Crom e - S ch iv ienin g.

(Fortsetzung.)

Der Referendar hatte die jungen Puten nach Gebühr bewundert und dabei ein klein wenig geheuchelt. Die gefiederte Gesellschaft des Hühnerhafes war ihm sehr gleichgüttig, aber es sah reizend aus, als die gackernde und krähende Schaar Marie nmringte und sich an das junge Mädchen herandrängte. Tauben flatterten vom nahen Scheunendach herzu, und eine davon flatterte auf ihre Schulter. Als sie nun mit zärtlichem Wort nach der Zutraulichen sich umwandte, schien es Fritz Gerding, als habe er nie ein schöneres Menschenbild gesehen, als seine Cousine, und ein heißes Gefühl flammte in ihm auf. Unwillkürlich trat er einen Schritt näher heran es war ihm, als dürfe er die unschuldige Liebkosung der Taube nicht dulden. Aber das gefiederte Volk verstand sein Nähertreten falsch. Schreiend und flügelflatternd stoben sie auseinander, so daß der junge Mann fast betreten zurücktrat.

Sie kennen Dich nicht!" sagte Mariechen ruhig, indem sie die Taube sanft von ihrer Schulter entfernte.Wir haben uns wohl auch lange genug hier aufgehalten. Wollen wir in den Garten gehen?"

Wohin Du willst!" sagte Fritz lebhafter als sonst.

Vor dem Gartenpförtchen stand ein etwa achtjähriges flachshaariges Mädchen, barfuß, in dem runden rothen Ge­sichtchen und an den Händen deutliche Spuren ihrer Spiel- thätigkeit an der abseits gelegenen kleinen Lache tragend, in die soeben einige Enten, vor den Daherkommenden fliehend, schnatternd hineinwatschelten. Als die kleine Marie sie er­blickte, kam sie mit dem freudigen Rufe:Fröken Marie! Fröken Marie!" herangestürzt und hielt sich an den Kleidern des jungen Mädchens fest.

Guten Tag, Lenchen!" sagte diese und strich über des Kindes Blondhaar.

Pfui, wie schmutzig Du bist!" rief Fritz Gerding. Wie kannst Du mit solchen unsauberen Händen das Fräulein anfassen. Marsch fort!"

Das Kind lief verschüchtert einige Schritte zur Seite und richtete die müden wafferblauen Augen, in denen es naß sich zu regen begann, auf Marie.

Der Herr hat Recht," sagte diese.Geh und wasch' Dich, Lenchen. Und grüße Deine Mutter von mir, hörst Du?'<

Von den gütigen Worten schnell getröstet, nickte die Kleine und fuhr mit der Rückenfläche der rechten Hand über Augen und Nase. Dann starrte sie mit offenem Munde dem Paare nach, das jetzt im Garten verschwand.