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Mit diesen Strophen verklang das Lied trostlos, öde. War das nicht auch ein Omen?"
Werther schwieg lange, bis ihn Lauras Stimme aus seinen Träumereien mit der Frage weckte: „Waren Sie öfter auf Jrenenstein?"
„Ja, in meinen Knabenj-rhren, Fräulein I" erwiderte der junge Mann.
„Wie weit mag es von dort bis Hennigstedt sein?"
„Was wollte sie denn in Hennigstedt? „Ah, weibliche Neugier! Wahrscheinlich nichts weiter!" dachte Werther.
Dann beschrieb er die Entfernung nach Hennigstedt und verabschiedete sich.
Der tiefe Eindruck, den Laura auf ihn gemacht, hatte sich verstärkt. Ec wollte jetzt fleißig sein, seine Examen machen und dann — um Laura freien.
Der alte Helwig war wie verjüngt. Das hatte aber auch seinen guten Grund. Werther hatte sich ganz und gar verändert und der Kaufherr sah frohen Herzens in die Zukunft- Es war selbst dem alten Gröhlmann ausgefallen, daß der junge Herr so fein ehrbarlich lebe. In der That hatte sich Werther jetzt ganz aus den Wirthrhäusern zurückgezogen, dagegen war er, so weit er nicht seinen Studien oblag, jeden Nachmittag im Woland'schen Garten zu finden.
Werthers Vater wiegte bei dieser Wahrnehmung den Kopf bedachtsam hin und her und meinte zu seiner Frau: „Die Laura wäre mir schon als Schwiegertochter recht, und eine ehrbare geheime Liebe hat oft vortheilhaft auf einen jungen Menschen gewirkt!"
„Das meine ich auch!" setzte Frau Helbig hinzu und die Eltern hofften von der Herzensneigung des Sohnes das Beste.
Daß aber mit der Lectüre des Werther von Goethe eine glühende Leidenschaft in des Sohnes Brust gezogen, ahnten die Eltern nicht, denn die äußerliche Ruhe Werthers war nur Marke und in ihm tobte ein Vulkan, deffen Ausbruch ein Zufall herbeisühren konnte.
Am zweiten Tage nach Entlehnung des Buches saß Werther mit dem Werk, das einen so dunklen Schatten auf seinen Weg werfen sollte, im väterlichen Garten.
„Ist der Mensch," so dachte er, das Buch zuklappend, „nicht ein Product seiner Lage, ein Ball in der Hand des Schicksals? — Und — liebt sie Dich wieder, Werther? — Thörichte Frage! Ihr Herz ist ja noch frei; ich werde es mir erobern! Die kleine Sophie hat Recht, es ist ein Omen, daß ich Werther heiße, aber müffen denn alle jungen Männer, die diesen Namen tragen, den ihnen der Zufall verliehen, unglücklich sein? O nein, Laura wird die Meinige; meinem Fleiße wird es gelingen, den Doctorhut bald zu erwerben und dann — Laura, dann ist's Zeit, offen anzuklopfen und zu fragen: „Willst Du mein fein?"
Werther stand auf und rief Hector, der im Schatten ein Schläfchen gemacht, stieg zu seinem Zimmer hinauf, nahm ein Pistol von der Wand, untersuchte deffen Ladung und steckte es in die Tasche seines blauen Gehrocks, ergriff Hut und Stock und schritt der Brücke zu, umschmeichelt von Hector.
Jetzt betrat er den Osterhagen, ein großes Gehölz, welches sich bis zum Jrenenstein und darüber hinaus fortsetzte.
Hier warf er sich unter einer knorrigen Eiche im grünen, schwellenden Waldmoose nieder und blickte zum lachenden Sonnenhimmel, der hier und dort zwischen den Laubkronen sichtbar ward, hinauf, wobei er seufzte und ein paar Mal leise den Namen Laura rief. Dann zog er das Buch „Die Leiden des jungen Werther" hervor und las jene Stelle, wo derselbe die Geliebte zuerst erblickt. Ein Schauer des Entzückens verklärte dabei das Gesicht des jungen Mannes, und ein Sonnenstrahl, der durch das dichte Laubdach brach, fiel gerade auf sein Haupt, als wolle er den schönen jungen Mann mit einem Glorienschein umweben- Müde ließ Werther dann den Kopf sinken und flüsterte: „Es muß sein! Der Vater
sieht ihn nicht gern bei mir und anderen Händen vertraue ich ihn nicht an! O Laura, wenn Du wüßtest, welches Opfer ich Dir bringe!" (Fortsetzung folgt.)
GeMeinniitziges.
Seidenstoffe glanzend zu plätten. Man legt die Stelle, welche man plätten will, zwischen 2 Bogen Papier und zieht sie während des Plättens langsam durch. In gleicher Weise werden seidene Tücher und besonders»Bänder, die ge> waschen sind, behandelt; da« Eisen darf jedoch nicht zu heiß sein.
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Um die Gläser gegen das Zerspringen zu sichern, bringt man dieselben in ein mit kaltem Waffer ge> fülltes Gefäß, läßt das Waffer über Feuer kochen und thut etwas Satz hinein. Nach einiger Zeit läßt man das Waffer wieder möglichst langsam erkalten. Ebenso gut läßt sich diese« Mittel bei Töpfergeschirr, Porzellan und Fayence anwenden.
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Brodeonsect. 500 Gramm weiße Mandeln reibt man durch die Maschine, wirkt dieselben mit 500 Gramm Zucker, 100 Gramm Mehl und nach Bedarf Eidottern zu einem festen Teig an, formt Bretzeln, 8, 8 rc. daraus, legt dieselben auf mit Butter bestrichenes Blech, läßt sie über Nacht trocknen und streift sie vor dem Backen zwei Mal mit Eigelb ab.
Vevinischtes.
Wenigstens etwas. Student: „Na, wie ist's Dir int Physikum gegangen?" — „Bin geraffelt. Aber die drei ersten Fragen hab ich doch ganz gut beantwortet." — „Wonach haben sie Dich den da gefragt?" — „Nach Namen, Geburtsort und Alter-"
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Alle Achtung! Maler: „Sehen Sie, das Haus da, das bewohne ich!" — „Was, das ganze Haus?" — „Allerdings ! Dort oben ist das Atelier, und in den übrigen Stockwerken sind die Wartesäle für die Kunsthändler."
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Auch eine Reliquie. Wittwe (schluchzend): „Sehen Sie, „Das ist noch der erste Besenstiel, den ich auf meinem Mann entzwei geschlagen habe."
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In den Ferien. Student: „Teufel auch, ist das 'ne langweilige Geschichte in so einem kleinen Nest; der Nachtwächter läßt sich schon gar nicht mehr sehen und die paar Gaslaternen sind auch in fünf Minuten ausgedreht!"
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Uebertrumpft. An einem Stammtische kommt eines Abends das Gespräch auf die Verheirathung, und einer bietet über den Anderen im Auftischen romantisch-idealer Geschichten. Ein Kapellmeister will sich sein Ehegespons aus einem Sängerfest ersungen, ein Profeflor das seine durch Vorträge erlesen haben. — „Das ist noch gar nichts," wirst ein Forstmeister dazwischen, „ich habe meinen Engel auf einem Schützenfest erschoffen."
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Ein Merkbuch. 31.: „Wie lange sind Sie schon ver- heirathet?" — B.: „Weiß nicht genau, da muß ich mal erst — meine Kinder nachzählen!"
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Kann stimmen. Gast: „Das Bier schmeckt mir nicht recht — das gestrige war viel besser!" — Wirthin: „Dar ist aber ja von gestern!"
Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


