und in demselben Moment mit meinem Pferde in's Wasser jagen. Die Welt mag glauben, daß ich auf dem Spazierritt verunglückt und ertrunken sei, und der barmherzige Gott sei gebeten, mit mir Sünder nicht zu streng in's Gericht zu gehen. Ihnen habe ich aber Platz gemacht, sich einen neuen Mitdirector zu suchen und mit dessen Geschick und Glück vielleicht die Bank vor der drohenden Katastrophe zu retten. Ich empfehle Ihnen zu diesem Zwecke den Finanzmann Carl Messen. Sein Character ist zwar nicht ganz makellos, aber er ist ein verwegener und glücklicher Speculant, dabei ein Mann von großem Ehrgeiz und der Directorposten dürfte ihm so verlockend erscheinen, daß er ihn annehmen und dann auch Alles daran wagen wird, um die Bank zu retten oder doch so lange als möglich über Wasser zu halten. Leben Sie wohl, Pohlman». Retten Sie, wenn irgend möglich, die Bank und verbergen Sie, so gut es geht, meine Schande, selbst vor meiner armen Frau und meinen bedauernswerthen Kindern, für die ich nach Kräften gesorgt habe. Ludwig Rustan.
P. 8. Ich bitte Sie dringend, diesen Brief nach dem Durchlesen sofort zu verbrennen."
(Fortsetzung folgt.)
Gein-innÄtziges.
Mn Recept zur Bereitung des Sauerkrautes.
Gutes und haltbares Sauerkraut wird wie folgt gewonnen: Das Faß soll möglichst oben um 15 cm weiter sein als der Boden. Man brüht es 2 bis 3 Mal mit kochendem Wasser aus. Vorher thut man Spitzen von Wachholderbeerzweigen oder Va Pfund gut gestoßene Wachholderbeeren und 10 Gramm Kümmel hinein, das kochende Wasser läßt man einen Tag darin und spült mit kaltem Wasser nach. V« Liter Branntwein genügt zum letzten Umspülen, der Branntwein bleibt im Faß. Nachdem das Kraut gereinigt und gespalten ist, entnimmt man den Dorsch und die zu starken Rippen- Man hobelt oder schneidet dasselbe mindestens 5 mm breit, und so lang es nur werden kann. Hat man eine Parthie fertig, so salzt man es mit möglichst grobem Salz ein, mischt er durch und durch gut, doch immer recht schonend, daß die Nudeln ganz bleiben. Man nimmt auf 25 mittelgroße Köpfe 1 Pfund Salz und 10 Gramm Wachholderbeeren. Auf den Boden des Fasses kann man 10 cm hoch schöne gute Blätter legen, worin etwas Salz gethan wird. Nun schüttelt man das bereits gesalzene Kraut in's Faß und drückt es mit den Handknöcheln ein, immer nach Außen zu ja recht fest an's Holz. So verfährt man bis das Faß voll ist. Sauber gewaschene Blätter dienen zum Decken, und darüber gehört ein grobes Stück Leinwand, alsdann der saubere Holzdeckel und zum Schluß 25 bis 30 Kilo schwere Basaltsteine. 5 cm vom Rand setzt man mittels Nagelbohrers ein Loch und eine gelüftete Federspule ein, verkittet, wenn nöthig, letztere recht fest und überläßt das Faß dem Gährungsprocesse. Die Federspule dient zum Ablaufen des Schaumes. Auch die Leinwand nimmt eine Menge dicke Unreinigkeit auf. Alle 14 Tage muß die Leinwand, Deckel und Steine, sowie das leergewordene Faß mit reinem Wasser gut gereinigt werden. Ein solches Kraut hält sich, falls der Keller sich gut eignet, länger als ein Jahr und man kann getrost auf das Alte wieder Neues einmachen. Eine Holzkeule zum Einstampfen verwerfe ich gänzlich. Daß der Deckel aus zwei Theilen bestehen muß, ist wohl selbstverständlich.
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Um schwache Spargelpflanzen zu kräftigen, ist da» einzig sichere Mittel Ruhe für diese Pflanzen. Schon im Herbste soll man dieselben kenntlich machen und dann im Frühjahre von diesen Pflanzen nichts stechen, sondern alle
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Triebe auswachsen lassen. Wo da» Zeichnen der Schwächlinge im Herbste versäumt wurde, muß beim Hervorbrechen der Köpfe darauf geachtet werden, ob die betreffenden Sprosse von einem Schwächlinge herrühren. So geschonte Spargelpflanzen tragen im nächsten Jahre.gut und reichlich.
Um Ameisen aus Küchenschränken oder Plätzen, an denen Honig aufgestellt ist, zu vertreiben, wird ungelöschter zu Staub verfallener Kalk an diesem Orte herumgestreut, die Plätze wieder anfgewaschen, dann wieder Kalk gestreut. Ist jedenfalls das beste Mittel zum Schutze gegen Ameisen.
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Ein gutes Fleckwasser. Man nehme vier Eßlöffel voll Salz und schüttle das Ganze in einem Glase Wasser tüchtig durcheinander und wende es mit einem Schwamme oder wollenen Läppchen an. Mit dieser Flüssigkeit kann man alle Fett- oder Oelflecke etc. auswaschen. Flecke von Harz und Theer auf Tuch müssen erst durch ein wenig Butter erweicht werden. — Flecke auf Farbendruckbildern lassen sich entfernen mit einer schwachen Lösung von Salmiakgeist und lauwarmem Wasser. Oelflecke, welche beim Maschinennähen in Weißzeugen entstanden, werden entfernt, indem man die Flecke mit einem Läppchen reibt, welches mit Salmiakgeist benetzt worden ist, nachher mit Seife abgewaschen. * ,
Weizensuppe für schwächliche Kinder. Eine nahrhafte Suppe für schwächliche und skrophulöse Kinder kann man auf folgende Weise Herstellen: Es werden gute Weizen- körner ausgelesen, im Ofen getrocknet, nicht geröstet, und auf einer Kaffeemühle gemahlen. Dieses Mehl mit der Kleie wird mit kochendem Wasser überbrüht. Zucker kommt nicht daran, nur als geschmackverbeffernder Zusatz einige Tropfen Himbeersaft. Da dieses Getränk leicht säuert, muß es täglich frisch bereitet werden. Erst bei kräftiger Verdauung darf man den dritten Theil Milch zusetzen, also zwei Theile Suppe, ein Theil Milch. Das Verhältnis der Suppe selbst aber ist derart, daß auf Vs Liter gemahlenen Weizens ein Liter Wasser kommt.
Vermischtes.
Wörtlich. A: „Warum trinkst Du denn den Cognac immer mit dem Strohhalm aus?" B: „Weil ich meiner Frau versprochen habe, nie mehr ein Schnapsglas an die Lippen zu thun." *
Unterschied. „Sie fahren zweiter Klasse?" - Wegen meines Ranges! . . Und Sie?" — „Dritter Klasse — wegen meiner RangerU"
Aufmerksam. Herr (bei dem ersten, durch einen Heirathsvermittler veranstalteten Zusammentreffen mit einer Dame): „Da ich nicht weiß, mein Käulein, ob Sie blonde oder schwarze Haare vorziehen, bin ich heute mit einer Glatze gekommen. Bitte, bestimmen Sie die Farbe meiner Perrückei
Im Kurhause. Gast* „Kellner, bekommt man hier nicht auch 'ne halbe Portion?" - Kellner: „Bedaure! Aber nehmen Sie ruhig eine ganze I Die ist auch nicht größer, al* bei Ihnen zu Hause die halbe!" *
Verwendung. Literat: „Haben Sie meine Gedankenspäne benutzt?" — Redacteur: „Ja, sie. haben recht gut gebrannt!"
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Im Seebade. Herr: „Weshalb baden Sie nicht, gnädige Frau?" - Dame: „Ich bade nicht in einem Meere, in welchem sich schon so viele gebadet haben."
Redaction: I. V.: Hermann Elle. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


