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misch mit den Armen umschlang. „Und wenn die Welt voll I „Die späteren Jahrhunderte werden mit Wehmuth und Teufel wär', ich ließe Dich nicht länger; mein bist Du und | Abscheu auf unsere Greuel blicken," sprach Bardenstein, „es sollst Du bleiben in Ewigkeit." — Er küßte ihr immer und I gibt weder Zauberer noch Hexen."
immer wieder den heißen, kleinen Mund und preßte sie stür- I Die Wanderer langten jetzt am Friedhöfe an, der dicht misch an'S Herz. I am Nordende Bingenheims liegt.
„Gib Antwort," sprach er. „Hast Du mich lieb?" I „Lasset mich nieder," bat Sibille, „die kurze Strecke nach >--- „Ja, für Zeit und Ewigkeit," sprach sie schluchzend. I Hause werde ich gehen können, der Fuß schmerzt nicht mehr." „Was daraus werden soll, wird Gott wiffen-" I Behutsam setzte Bardenstein die Geliebte nieder; einige
„Wie bist Du hierher gekommen?" I Schritte riesen den Schmerz, der durch Sibillens Glücksgefühl
Sibille erzählte mit kurzen Worten, was sie in wenigen I vergessen worden war, heftiger hervor.
Stunden körperlich und seelisch gelitten- „Es geht nicht," sprach sie stöhnend. „Ich will hier
tz j „Das ist Glück im Unglück!" rief Bardenstein, indem er harren; bitte, Herr, klopft an das nächste Fenster, daß man
die holde Gestalt noch einmal in die Arme nahm und glühend Hülfe bringe, durch das Dorf dürft Ihr mich nicht tragen."
küßte. Sibille umschlang den Hals des Geliebten, preßte ihr „Du gehörst zu mir und bist mein geworden - und ich Gesicht in beffen Locken und fing heftig an zu weinen. soll Dich in Noch und Schmerzen verlassen! Durch Wasser
„Wir müssen den Schuh von dem Fuße schneiden," sprach und Wüste, durch Schnee und Eis, durch Sturm und Wetter
Bardenstein nach einigen Minuten. „Willst Du mir den Fuß werde ich Dich tragen und führen, wenn Du Hülfe bedarfst,
anvertrauen?" | Komm' auf meinen Arm, ich schäme mich Deiner nicht.
„Ihr seid mein Herr und Gebieter, war Ihr thut, ist Er umfaßte die schlanke Gestalt und hob sie empor, recht gethan." - I Sibille ließ es geschehen. Bald war der Platz vor dem Rath-
Vorsichtig trennte Bardenstein mit scharfem Messer den Hause erreicht. Eine große Menschenmenge war versammelt. Schuh weg; der heftige Druck verschwand, als das pressende Keuchend kam der Büttel gelaufen, fast hätte er den Rent- Leder beseitigt war, die Schmerzen milderten sich. meister umgerannt.
„Nun gib Dein Tüchlein her, mein Lieb, daß ich den „Herr! Herr von Bardenstein, was ist geschehen, wen Fuß einhülle. Der Nachtwind weht kühl. Zu Hause mußt traget Ihr hier?" fragte der Büttel und zwanzig neugierige Du kühlende Umschläge machen, gebrochen ist nichts," sprach Menschen reckten die Köpfe höher empor, um besser sehen zu der Verständige. können. , „ „
Als Alles geordnet war, sprach Bardenstein weiter: I „Es ist Sibille König, der Beilstein Wittwe Enkelin, „Gehen kannst Du nicht, Billi; ich nehme Dich auf den Arm war die Antwort. „Sie hat den Fuß gebrochen, gebt Acht, und trage Dich nach Hause. So bringt uns die erste Stunde Leute, daß Ihr die Verletzte nicht schädiget. Aber sagt mir, unserer Liebe alsbald ein gemeinsames Tragen, Denken, Fühlen I warum ist der Auflauf hier?'' und Wandern durch das Erdenihal. Ich deute es als ein I „Ihr wisset vielleicht noch nicht, antwortete der Buttel, gutes Zeichen, daß ich Dir Hülfe, Trost und Stütze sein kann." indem er neben dem weiterschreitenden Rentmeister herging, „Ihr sprecht so zuversichtlich, Herr!" antwortete Sibille, I „daß heute Nachmittag Eli, ein jüdischer Handelsmann, wegen indem sie die Arme um den Hals des Geliebten schlang und I Hexereilasters in's Gefängniß geworfen und mit Ketten geben Mund nahe an befielt Ohr brachte. „Mir pocht bas Herz, I fesselt worben ist. Hat sich aber doch befreit, benn der Teufel wenn ich daran denke, was das werden soll. Ich bin ein I hat ihm die Ketten zerbrechen helfen, also daß er mit einem armes, geringes Weib, Ihr seid aus angesehenem Hause. Mit Stück Ketten am Arm, dem Schlosse am Fuß und den Hand- heißem Flehen bat ich Gott, meinen Sinn von Euch weg- schellen auszureißen vermochte. Die Häscher wurden tym zulenken und er hat es so gewendet, wie ich es unmöglich I nachgeschickt; jetzt sind Alle zurückgekommen, keiner konnte ihn ahnen konnte. Das ist Gottes Finger. Mit gläubigem Ver-I greifen." , r .
trauen nehme ich hin, was geschah. Mag es kommen, wie im | „Es ist gut, Büttel, geht wieder zurück und haltet ein
Buche des Lebens geschrieben steht; ich nehme das Schwerste I andermal besser Wacht," bemerkte Bardenstein.
hin für diese eine Stunde voll unaussprechlicher Seligkeit." Vor dem Häuschen am Ende der Beundegafie stand die „Fürchte Dich nicht," antwortete Bardenstein, indem er alte Beilstein und schaute ängstlich nach allen Richtungen, ob mit der süßen Last auf dem Arme vorwärts fchritt. „Ich liebe die Enkelin nicht bald heimkäme. *
Dich mehr, als es Worte auszudrücken vermögen. Mein Herz I „Um Gott, Herr! Wer seid Ihr und was bringt Ihr
drängte sich Dir entgegen, obgleich Du mich zurückwiesest. Ich I mir?" fragte die Alte ängstlich.
fühlte Schmerz darüber, empfand aber hohe Achtung vor Dei- | „Nur Gutes," war Bardensteins Antwort. „Lasset uns item Pflichtgefühl und Deinem edlen Stolze. Nun ist das eintreten, Ihr sollt Alles erfahren."
anders geworden. Uns hat Gott und die heilige Liebe zu- I So schnell es die alten Glieder erlaubten, eilte die Groß sammengesührt, menschliche Gewalt wird uns niemals scheiden." mutter zur Thüre, öffnete und ließ den Lastträger eintreten.
Sie kamen aus dem Walde heraus an den Ort, wo einige | „Hier habt Ihr sie," sprach Bardenstein, indem er seine Monate vorher der Ueberfall durch die rohen Burschen statt- | schöne Last auf einen Stuhl gleiten ließ. „Zwar der Fuss ü fand. etwas verstaucht und schmerzt nicht wenig, doch sonst ist Alles
„Hier ruhete ich einen Augenblick an Eurem Herzen!" j heil und gesund, nicht wahr, mein Liebstes?" sprach Sibille und deutete nach der Stelle. Bei diesen Worten strich er Sibillen die Stirnlocken zurück,
„Kaum eine Stunde ist verstrichen, seit ich mir jenen I küßte ihr bett rothen Mund, reichte ber Alten die Hand und herrlichen Augenblick in's Gedächtniß gerufen," erwiderte fuhr fort: „Wohl möchte ich hier bleiben und den beschäbigten Barbenstein. „Wenn ich braußen allein für mich hinwanberte, j Fuß heilen helfen, aber es geht nicht. Sibille wirb Euch schloß ich die Augen und stellte mir im Geiste vor, wie es I sagen, wie sich unsere Herzen gesunden. Gute gewesen, als ich damals Deine holde Gestalt umfangen hielt." versteht mit Kräutern Schmerzen zu lindern und Wunden zu
Der Weg führte dicht am Löwenbuschhügel vorbei. Sibille heilen, das wird Euch bald gelingen, ich weiß es.
zitterte heftig und deutete nach den Brandpfählen, an welche | Noch einmal strich er der Geliebten über das lockige die unglücklichen Hexen angekettet und um welche die Scheiter- Haupt, dann verschwand er durch die Thure.
Haufen geschichtet wurden. Scharf hoben sich die Conturen Die Alte stand sprachlos, Sibille lachte und weinte- der Pfähle, die wie ausgestreckte Finger nach dem Himmel Schnell entfernte die Erstere das Tuch und dm Strumpf von
deuteten, in der klaren Nachtlust ab. Einer dieser Pfähle dem zierlichen Fuße und untersuchte den letzterem iss
hatte während des Sommers ausgetrieben und kleine Zweig- eine heftige Verstauchung, aber kein Bruch. Einige Tage W
lein gebildet. und Kräuteraufschläge, welche die Geschwulst dämpfen, werden
„Es ist entsetzlich!" flüsterte sie und preßte sich, wie Dich wieder Herstellen," sprach die kundige Alte. „Doch nun
Schutz suchend, inniger an den Geliebten. * erzähle, liebes Kind."


