Ausgabe 
5.5.1894
 
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1894.

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Samstag, den 5. Mai.

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Bingenheim meinen großgünfligen Hochgepiettenden jQCrttL"

Darauf wurde eine ganze Reihe von Gerichtsmännern, als Mathes Wenzel und Ebert Wolff von Bingenheim, Hilde- brand Port und Hans Wagner von Echzell, Heinrich Reul und G. Ostheim von Gettenau, zur Inquisition specialiter ver­ordnet und beeidigt und einer nach dem anderen absonderlich über des Schweinehirten von Bisses Ankunft, Leben und Wan­del vernommen und deponirten in Kraft ihrer Pstichten etwa Folgendes: <- ,

Mathes Wenzel und Ebert Wolf zu Echzell: Sie hätten schon den Vater des Schweinehirten gekannt; er stamme aus Ober-Widdersheim und habe int Geschrei der Zauberei gestan­den, sei lange Jahre im Kriege gewesen und seinen Sohn mit dabei gehabt, welcher als ein Hexenmeister, Hexenspielmann und Trummelschläger in der Gegend angesehen würde. Der Alte habe allezeit als ein Säufer, voll und toll und ein Zänker bei aller Leichtfertigkeit gewesen.

Hildebrand Pfortt und Hans Wagner deponirten: Der Schweinehirt habe schon lange in der ganzen Gegend im Ruf der Zauberei gestanden, doch könnten sie nicht wiffen, daß er sonderbaren Thaten bezüchtiget worden, außer daß bei seiner Frauen Zeit das gemeine Sagen gewesen, der Hexenzusammen­künste würden in seinem Hause gehalten; itzo wolle sich Nie- mand sein wahrnehmen.

Heinrich Reul und Georg Ostheim von Gettenau depo­nirten: Sie seien mit dem Schweinehirt vor ein Paar Jahren zusammen gewesen und mit ihm gesoffen, hätten ein Rohr ge- habt, damit zu schießen und wenn einer von ihnen hätte schießen wollen, habe es ihm der Schweinehirt mit einem ihm un­bekannten Spruche zugethan, daß er nicht schießen können. Sonst habe ihnen Hans Wagner von Echzell vor diesem er- zehlt, wie daß der Wagner von Biffes, Hans Jacob, zu ihm Hans Wagnern, kommen und geklagt: nun vor zwei Jahren, er Hans Jacob habe mit Willem Wolfen zu Gettenau ge- trunken und unwiß geworden- Als er nun heim nacher Bisses gehen wollen des nachts, seys ihme der Schweinehirt zweimal, erst auf der Erle Brücke und beim Brauhauß zu Echzell er­schienen, der ihn angreiffen wollen und dazu gesagt: ich will Dir den Hals umbdrehen, aber er habe laut gekrischen und Gott im Himmel angeruffen, also der Schwemehtrt wieder weg und er los kommen- Uebrigens sei das Geschwätz Zauberet halber hin und her so stark, daß oft außerhalb gefragt wor­den, ob er, der Schweinehirt, schon sitze oder verbrannt sei.

Für die damalige Zeit waren diese Aussagen so gra» virend, daß unverzüglich gegen den Hexenmeister eingeschritten werden mußte- Der Büttel erhielt allsogleich den Befehl: Den

Die Hexe von Bingenheim

Von,Gg. Schäfer.

(Fortsetzung.)

Im Nachsommer des Jahres 1652 ergingen Befehle des Justiz-Commiffarius Caspari an die sämmtlichen Schultheißen der Landgrafschaft Hessen-Bingenheim zu Echzell, Gettenau, Bisses, Blofeld, Berstadt, Dauernheim, Leidhecken, Bingenheim und Geiß-Nidda: sie sollten baldigst berichten, was sie über Leben und Wandel des Schweinehirten zu Biffes und dessen Sohn wüßten, gehört und erfahren hätten. Auch nach Mel­bach wurde ein Schreiben gerichtet, denn dort hatte sich der Schweinehirt vor Jahren eine Zeit lang aufgehalten.

Nach einigen Wochen trafen Nachrichten ein, thetls schrift­lich, theils mündlich; in Kurzem sei mitgetheilt, was die Schultheißen aufgestöbert hatten.

Der Schultheiß Nickolaus Zickwolf berichtet unier'm 13. September 1652 über die angeblichen Missethaten, welche der Schweinehirt von Bisses während seines Aufenthaltes in Melbach verübte, das Folgende:

Außsag derer Nachbar zu Melbach den 13. Septemp. 1652.

Adam laum vnd sein Haußfrauw sagt auß: Ja sein kindt sei krank worden zu derselben Zeit, vngefehr 5 Jahr vnd hab sich vbelgehabt vnd sei plötzlich gestorben.

Hanß Görg Welsch vnd sein Frauw sagen auß: Ja Ihr kindt sei krank worden vnd gantz auß gezehret, daß sie allzeit gesagt: Daß kindt ist ver Zaubert vnd von büßen leuthen angegriffen.

Johann Caspar grün vnd sein Haußfrauw sagen eben­mäßig: Ihr kindt sei plötzlich gestorben, aber sei niemandts böß damahlen in Ihr Hauß kommen.

Nikolaus Hitzge sagt: Ja sei Ihm ein schwein zu der selben Zeit gar geschwind! gestorben.

Bick Margret sagt: Ja sei Ihr eine geiß vor zwei Jahren gar geschwindt gestorwen.

Heinrich Zimmer sagt auß: Ja er habe zur selben Zeit ein krank Kuh gehabt, vor zwei Jahren, welche er selber gesagt, sie sei verzaubert gewesen.

Nickolaus Zickwülff.

Die Adresse dieses und verschiedener anderer Schreiben und Berichte lautete:

Denen HochwohlEvlen Gestreng Vndt Vornehmen Hochgelahrten Fürstlich Hessischen CantzleyRäthen zu