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Während sie so zu mir sprach, sah sie muthwillig zu ihm
In demselben Augenblick trat Edith zu uns heran.
Es war an einem trüben Nachmittag im Februar, als ich Guidos Haus betrat. Der Diener schritt mir eine breite Treppenflucht voran und führte mich in Ediths Zimmer- In einem bequemen Fauteuil müßig zurückgelehnt, saß die junge Frau mit einem koketten Lächeln auf ihrem immer noch kindlichen Gesicht. Auf die Lehne gestützt, den Kopf zu ihr herab- gebeugt, stand ein Herr und sprach in halbem Flüstertöne zu ihr. —
Zwei Tage später erhielt ich einen langen Brief von ihr, voll Entschuldigungen über ihre Saumseligkeit und der dringenden Bitte, sobald ich wieder ganz wohl sei, zu ihnen zu kommen. Diesem Briefe folgte aber bald die Nachricht, sie seien nach Paris abgereist und müßten mich bitten, meinen versprochenen Besuch aufzuschieben —
Zwei Monate später war ich auf dem Wege zu ihnen nach der Hauptstadt, da ich annehmen durfte, daß das junge Ehepaar inzwischen aus Paris zurückgekehrt sei.
Dieser Herr war kein Anderer, als Lord Hasewood. — Als der Diener meinen Namen nannte, sprang Edith auf, flog mir in die Arme und überschüttete mich mit Liebkosungen. Lord Hasewood kam auf mich zu und reichte mir die Hand. Ich weiß nicht, weshalb, aber ich sah ihm forschend in's Gesicht und er wich sichtlich vor meinem Blick zurück; ja, ich irrte mich nicht, er wich zurück I Mir war in dem Augenblick, als fiele die Maske der Schönheit von seinem Antlitze herab und enthüllte mir die ganze schreckliche Häßlichkeit, die sich dahinter barg. Nur eine Secunde berührte er meine Hand, begegneten sich unsere Blicke, aber als wir uns von einander wandten, da wußten wir, daß wir für immer geschworene Feinde waren.
„Guido ist ausgegangen," sagte Edith, „aber ich denke, er wird nicht lange ausbleiben. O, Madeleine, ich sage Dir, wir haben in Paris eine köstliche Zett verlebt, besonders nachdem wir dort unseren alten Freund Lord Hasewood wieder trafen. Auf unser Zureden ist er auch mit hierher nach Deutschland gekommen, aber er ist de» Lebens hier sehr müde
„Bist Du des Tanzens schon müde," erklang Guidos Stimme, während er sich neben mir niederließ.
„O nein, ich tanze gern, ich bin aber auch gern einmal ein halbes Stündchen mit meinen Gedanken allein."
„Da denkt meine liebe kleine Edith anders," sprach Guido mit halbtraurigem Lächeln, „sie ist verstimmt und unglücklich, wenn sie nicht von einer Gesellschaft, von einem Vergnügen zum anderen eilen kann. — Aber so fürstlich ihr Vermögen auch scheint, schmilzt es doch wie Schnee vor der Sonne, wenn wir in dieser Weise weiter leben."
„Du solltest diesem luxuriösen Leben ein wenig steuern," entgegnete ich.
„Um für unfreundlich zu gelten?" erwiderte er. „In Vielem setze ich meinen Willen energisch durch; aber sie schickt ihre Einladungskarten aus, ohne mich darum zu befragen. Du siehst, was die Folge davon ist."
„Warum gingt Ihr auf zwei Monate nach Paris?" fragte ich.
„Edith wünschte es so dringend, daß ich nachgab. Dort trafen wir Lord Hasewood; da er ein viel besierer Gesell- schafter ist als ich, redete ich ihm zu, mit hierherzukommen, um mich bei dem und jenem Vergnügen zu vertreten."
„Wie geht es Ihnen, Mylord?" begrüßte sie ihn ° , . . ---------„ -...............
reichte ihm die Hand. „Ich hatte keine Ahnung davon, daß tutete d,e Antwort.
Sie heute hier erwartet wurden. Ich freue mich, Sie zu mußt Du Deine Besprechung aufschieben," sagte
sehen." Edith. „Das morgende Theater gehört zu dem Programm,
Darauf stellte sie ihn Guido als einen Freund vor, den ! °ß5_ für Madeleines Besuch entworfen habe. Der Herr
sie in Paris kennen gelernt hätte. muß stets galant gegen die Dame sein."
Ich mußte mich geirrt haben; unmöglich konnte dieser ft' e$ möglich ist," antwortete er lächelnd; Fremde, dem sie jetzt so ruhig begegnete, mit ihrer halben ?mOTeine, geschäftliche und zwar um eine
Ohnmacht etwas zu thun gehabt haben. Wie hätte Edith, le,lf w geschäftliche Angelegenheit handelt, muß ich Dich die kleine, unschuldige Edith, sich so verstellen können? Dich mir zu fügen, es sei denn, Ihr wolltet allein
* »Siehst Du, Madeleine, das ist seine stete Entschul-
Fünf bis sechs Wochen mochten vergangen sein, als Guido Klagte Edith sich. „Immer ist es ein wichtiges
mir schrieb und mich auf Ediths Wunsch einlud, sie auf einige ^hindert, zu thun, um was ich ihn bitte.
Zett in der Stadt zu besuchen. Einer starken Erkältung halber @ t A mich seinem Willen fügen." war ich genöthigt, die Einladung abzulehnen, fügte aber die | hpÄ ?UJtiob ^ö"e8' schmollendringende Bitte hinzu, Edith möchte mir doch recht bald selbst Ll „ J Me und küßte es wiederholt. Doch
einmal schreiben; ihr langes Schweigen machte mich einiger- 'ft er ^merkte ich wohl einen leichten Schatten in seinen
maßen besorgt. I Augen und einen schwermüthigen Zug um seine fein-
- s geschnittenen Lippen.
Lord Hasewood war unser beständiger Begleiter, ja, Guido schien ihn al» unsere stete Escorte zu betrachten, wenn er uns-- was oft geschah — nicht begleiten konnte. Die beiden Herren waren dis besten Freunde; nie schien Guido auch nur den leisesten Verdacht zu hegen, daß dieser Freund ihn hintergehen könnte.
Eines Abends gab Edith einen großen Ball.
Als ich an jenem Ballabend träumend in einem Nebenzimmer saß, an Ediths Leben dachte und überlegte, was Walter wohl dazu sagen würde, wenn er sie, den Schmetterling der Mode, in diesem Augenblick sehen könnte, in der kostbaren, von Edelsteinen funkelnden Toilette und auf so leichten Pfaden des großstädtischen Genußlebens — ward ich plötzlich aus meinem Sinnen geweckt.
i wie ein Lehrer ein eigensinniges Kind, der bei aller Nachsicht wir | doch bemüht ist, ihren Willen dem selnigen zu beugen.
| »Guido, wir gehen morgen Abend in die Oper," sagte ant- । Edith im Laufe des Abends. „Madeleine hat die neue Over | noch nicht gehört."
Leider habe ich morgen eine nothwenbige Besprechung, und | mir werden es wohl auf Mittwoch Abend verschieben müffen,"
Lord Hasewood machte statt aller Antwort nur eine tiefe t , Verbeugung, aber der Blick, den er unter seinen dunklen
Nach dem Schloß zurückgekehrt, wurde uns der verspätete | Brauen hervorschoß, sagte genug.
Gast als Lord Arthur Hasewood vorgestM. Bald befand ich Zur Effenszeit sah ich auch Guido wieder: er war her« michmtt ihm in lebhaftem Gespräch und er erzählte mir, daß | selbe geblieben, er war freundlich, herzlich und aufmerksam er Ediths Bekanntschaft in Paris gemacht habe und dort öfter Edith behandelte er wie ein schwaches, schwankendes Geschövs mit ihr zusammengetroffen sei. > «f» -<« --—------ <- < • -
„Wissen Sie, daß sie meine Pflegeschwester ist, daß miteinander aufgewachsen sind?" fragte ich.
„Nein, es ist das erste Wort, das ich davon höre,"
»ortete er überrascht.
®ie Braut ist ohnmächtig geworden," rissen die Zunächst- und will nächste Woche wieder zurück nach Laris • ist stehenden und einige traten schnell hinzu, ihr Bestand zu nicht häßlich von ihm?" 8 ba6
»isten, aber sie verlor das Bewußtsein nicht. Eine Minute Während sie so zu mir svraL iaü fi» mnffim»»» lag sie todtenblaß in Guidos Armen, aber schon im nächsten auf und dann lachte sie munN.^' M R
Augenblick erklärte sie, wenn auch noch bleich und zitternd, " ' " ’ sie fühle sich wieder ganz wohl.


