Wie kannst Du Dich nur mit solchen Kindern abgeben 1 brach Fritz Gerding das eingetretene Schweigen.

Es ist das jüngste Kind eines Taglöhners von uns, der im vorigen Jahre starb; die Malerne, seine Frau, verrichtet jetzt Botendienste. Die Eltern unterstützen sie, und besonders das Kleinste, das Lenchen, hat Heimathsrecht hier bei uns." Das kam alles so ruhig und gleichmäßig von den Lippen des schönen Mädchens, als gäbe es nichts, das selbstverständ­licher wäre.

Und Du gefällst Dir in der Rolle einer Protektorin schmutziger Bauernkinder, Marie Du, die" Er vollendete nicht, denn seine Cousine hatte sich ihm mit einem Ausdrucke in den Augen zugewandt, der ihn schweigen machte.

Das war nicht hübsch, Fritz!"

Verzeih!" bat er reuig.Aber mir widerstrebte es, als ich das Ding da sich an Dich schmiegen sah."

Sie erwiderte nichts, aber ihre Schritte nahmen ein schnelleres Tempo an, bis sie die Mitte des parkähnlichen Gartens erreichten. Eine weite Rasenfläche, grün umbuscht, dehnte sich vor ihren Augen, in der Mitte spiegelte sich die Sonne in dem krystallklaren Wasier eines kleinen Weihers.

Wie schön ist es hier!" rief der Referendar, und auf eine offene grottenähnliche Laube deutend, bat er:Laß uns hier niedersetzen!"

Sie folgte ihm schweigend und nahm Platz. Er lehnte sich an die aus Baumästen geformte Bank und sah sie an. Seine Brust weitete sich die Sonne schien ihm goldener als je, und sich halb zu dem Mädchen niederbeugend, sagte er stockend:Weißt Du, Mariechen weißt Du, daß Du schön bist!"

Es ging wie ein jäher Ruck durch die schlanke Gestalt neben ihm; der Kopf mit dem weichen braunen Haar fenkte sich tiefer herab, aber in den Schläfen stieg es empor. Er wollte seine Hand auf ihren Arm legen, dessen runde Formen durch den dünnen Mousselin des Kleides sichtbar wurden, aber eine schnelle Bewegung Mariens hinderte ihn daran.

Laß das" sagte sie kurz, ohne daß der Ton den freundlichen Klang verloren hätteund sag das nicht wieder. Ich mag das nicht hören!"

Wie so anders Du bist als andere Mädchen!" sagte er warm.Und doch ist mir, als müßtest Du so sein in dieser ganzen Umgebung. Aber imposanter noch denke ich Dich mir in der Gesellschaft, in hauptstädtisq>er Umgebung, als Herrin eines Kreises--"

Jcb weiß nicht," sagte das Mädchen träumerisch,mir ist, als könne ich an keinem anderen Orte leben. Jeder Baum hier, jeder Stranch kennt mich, und ich kenne ihn; ich sah die jungen Bäume wachsen, wie die alten mich. Jeder Fleck Erde hier ist mir vertraut, und die Haide dort drüben hat's mir angethan."

Dort in der Haide wohnt ja wohl Vetter Hinrik!" warf Fritz unmuthig ein.

Sie sah ihn erstaunt an. Fremder noch berührt von dem rauhe« Tone, in dem er diese Worte sprach, als von den Worten selbst.

Vetter Hinrik? Wie kommst Du auf den?"

Ich nun", er suchte nach Wortenmir scheint, Du hegst Interesse für ihn!"

Für Vetter Hinrik!" fragte sie, sich ihm voll zuwendend. Ich glaube, der würde das nicht einmal merken!"

Der Aerger darüber, das Gespräch hierzu geführt zu haben, reizte den Referendar nur noch mehr.

Und wenn er nun käme und Dich heirathen wollte!" rief er eifersüchtig. Sie fuhr wie erschreckt empor:Das ist ein schlechter Scherzi" Aber dann lachte sie fröhlich auf: Vetter Hinrik, unser menschenscheuer Bienen-Vetter, mich heirathen ha, ha, ha ja, wenn ich eine Biene wäre--

aber--" sie unterbrach sich selbst, ein wunderlicher Gedanke

kam ihr---

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Halloh!" schrie er zur Linken hinter den Büschen und auf den Weg hinaus traten der Oberamtmann und seine Gattin.

Wo steckt Ihr denn, junges Volk!" rief er, mit dem Stocke winkend.Zum Kaffee! Zum Kaffee!" secundirte ihn die Frau Oberamtmännin.

Papa, Mama!" rief Marie fröhlich; jeder Gedanke an das voraufgegangene Gespräch war im Nu aus ihrem Kopfe entschwunden. Sie klatschte in die Hände.

Wer zuerst bet den Eltern ankommt, Du oder ich!" rief sie und flog auch schon behend' wie eine Gazelle den feinbekiesten Weg hinab! (Fortsetzung folgt.)

Gemeinnütziges.

Zur Harrswirthschaft. In den an Ungeziefer reichen Jahren kann man in der Küche nicht vorsichtig genug sein, wenn man in dem Gemüse und Salat nicht zugleich einen un. willkommenen Braten mit angerichtet haben will. Um Schnecken, Würmer u. s. w. aus Gemüse und Salat zu entfernen, wer­den die Blätter, statt in gewöhnliches Wasser, einen Augenblick in Salzwaffer gelegt und darin wie beim Waschen tüchtig durchgeschüttelt. Alles Ungeziefer wird dadurch sofort getödtet oder betäubt und fällt ab, was bei Anwendung von bloßem Wasser nicht der Fall ist.

Milben vom Mehl abzuhatten. Nachdem man zuvor das Mehl einen Tag lang an freier Luft abgetrocknet, thut man es in einen Sack und steckt einige völlig entblätterte Reiserchen vom Ahornbaum, die ebenfalls zwölf Stunden an der Luft gelegen haben müssen, darein. Die Milben können den Ahorngeruch durchaus nicht vertragen und meiden das auf diese Weise zugerichtete Mehl, das dadurch auch nicht im Min­desten von seiner Güte etwas verliert.

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Rothe Sonnenschirme sind gesundheitsschädlich. Unsere Leserinnen seien gewarnt vor den rothen Sonnenschirmen. Die rothe Farbe ist für die Augen sehr schädlich und dies umsomehr, wenn die Sonne darauf und hindurch scheint, wie dies bei Sonnenschirmen ja unvermeidlich ist. Ist die rothe Farbe den Erwachsenen schon so nachtheilig, so ist dies noch in erhöhtem Grade bei den Kindern der Fall. Man schaffe darum den Kindern keine rothen Sonnenschirme an, so sehr dieselben auch den Kleinen gefallen mögen, und dulde auch nicht, daß die Mädchen, welche die Kinder auf dem Arme tragen- solche haben.

Vermischtes.

Dem französischen Lustspieldichter Scribe wurde von einem schöngeistigen Bankier eine bedeutende Summe geboten, wenn er dessen Namen als Mitschöpfer auf einem seiner neuen Lustspiele nennen wolle. Scribe lehnte diese un­gereimte Zumuthung kurzweg ab und bemerkte in seiner Ant­wort: Man könne unmöglich ein Pferd und einen Esel zu­sammen spannen. Der Bankier erwiderte:Ihren Absagebrief habe ich erhalten, wie kommen Sie aber dazu, mich für ein Pferd zu halten?"

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Aufenthalt. Herr (zurZofe seiner Gattin):Es ist schon Zeit, in's Theater zu gehen und ich habe meiner Frau versprochen, sie mitzunehmen. Wissen Sie nicht, wo sie seit zwei Stunden ist?" Zofe:Ja, in Verlegenheit, welches Kleid sie anziehen soll."

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.

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